Kurzsichtigkeit (Myopie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Kurzsichtigkeit bedingt ein unscharfes Sehen beim Blick in die Ferne. Eine Myopie kann verschiedene Ursachen haben und wird entsprechend auf verschiedene Weisen behandelt.

Inhaltsverzeichnis

Definition Kurzsichtigkeit (Myopie)

Myopie ist eine Fehlsichtigkeit, bei der Gegenstände, die weit vom Betrachter entfernt sind, unscharf gesehen werden. Bei vorliegender Kurzsichtigkeit werden dagegen Dinge, die sich nahe beim Betrachter befinden, scharf gesehen.

Menschen, die unter Myopie leiden, aber keine entsprechenden optischen Hilfsmittel (Brille oder Kontaktlinse) tragen, zeigen häufig beim Blick in die Weite ein Zusammenkneifen der Augen; so kann die Sicht bei Kurzsichtigkeit kurzfristig besser werden.

Diesem Fakt verdankt die Myopie auch ihre Bezeichnung, denn die griechische Bezeichnung der Kurzsichtigkeit lehnt sich an das Wort 'Myops' an; dies bedeutet im Deutschen soviel wie 'Blinzelgesicht'.

Die Ausprägung der Kurzsichtigkeit wird individuell in der Einheit Dioptrien angegeben; dabei ist eine Myopie gekennzeichnet durch Dioptrienwerte im negativen Bereich, also z.B. -0,5 Dioptrin.

Ursachen

Einer Kurzsichtigkeit können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Dabei liegt die in Deutschland am häufigsten vorkommende Ursache der Myopie in einem Augapfel, der in Relation zu seiner Brechkraft zu lang ist (man spricht bei dieser Form der Myopie auch von der sogenannten Achsenmyopie).

Die auf das Auge fallenden Lichtstrahlen bündeln sich bei dieser Form der Kurzsichtigkeit also bereits, bevor sie auf die Netzhaut treffen, und die Abbildung auf der Netzhaut wird dadurch unscharf. Die Achsenmyopie als Form der Myopie kann erblich bedingt sein, wird aber auch häufig beobachtet bei Menschen, die zu früh auf die Welt kamen.

Eine weitere mögliche Ursache einer Kurzsichtigkeit ist eine zu hohe Brechkraft oder eine Verkrümmung von Hornhaut oder Linse; bezeichnet wird diese Form der Kurzsichtigkeit als Brechungsmyopie. Diese Form der Myopie kommt in Deutschland seltener vor.

Krankheitsverlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie des Auges mit Kurzsichtigkeit und nach der Behandlung. Klicken, um zu vergrößern.

Eine Kurzsichtigkeit entwickelt sich meist innerhalb der ersten drei Lebensjahrzehnte und schreitet dann nicht mehr oder deutlich langsamer fort. Bei einer stark ausgeprägten Myopie kann es allerdings auch nach Vollendung des 3. Lebensjahrzehnts noch zu deutlichen Verschlechterungen kommen.

Liegt eine Myopie in Form einer Achsenmyopie vor (ist also der Augapfel verhältnismäßig verlängert), steigt mit zunehmender Stärke der Myopie bzw. mit zunehmender Länge des Augapfels das Risiko, dass sich die Netzhaut verdünnt.

In der Folge kann es dadurch bei einer starken Kurzsichtigkeit zu einer Netzhautablösung kommen. Damit steigt auch das Risiko, bei nicht rechtzeitig erfolgender augenärztlicher Behandlung der Netzhautablösung zu erblinden.

Komplikationen

In der Regel führt eine Kurzsichtigkeit nicht zu besonderen Komplikationen beim Patienten. Die Krankheit ist allerdings in den meisten Fällen nicht ursächlich heilbar, sodass die Patienten auf eine Brille oder auf Kontaktlinsen angewiesen sind. Es tritt auch keine Selbstheilung ein. Die Betroffenen leiden aufgrund der Kurzsichtigkeit an Sehstörungen und können Objekte nicht mehr richtig erkennen.

In der Regel treten Komplikationen erst dann ein, wenn die Kurzsichtigkeit nicht behandelt wird und der Betroffene auch keine Sehhilfe trägt. Dabei werden die Muskeln der Augen weiterhin stark angestrengt, sodass sich die Fehlsichtigkeit noch weiter verstärken kann. Im schlimmsten Fall kann es dabei auch zu einer vollständigen Erblindung des Patienten kommen.

Im Erwachsenenalter kann die Kurzsichtigkeit mit Hilfe eines Lasereingriffes behandelt werden. Dabei kommt es nicht zu Komplikationen und die Beschwerden verschwinden nach dem Eingriff. Allerdings ist auch das Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen möglich. Möglicherweise kann der Betroffene bestimmte Berufe oder Tätigkeiten aufgrund der Kurzsichtigkeit nicht durchführen. Die Lebenserwartung des Patienten wird davon allerdings nicht beeinflusst oder verringert.

