Protothekose

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei der Protothekose handelt es sich um eine infektiöse Erkrankung, die neben dem Menschen auch Rinder und Hunde befällt. Der Auslöser der Protothekose findet sich in Prototheca-Grünalgen. Am häufigsten sind dabei Prototheca zopfii und Prototheca wickerhamii. Bei Erkrankungen des Menschen liegen der Protothekose in den meisten Fällen Grünalgen der Art Prototheca wickerhamii zu Grunde.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Protothekose?

Eine erste Beschreibung der Protothekose erfolgte im Jahr 1964. Grundsätzlich handelt es sich bei der Protothekose um eine Krankheit, die bei Menschen relativ selten auftritt. Zudem ist die Protothekose in der Regel nicht unter Menschen übertragbar. Stattdessen stecken sich die meisten Personen durch Prototheken externen Ursprungs an.

Mitunter finden sich Prototheken auch bei Menschen, die nicht an der Erkrankung leiden. Dabei sind bei zahlreichen Personen entsprechende Prototheken nachweisbar, die sich in erster Linie in den Luftwegen sowie dem Magen-Darm-Trakt befinden. In über 50 Prozent der klinisch festgestellten Erkrankungen liegt bei den Patienten eine Schwäche des körpereigenen Abwehrsystems vor. Dieser Umstand scheint das Auftreten der Protothekose zu fördern.

Das geschwächte Immunsystem ergibt sich im Rahmen der Protothekose oft durch Blutkrebs, die Einnahme von Kortikosteroiden sowie die Transplantation von Organen. Auch ein regelmäßiger Alkoholmissbrauch sowie Diabetes mellitus begünstigen die Infektion mit der Protothekose. Zudem nehmen zahlreiche Patienten mit Protothekose gleichzeitig Immunsuppressiva ein und haben das dritte Lebensjahrzehnt bereits überschritten. Möglich ist außerdem ein Vorkommen der Protothekose bei Säuglingen und Patienten im Kindesalter.

Zudem bestehen bestimmte geografische Konzentrationen der Protothekose. So tritt die Protothekose besonders oft in ruralen Gebieten Taiwans sowie dem Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika auf. Einem speziellen Risiko für die Erkrankung an der Protothekose sind Personen ausgesetzt, die auf Reisfeldern oder Äckern arbeiten oder regelmäßig mit Meeresfrüchten in Berührung kommen.

Ursachen

Die genaue Pathogenese der Protothekose ist bisher nicht ausreichend erforscht. Die Virulenz von Prototheken ist generell vergleichsweise niedrig, sodass sich infektiöse Prozesse meist auf einen bestimmten Bereich beschränken. Die Patienten infizieren sich oftmals durch einen Haut- oder Atemwegskontakt mit den Prototheken.

Insbesondere Verletzungen auf der Haut stellen eine leichte Eingangspforte für Prototheken dar. Schwerwiegende Ausprägungen der Protothekose stellen sich meist nur dann ein, wenn die Patienten an einem geschwächten körpereigenen Abwehrsystem leiden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ärzte unterscheiden in drei verschiedene Symptomformen der Protothekose. So äußert sich die Krankheit einerseits in Bursitis olecrani. Dabei handelt es sich um Entzündungen der Schleimbeutel im Bereich der Ellenbogen sowie weiteren Infektionen. Andererseits ist eine kutane Protothekose mit Veränderungen und Schäden an der Haut möglich.

Schließlich kommt die Protothekose auch in der Form von Infektionen der Harnwege und Lungen, Kolpitis sowie Entzündungen der Hirnhaut vor. Am häufigsten tritt die kutane Protothekose auf, die sich zum Beispiel an Läsionen der Haut oder Schleimhäute zeigt. Die Beschwerden bilden sich allmählich und über einen längeren Zeitraum aus. Eine spontane Heilung dieser Form der Protothekose ist vergleichsweise selten.

Typisch für die kutane Protothekose sind Ulzera sowie Eiter- und Krustenbildungen auf der Haut. Mitunter entsteht in der Folge dieser Form der Protothekose eine Synovitis. Die Inkubationszeit der Protothekose beträgt meist einige Wochen. Die Schäden an der Haut beschränken sich oft auf einen Bereich. Eine Ausbreitung auf weitere Areale des Körpers erfolgt üblicherweise nur bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Dabei sind insbesondere das Gesicht sowie die Gliedmaßen betroffen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose von Protothekosen erfolgt meist relativ spät, denn Ärzte ziehen die Krankheit bei der Differentialdiagnose selten in Betracht. Mitunter erhärtet sich der Verdacht auf das Vorliegen einer Protothekose erst dann, wenn über einen größeren Zeitraum Behandlungsversuche gegen andere Keime scheitern. In der Anamnese geht der behandelnde Arzt auf das Beschwerdebild der Protothekose ein und fragt nach einem möglichen Kontakt mit Prototheken.

Bei der Diagnose der Protothekose spielen histologische Untersuchungen von Gewebeproben eine wichtige Rolle. Der Arzt nimmt die Proben beispielsweise von Hautstellen, die von der Protothekose befallen sind. Auch die Nutzung von Wundsekreten kommt infrage. Gleichzeitig legt der Arzt meist eine mikrobiologische Kultur an, um die Erreger der Protothekose zu identifizieren. Blutuntersuchungen hingegen tragen nur unwesentlich zu einer Diagnose der Protothekose bei.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei der Protothekose erst dann zu Komplikationen, wenn die Krankheit nicht behandelt wird. Die Betroffenen leiden dabei an den Symptomen der Infektion, wobei sich diese Infektion auch in andere Bereiche des Körpers ausbreiten kann. Dabei können auch die Nieren, Harnwege oder auch die Lunge von der Krankheit betroffen sein.

