Kapselendoskopie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Die Kapselendoskopie ist ein diagnostisches Verfahren, welches bereits seit dem Jahr 2001 zum Einsatz kommt. Der Patient schluckt eine Kapselkamera, die bei ihrem Transport durch den Verdauungstrakt automatisiert Bilder von der Schleimhautoberfläche an einen Datenrekorder sendet. Die Bildsequenzen können dann von einem Facharzt begutachtet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kapselendoskopie?

Bei der schluckbaren Kapsel handelt es sich um einen medizinischen Einmalartikel, der auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden wird. Die Kapsel wird also entgegen oft anderslautenden Meinungen nicht wiederverwendet. Aufnahmen entstehen von allen Abschnitten des Magen-Darm-Traktes mit Ausnahme der Mundhöhle. Diagnostisch wertvoll erwiesen sich besonders die Aufnahmen der Magenschleimhaut, sowie des Dünn- und Dickdarms. Besonders der Dünndarm ist mit den herkömmlichen coloskopischen Methoden nicht oder nur eingeschränkt erreichbar. Mit Hilfe der Kapselendoskopie ist es nun möglich, die Schleimhaut des Dünndarms in seiner Gesamtheit zu besichtigen und somit diagnostisch zu beurteilen.

Deshalb dient die Kapselendoskopie als sogenannter Goldstandart der Primärdiagnostik von Erkrankungen des Dünndarms. Eine herkömmliche Koloskopie kann bei manchen Patienten aus vielerlei Gründen nicht durchgeführt werden. Manche Patienten lehnen diese Untersuchungsmethode auch ab. In diesen Fällen und auch dann, wenn eine herkömmliche Dickdarmspiegelung zu hohe Risiken birgt, kommt die Kapselendoskopie als Alternative zum Einsatz. Bereits ein Jahr nach der Erstbeschreibung der Kapselendoskopie konnte bereits 2001 die Markteinführung stattfinden. Kamerakapselsysteme werden mittlerweile von verschiedenen Herstellern angeboten und vertrieben.

Funktion, Wirkung & Ziele

Seit dem ersten Einsatz der Kapselendoskopie im Jahr 2001 wurde das Verfahren weiterentwickelt und optimiert. So ist es heute beispielsweise möglich, für jeden Abschnitt des Verdauungskanals eigene, darauf abgestimmte Kameratypen einzusetzen. Die kapselendoskopischen Untersuchungen haben sich in Europa vor allem für die Darstellung der Schleimhäute von Dick- und Dünndarm durchgesetzt, nicht jedoch für die abschließende Beurteilung von Magen und Speiseröhre.

Die Kamera ist winzig, ähnlich groß wie eine Filmtablette und ohne Weiteres leicht schluckbar. Es handelt sich um eine absolut wasserdichte und freischwimmende Mikrodigitalkamera. Die Abmessungen betragen je nach Modell etwa 2,6 Zentimeter in der Länge und 1,1 Zentimeter in der Breite. Durch die ausgeklügelte Sende- und Steuerelektronik passt sich die Aufnahmefrequenz der Geschwindigkeit an, mit der die Kamera durch die unterschiedlichen Abschnitte des Verdauungstraktes wandert.

In schnellen Passagen werden bis zu 6 Bilder pro Sekunde geschossen. Die Bilder werden von einem Datenrecorder aufgezeichnet, den der Patient während der Untersuchung bei sich trägt. Die hochwertige Lithiumionenbatterie garantiert Aufnahmezeiten von bis zu 12 Stunden. Außerdem versorgt die Batterie während der Magen-Darm-Passage die Beleuchtung der Kamera. In einer Dickdarmkamerakapsel sind in der Regel 2 Kameras verbaut, an jedem Ende eine.

Bei einer Kapselendoskopie schluckt der Patient eine Kapselkamera, die bei ihrem Transport durch den Verdauungstrakt Bilder von der Schleimhautoberfläche sendet. Die Bildsequenzen können dann von einem Facharzt begutachtet werden.

Dies ermöglicht beinahe eine Rundumsicht. Wie auch bei der herkömmlichen Darmspiegelung muss der Patient vor der Untersuchung den gesamten Magen-Darm-Trakt gründlich reinigen. Ohne diese aufwendige Reinigungsprozedur verbleiben Speise- und Kotreste, die einen ungetrübten Blick auf die Schleimhaut unmöglich werden lassen. Auf der 5-12-stündigen Reise durch den menschlichen Verdauungstrakt nimmt die Kapselkamera bis zu 60000 Bilder auf. Der Patient ist während der Untersuchung höchstens durch den Datenrecorder geringfügig beeinträchtigt, nicht jedoch durch die Kapselkamera selbst, die auch überhaupt nicht gespürt oder sonst irgendwie wahrgenommen werden kann.

In der Dünndarmkapselendoskopie als Goldstandart findet die Methode vor allem Anwendung zur Diagnose und Verlaufskontrolle von entzündlichen Schleimhautveränderungen durch Zöliakie oder Morbus Crohn. Die Kapselendoskopie ist in Deutschland bereits für Kinder ab 2 Jahren zugelassen. Ein Einsatz kann auch in der Veterinärmedizin erfolgen, nur größere Tierarztpraxen oder Tierkliniken bieten das Verfahren an. Hauptindikationen für die Dickdarmkapselendoskopie sind Blutungen oder Tumorsuche. Die Kapselendoskopien des Dünn- und Dickdarms sind in Deutschland in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen für bestimmte Indikationen aufgenommen worden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Kapselendoskopie dient ausschließlich diagnostischen Zwecken, es können keine therapeutischen Sichtungen vorgenommen werden, um beispielsweise Polypen abzutragen oder Gewebeproben zu entnehmen, wie das bei der herkömmlichen Koloskopie der Fall ist. Da es sich bei der Kapselkamera um einen steril verpackten Einmalartikel handelt, besteht kein Hygienerisiko und auch keine Gefahr einer Ansteckung.

Die Bereitschaft zur Teilnahme an Krebsvorsorgeuntersuchungen könnte mit der Kapselendoskopie deutlich gesteigert werden, denn das Verfahren gilt als besonders patientenfreundlich. Als wichtigste Kontraindikation für die Anwendung der Kapselkamera gelten Stenosen, die eine Passage der Kapsel behindern könnten. Um die Durchgängigkeit der Darmpassage vorab zu testen, kann in Zweifelsfällen eine sogenannte Patency-Kapsel geschluckt werden.

Diese ist in Größe und Form mit der Kapselkamera identisch und würde sich nach etwa 30 Stunden von selbst in kleinste Einzelfragmente auflösen, sollte sie nicht ausgeschieden werden können. Schwangerschaft, Schluckstörungen sind ebenfalls Kontraindikationen. Hat ein Patient die Kapselkamera geschluckt, dann sind bis zu deren Ausscheiden mit dem Stuhlgang kernspintomographische Untersuchungen ausgeschlossen, da die Kapselkamera magnetische Bauteile enthält.

Eine Kernspinuntersuchung könnte somit lebensgefährlich sein. Eine flächendeckende Verbreitung der Kapselendoskopie hat sich allerdings noch nicht durchgesetzt, was auch an den sehr hohen Kosten pro Anwendung liegen dürfte. Die Risiken einer Anwendung der Kapselendoskopie gelten als gering bis sehr gering. In der deutschsprachigen medizinischen Literatur konnte seit der Einführung im Jahr 2001 kein Fall einer erheblichen Nebenwirkung dokumentiert werden.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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