Kaufzwang

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Ein Kaufzwang, auch Kaufwahn oder Kaufrausch genannt, ist der innere Zwang, ständig einzukaufen. Betroffene leiden unter Kontrollverlust, Entzugserscheinungen und Schulden. Der Kaufzwang soll psychosoziale Ursachen haben und kann nur durch eine Psychotherapie behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Kaufzwang?

Als Kaufzwang wird eine psychische Störung von Konsumenten genannt. Betroffene leiden unter einem ständigen, wiederkehrenden Drang Produkte zu kaufen. Der Zwang führt zu Mehrfachkäufen, da der Betroffene keine Kontrolle über sein Verhalten hat. Die gekauften Gegenstände werden in der Regel nicht benötigt.

Der Akt des eigentlichen Kaufens ist der Mittelpunkt des Zwangs. Er löst die innere Anspannung und sorgt für Befriedigung. Dieser Zustand unterscheidet einen Kaufzwang von einem temporär auftretenden Kaufrausch klinisch gesunder Konsumenten. Die Sinnlosigkeit des Kaufens ist den Betroffenen bewusst. Dennoch kann dem Drang des Kaufens nicht wiederstanden werden. Wird der Drang unterdrückt, kommt es zu Entzugserscheinungen.

Ursachen

Die Ursachen für einen Kaufzwang sind vielfältig. Der Zwang kann eine Ventilfunktion für andere Probleme sein. Zum Beispiel, wenn der Betroffene sich über familiäre oder berufliche Probleme mit dem Kaufen von Gegenständen tröstet. Dieses Trösten stellt eine Befriedigungssituation dar, durch die sich der Konsument gut fühlt. Das Verhalten kann ein Betroffener in seinen Alltag übertragen.

Folglich wird mit jeder Kaufsituation eine kurzweilige Befriedigung entstehen, die zum Zwang werden kann. Eine weitere Ursache können Depressionen und Angststörungen sein. Um Zuneigung zu bekommen, kaufen Betroffene maßlos ein. Die gekauften Gegenstände werden anschließend verschenkt. Betroffene erhoffen sich eine Linderung ihrer depressiven Verstimmungen.

Auch seelische Traumata können ein Auslöser des Kaufzwangs sein. Eine Vernachlässigung oder Überversorgung durch die Eltern kann den Zwang hervorrufen. Zudem kann ein sexueller Missbrauch im Kindesalter eine Ursache für die Zwangsstörung sein. In Deutschland sind 9 Prozent der Bevölkerung kaufsüchtig. Von den Betroffenen sind 60 Prozent Frauen. Der Zwang ist unabhängig von der sozialen Schicht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den Symptomen eines Kaufzwangs zählt der Kontrollverlust über das eigene Kaufverhalten. Denn der Betroffene kauft wahllos Gegenstände. Hinzu kommt der Zwang zur Wiederholung der Einkaufstouren. Während anfänglich eine Einkaufstour den Zwang befriedigte, reicht die Anzahl bald nicht mehr aus. Daher zählt auch die Steigerung der Einkaufsdosis zu den Beschwerden eines Kaufzwangs.

Dazu kommen Entzugserscheinungen wie Zittern, Depressionen, innere Unruhe und Schweißausbrüche. Auch Schuldgefühle zählen zu den Symptomen. Neben körperlichen Beschwerden treten bei einem Kaufzwang auch weitere Probleme auf. Betroffene geben durch das zwanghafte Kaufen hohe Geldbeträge aus.

Es kann zu Schulden und Insolvenz kommen. Sogar die Beziehung kann unter den inneren, krankhaften Zwang leiden. Schließlich sind auch Probleme am Arbeitsplatz ein Symptom des Kaufzwangs.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Kaufzwang hat einen typischen Krankheitsverlauf. Er ähnelt Impulshandlungen, zählt aus psychiatrischer Sicht aber nicht zu diesen. Der Kaufzwang entsteht in der Psyche der Betroffenen. Es kommt zu einem inneren Drang, der mit der Zeit größer wird. Wer unter einem Kaufzwang leidet wird unruhig und nervös. Der innere Druck führt zu einer Angespanntheit der Konsumenten.

Wird dem Druck nicht mehr stand gehalten, wird wahllos und maßlos eingekauft. Es werden Gegenstände gekauft, die nicht benötigt werden. Daher werden viele gekaufte Dinge gar nicht ausgepackt und gehortet. Es besteht die Gefahr, ein Messie-Syndrom zu entwickeln. Für den Kaufzwang ist die Befriedigung des Drangs wichtig. Durch den Akt des Kaufens löst sich die innere Anspannung und weicht einem Glücksgefühl.

Betroffene sind übermäßig euphorisch. Allerdings hält dieser Zustand nicht lange an. Das ist typisch für den Kaufzwang. Auf eine kurze Befriedigung des inneren Drucks folgt ein schneller, erneuter Anstieg der Anspannung. Der Kaufzwang tritt oftmals in Schüben auf. In einer Phase ist der Drang des Betroffenen klein und aushaltbar.

Während dieser Zeit kann der Betroffene normal leben. Tritt ein Kaufschub ein, hat der Zwang die Kontrolle über den Betroffenen. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Zwang kaum steuerbar.