Weiterhin kommt es durch die Protothekose auch zu einer Entzündung der Hinhaut. Tritt keine Behandlung dieser Krankheit ein, so kommt es in der Regel auch zum Tode des Patienten. Eine Selbstheilung tritt dabei in den meisten Fällen nicht auf. Die Diagnose der Erkrankung erfolgt in der Regel relativ spät, da die Krankheit eine hohe Inkubationszeit besitzt. Weiterhin kommt es aufgrund der Infektion zu einem allgemein geschwächten Immunsystem, sodass die Patienten auch einfacher an anderen Krankheiten erkranken.

Die Behandlung der Krankheit erfolgt mit Hilfe von Medikamenten oder durch einen operativen Eingriff. Dabei kommt es in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Komplikationen treten in der Regel erst dann auf, wenn die Protothekose nicht behandelt wird. Dabei kann es auch zu einer verringerten Lebenserwartung des Patienten kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Protothekose stellt ein schwerwiegendes Leiden dar und sollte umgehend ärztlich behandelt werden. Wenn Symptome wie die typischen Hautläsionen, systemische Infektionen am gesamten Körper oder Entzündungsreaktionen wie Lungen- oder Hirnhautentzündungen auftreten, wird am besten der Hausarzt eingeschaltet. Personen, die bereits an einer Protothekose erkrankt sind oder unter Vorerkrankungen des Immunsystems leiden, gehören zu den Risikogruppen. Sie sollten den Arzt aufsuchen, wenn Anzeichen einer Lungen- oder Hirnhautentzündung auftreten oder das Wohlbefinden insgesamt rasch abnimmt.

Da die Erkrankung oftmals zu spät diagnostiziert wird, muss gegebenenfalls unmittelbar nach der Diagnose mit der Behandlung begonnen werden. Die Protothekose wird von dem Hausarzt oder einem Internisten behandelt. Die medikamentöse Behandlung mittels Antibiotika und Antimykotika muss ärztlich überwacht werden. Der Arzt muss über Neben- und Wechselwirkungen informiert werden, damit die Medikation angepasst werden kann. Zudem sollte ein Ernährungsberater in die Behandlung involviert werden. Der Fachmann kann eine unterstützende Diät vorschlagen und dadurch zu einer raschen Genesung beitragen.

Behandlung & Therapie

Eine standardisierte Behandlung der Protothekose ist bisher nicht vorhanden. Auch über die Erfolge möglicher therapeutischer Ansätze existieren aktuell noch kaum statistische Ergebnisse. Meist setzen Mediziner eine Verbindung zwischen einer medikamentösen sowie einer operativen Behandlung der Protothekose ein. Grundsätzlich stellt sich eine spontane Heilung der Protothekose in den seltensten Fällen ein.

Hinsichtlich der kutanen Protothekose hat sich eine Entfernung der erkrankten Hautbereiche im Rahmen operativer Eingriffe als erfolgreich erwiesen. Gleichzeitig erhalten die Patienten lokal Amphotericin B sowie Azolen. Eine kontinuierliche Überwachung der Therapieerfolge ist bis zur Heilung der Protothekose nötig. Genaue Aussagen über die Prognose der Protothekose sind nicht möglich.

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Vorbeugung

Vorbeugungsmaßnahmen bezüglich der Protothekose sind nicht bekannt. Die Entstehungshintergründe der Protothekose sind unzureichend erforscht. Die bekannten Risikogruppen, etwa Reisbauern oder Farmer in bestimmten Regionen der Erde, achten besonders auf die Vermeidung des Kontakts mit Prototheken.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Protothekose liegt die wichtigste Selbsthilfemaßnahme darin, sofort den Arzt aufzusuchen und diesen möglichst genau über das Symptombild zu informieren. Anhand eines Krankheitstagebuchs können die einzelnen Beschwerden festgehalten werden, wodurch die anschließende Diagnose erheblich erleichtert wird.

Die eigentliche Behandlung kann in erster Linie durch Bettruhe und ausreichende Körperhygiene unterstützt werden. Da es sich bei der Protothekose um eine infektiöse Erkrankung handelt, muss der Kontakt mit anderen Menschen vermieden werden. Zudem können verschiedene Salben und Lotionen aus natürlichen Kräutern verwendet werden, um die Behandlung durch medizinische Präparate zu unterstützen. Nach einem operativen Eingriff muss der Patient sich schonen und die ärztlichen Anweisungen befolgen. Der Mediziner wird eine Umstellung der Ernährung sowie die regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten empfehlen. Gleichzeitig muss der Körper beobachtet werden, damit etwaige Rezidive rasch erkannt werden können.

Begleitend dazu muss die Ursache der Erkrankung ermitteln und behoben werden. Meist genügt es, den Kontakt mit den auslösenden Prototheken zu vermeiden. Bei schweren Erkrankungen, die möglicherweise bereits Narben hinterlassen haben, ist begleitend dazu eine psychologische Beratung sinnvoll, um etwaige seelische Folgebeschwerden zu vermeiden.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Suttorp et al.: Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln. Thieme, Stuttgart 2003

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