Behandlung Therapie

Sehschwäche haben heutzutage viel mehr Menschen, als noch vor einem Jahrhundert. Erst ein Sehtest bringt Gewissheit, wie es um die Leistungsfähigkeit der Augen bestellt ist.

Kurzsichtigkeit kann auf verschiedene Weisen behandelt werden. Eine Möglichkeit besteht in der Anwendung von optischen Hilfen (Brillen oder harte sowie weiche Kontaktlinsen). Bei Kurzsichtigkeit verwendete Linsen sind Zerstreuungslinsen. Sie zeichnen sich aus durch eine negative Brechkraft. Gegen gering ausgeprägte Myopie können sogenannte OK-Kontaktlinsen angewendet werden; sie können die Hornhaut vorübergehend leicht abflachen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind (entsprechend der Form einer vorliegenden Myopie) operative Eingriffe zur Korrektur der Kurzsichtigkeit; bei Achsenmyopie kann ein operativer Eingriff beispielsweise in Form einer Laserbehandlung stattfinden. Eines dieser Verfahren ist das LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis)-Verfahren.

Hierbei wird per Skalpell eine schmale Schicht der Hornhaut angehoben und nach oben geklappt; im Anschluss werden bei Myopie per Laser feine Anteile des Zentrums der Hornhaut verdampft, sodass sich einfallendes Licht erst auf der Netzhaut bündelt und so ein schärferes Sehen möglich ist. Der Eingriff erfolgt meist ambulant und dauert einige Minuten. Eine Verbesserung beim Sehen in die Ferne ist oft nach einigen Stunden feststellbar.

Die Erfolgschancen auf ein vollständiges Ausgleichen einer Kurzsichtigkeit sind in der Regel umso höher, je geringer eine Kurzsichtigkeit ausgeprägt ist.

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Vorbeugung

Es gibt wenige Möglichkeiten, einer Kurzsichtigkeit effektiv vorzubeugen. Je nach Form einer Myopie kann man aber eventuellen Folgen vorbeugen (so kann bei starker Kurzsichtigkeit beispielsweise ein regelmäßiger Augenarztbesuch dazu beitragen, eine Ablösung der Netzhaut frühzeitig zu verhindern bzw. zu beheben); der Verlauf einiger Formen der Brechungsmyopie kann durch eine konsequente Behandlung zugrunde liegender Problematiken (bspw. Grauer Star) positiv beeinflusst werden.

Das können Sie selbst tun

Lässt sich intensive, langwierige Augenarbeit nicht vermeiden, hilft eine zeitweilige Entspannung der Augenmuskulatur. Betroffene sollten den Blick ab und an auf einen Punkt in der Ferne richten. Dadurch ändert sich die Krümmung der Linse, die Augen werden neu „eingestellt“ und temporär entlastet. Beim Arbeiten am Computer empfiehlt sich ein Mindestabstand von 50 cm zum Monitor. Zahlreiche Einstellungen wie ein optimal gewählter Kontrast, eine vergrößerte Darstellung der Objekte und selektiv anwählbare Vergrößerungsgläser erleichtern Kurzsichtigen die Bildschirmarbeit. Im Extremfall empfiehlt sich eine Braille-Tastatur. Spezielle Computerprogramme lesen Bildschirmtexte vor, in der Freizeit erübrigen Hörbücher oder Hörzeitschriften das Selbstlesen.

Im häuslichen Alltag bewähren sich eine straffe Ordnung sowie eine gute Kennzeichnung von Gegenständen. Betroffene können scharfe, spitze oder zerbrechliche Utensilien mit Markierband in leuchtenden Farben weithin kenntlich machen. An Elektrogeräten wie Herd oder Waschmaschine helfen Markierungspunkte in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen. Mit ihrer Hilfe lassen sich Schaltereinstellungen ertasten. Um schwerwiegende Verwechselungen bei Medikamenten auszuschließen, gibt es Medikamentendosierer aus der Apotheke. Dort hinein können Angehörige die benötigte Tagesdosis einsortieren. Bei harmlosen Substanzen, beispielsweise Getränken oder Nahrungsmitteln, hilft das Hinzuziehen weiterer Sinneswahrnehmungen. Vieles lässt sich über seine Textur, Größe, Gewicht und Geruch erkennen. Blendfreies, flimmerfreies Licht unterstützt die Sicht.

Im öffentlichen Raum gibt es Sonderservices für Sehbehinderte. Beispielsweise bieten einige Fluggesellschaften eine Begleitung am Flughafen an. Sehbehinderte Bahnreisende können vorab eine Umsteighilfe buchen und viele Fahrpläne verfügen über einen Textmodus.

Bücher über Kurzsichtigkeit

Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Dahlmann, C., Patzelt, J.: Basics Augenheilkunde. Urban & Fischer, München 2014
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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