Komplikationen

Die schwerwiegendsten Komplikationen, die einen Menschen mit Kaufzwang betreffen können, sind sozialer und finanzieller Natur. So führt der impulsgesteuerte Einkauf von Dingen, die je nach Schwere und Dauer der Kaufsucht auch immer teurer werden, nicht selten zu einer Verarmung der Betroffenen. Das Sozialleben und andere Felder des persönlichen Lebens werden im Extremfall den finanziellen Abhängigkeiten angepasst und Betroffene finden und entwickeln in einigen Fällen Möglichkeiten, um an weitere Gelder zu kommen.

Überschuldungen durch Kredite - auch im privaten Bereich - werden akzeptiert und einigen Fällen gehen Betroffene auch zum Stehlen von Gütern über. Da es sich hierbei um die finanziellen Spätfolgen handelt, können diese auch noch nach Beginn einer Behandlung der Kaufsucht rechtliche Konsequenzen haben. Selbst dann, wenn es dem Betroffenen gelingt, sein impulsives Kaufverhalten einzudämmen, steht er Schulden und in vielen Fällen einer sozialen Isolierung gegenüber.

Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei der Kaufsucht nicht um eine streng klassifizierte Krankheit handelt, was es für Betroffene schwierig macht, Hilfsangebote aufzusuchen. Die Spirale aus Depressionen und dem kurzzeitigem Glücksgefühl durch das Kaufen verstärkt sich im Laufe der Jahre immer weiter. Zudem kann es bei der Oniomanie, wie bei allen Suchterkrankungen, trotz Behandlung zu einem Rückfall kommen. Eine völlige Abstinenz vom Konsum ist für die meisten Menschen nicht realisierbar.

Behandlung & Therapie

Den Kaufzwang eigenständig und ohne Hilfe von außen zu bewältigen ist sehr schwer. Als erstes muss sich der Betroffene seinen Zwang eingestehen. Der Kaufzwang kann nur bewältigt werden, wenn die Ursachen bekannt werden. Eine psychotherapeutische Unterstützung ist sinnvoll. Gemeinsam mit einem Psychotherapeuten muss geklärt werden, was der Betroffene mit seinem Kauf kompensieren will.

Es gibt noch keine gezielte Therapie gegen einen Kaufzwang, doch eine psychotherapeutische Gesamtbehandlung für seelische Störungen lindert die Symptome. Anstelle des Kaufens muss der Betroffene ein neues, harmloses Ventil für seinen Drang finden. Betroffene können auch eine Selbsthilfegruppe besuchen. Dort können sich die Betroffenen untereinander austauschen und voneinander lernen. Die medikamentöse Behandlung der Kaufsucht ist in Deutschland nicht üblich.

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Vorbeugung

Um einen Kaufzwang vorzubeugen, ist eine emotionale Ausgeglichenheit wichtig. Zur Prävention gehören auch, alle Kreditkarten zurückzugeben. Betroffene sollten immer nur mit Bargeld bezahlen. Damit wird deutlich, wie viel Geld ausgegeben wurde und wann das Portemonnaie leer ist. Ist ein Kaufzwang bekannt, sollten Schlussverläufe und Sonderverkäufe vermieden werden.

Die unausgepackten und unnötigen Produkte, die bereits gekauft wurden, sollten sichtbar in der Wohnung verteilt werden. Diese Gegenstände können mittels einer Liste katalogisiert und in der Tasche mitgeführt werden. Tritt eine Phase des Kaufzwangs auf, kann die vollgepackte Wohnung und die lange Liste eine abschreckende Wirkung haben.

Das können Sie selbst tun

Der Kaufzwang als Impulskontrollstörung wird vom Betroffenen selbst bei Einsicht des Problems ergänzend allein therapiert. Hier werden Maßnahmen angewandt, die im Rahmen einer Gesprächstherapie (Gruppentherapie, Selbsthilfegruppe oder therapeutisches Einzelgespräch) erarbeitet werden.

Ein Grundpfeiler der Selbsthilfe ist es zudem, auf die Bezahlung mit Geldkarten zu verzichten. Die bloße Verwendung von Bargeld zeigt bereits Wirkung, da sie den Umgang mit Geld bewusster macht, so finanzielle Grenzen schneller aufzeigt und noch ein wenig mehr Anreiz dazu bietet, die Kaufentscheidung zu überdenken.

Da dem Kaufzwang meist auch eine psychische Belastung anhaftet, ist es für Betroffene sinnvoll, wenn sie sich eine Tätigkeit oder ein soziales Umfeld suchen, in dem sie Anerkennung und Erfolge gewinnen. Dies können Hobbys, Sport und viele andere Dinge sein. Entsprechend der Annahme, dass Kaufzwang auch dazu dient, negative Emotionen zu verdrängen, können positive Erlebnisse dem Entstehen eben jener Gedanken vorbeugen.

Ein entsprechender Therapieansatz hat sich als effektiv erwiesen: Ersatzhandlungen zu finden, reduziert die Notwendigkeit des impulsiven Kaufens. Entsprechend ist das Ausweichen auf eine regelmäßige und befriedigende Beschäftigung von Betroffenen zu forcieren und doppelt effektiv. Zusätzlich sollten Betroffene sich eine Übersicht über die sinnlos gekauften Objekte verschaffen und diese mahnend in der Wohnung platzieren. Eine mitgeführte Liste kann ebenfalls vor dem abermaligen Kauf einer solchen Sache schützen.

Bücher über Zwänge

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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