Instinkte und Triebe

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Körperprozesse Instinkte und Triebe

Instinkte bzw. Triebe sind angeborene Antriebsgrundlagen für bestimmte Verhaltensweisen. Instinkthaftes Verhalten findet außerhalb der gedanklichen Kontrolle statt und ist etwa über Reflexe ins zentrale Nervensystem eingebettet. Beim Menschen ist die angeborene Ordnung der Instinkte der gesellschaftlichen Ordnung unterstellt.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Instinkte?

Instinkthaftes Verhalten findet außerhalb der gedanklichen Kontrolle statt und ist etwa über Reflexe ins zentrale Nervensystem eingebettet.

Instinkte werden auch Naturtriebe genannt. Sie sind nicht erlernt, sondern angeboren. Es handelt es sich um innere Antriebsgrundlagen für stereotype und starre Verhaltensweisen, die ohne reflektierte Kontrolle verlaufen. Diese Verhaltensweisen lassen sich vor allem an Tieren beobachten. Auch Menschen handeln manchmal aber spontan und unüberlegt auf Basis eines bestimmten "Gefühls".

Otto von Klineberg bezeichnet nur Verhaltensmuster als Instinktmuster, die bei Menschen jeder Kultur vorkommen, von der Prägung unabhängig sind und eine physiologische oder biochemische Verankerung im Organismus haben. Instinktives Verhalten meint damit Verhaltensmuster, die der Menschen außerhalb von bewussten Gedanken an den Tag legt.

Instinktverhalten wird durch einen bestimmten Wahrnehmungsreiz ausgelöst, der auch als Schlüsselreiz bekannt ist. Mit der Triebtheorie geht die Psychologie von angeborenen Trieben und Grundbedürfnissen des Menschen aus. In diesem Zusammenhang spielt der Begriff des Überlebensinstinkts eine gesteigerte Rolle.

Funktion & Aufgabe

Zugvögel zieht es in den Süden. Bienen zieht es automatisch zum Wabenbau. Diese Verhaltensmuster sind Verhaltensschemata des untrüglichen Instinkts. An Tieren lässt sich als Motivation für Instinktverhalten eine innere Ursache beobachten, die sie bestimmte Situationen aufsuchen lässt.

Dieser Zusammenhang wird auch als Appetenzverhalten bezeichnet. Nach diesem Appetenzverhalten legen Tiere stereotype Verhaltensmuster an den Tag, die als Instinktreaktionen bezeichnet werden. Wenn sie das Appetenzverhalten zum Beispiel dazu treibt, einen Nistplatz zu suchen, dann beginnen sie stereotyp mit dem Nestbau, sobald sie einen Nistplatz gefunden haben.

Die Abläufe von Instinktverhalten sind in das Nervensystem eingebettet. Das gilt auch für das Instinktverhalten des Menschen. Jedes Instinktverhalten besteht aus einzelnen Instinktbewegungen. Der Mensch spürt seinen Instinkt als unwillkürlichen Drang oder unmittelbare Tendenz etwas Bestimmtes zu tun. Eine innere Unruhe stellt sich ein.

Der Körper kontrolliert die einzelnen Instinktbewegungen. Solange die Handlungsbereitschaft des Körpers vorhanden ist, kann es zu reflexartigen Verhaltensabläufen kommen. Das Reiz-Reflex-Schema des Menschen ist so zu einem Großteil angeboren und instinkthaft. Der Körper beugt damit automatisch Gefahren vor.

Angeborene Reflexe dieser Art heißen auch unbedingte Reflexe. Wenn der Mensch beispielsweise einen Gegenstand wahrnimmt, der unmittelbar auf ihn zufliegt, dann schützt er instinktiv den eigenen Kopf. Dieser instinktive Reflex ist von seinem Bewusstsein unabhängig und entspricht einer automatischen Antwort des Gehirns auf einen bestimmten Gefahrenreiz. Instinkte und unbedingte, instinkthafte Reflexe sind demzufolge in das menschliche Nervensystem eingebunden. Andere Beispiele sind die Nahrungsaufnahme, die Atmung oder das Niesen.

Menschen entwickeln in ihrem Leben aber auch bedingte Reflexe. Das heißt, dass sie lernfähig sind und im Kontakt mit ihrer Umwelt neue Reflexe erlernen. Das unterscheidet Menschen von Insekten. Deren Instinktverhalten bleibt vom Lernverhalten über ein ganzes Leben hinweg unberührt.

Auf Basis ihres Lernverhaltens können sich Menschen bestimmte Instinkthandlungen sogar abgewöhnen. Die vorgegebene Ordnung ihrer Instinkte wird so im Laufe des Lebens einer gesellschaftlichen Ordnung unterstellt. In Gefahrensituationen spüren Menschen beispielsweise eine innere Unruhe in Form von Herzrasen und Schwitzen, die eigentlich den Fluchtimpuls auslösen möchte. Diesem Fluchtimpuls hält ein erwachsener Mensch in der Regel aber Stand. Das Instinktverhalten wird also willentlich unterdrückt.

Während des Säuglingsalters führen Menschen dagegen oft Instinkthandlungen aus. Sie säugen instinktiv zu Beispiel an der Brust ihrer Mutter. Wer den Mund eines Säuglings mit dem Finger berührt, löst schon damit einen Saugreflex aus. Dieses Verhalten ist angeboren und findet im Rahmen des Überlebensinstinkts statt.

Obgleich sich viele Instinktverhalten im Erwachsenenalter bereits verloren haben, gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass u.a. die Aggression und das Rangstreben als menschliche Instinkte zu bezeichnen sind. Viele Entscheidungen wären damit keine bewussten Entscheidungen mehr, sondern Instinkthandlungen. Diese Theorie ist allerdings sehr umstritten und es gibt Ergebnisse, die die Ursache dieses Verhaltens in gesellschaftlich kulturellen Elementen lokalisieren. Es fällt somit schwer, Instinkte von erlerntem Verhalten exakt zu unterscheiden. Meist handelt es sich wohl um ein Zusammenspiel.


Krankheiten & Beschwerden

Die Instinkte und Triebe des Menschen spielen eine gesteigerte Rolle im Hinblick auf die Psychoanalyse. Wie beschrieben unterdrückt der Mensch zuliebe der gesellschaftlichen Ordnung bestimmte Instinktverhalten. Er unterdrückt freiwillig auf Basis innerer Antriebe zum Beispiel seinen Gewalttrieb und seinen zügellosen Sexualtrieb, da er ansonsten nicht in Gesellschaft leben könnte.

Triebunterdrückung kann aber auch unfreiwillig stattfinden. Laut den Theorien Freuds ist eine unfreiwillige Unterdrückung bestimmter Triebe die häufigste Ursache für psychische Erkrankungen. Neurosen sollen laut Freud zum Beispiel fast immer auf aufgezwungenen Triebverzicht zurückzuführen sein. So soll die Neurose in fehlerhafter Sexualentwicklung verankert sein, die das Kind zur Unterdrückung seiner eigenen Triebwünsche und Gefühle gezwungen hat.

Die Triebwünsche würden so ins Unbewusste verdrängt und führen außerhalb der Kontrolle zur Abweichung vom ursprünglichen Ziel und der Ausbildung von neurotischen Verhaltensmustern. Triebe können sich in dem beschriebenen Prozess also nicht mehr offen zeigen, aber bleiben verhaltenswirksam und suchen Ersatzbefriedigungen. Mittlerweile stehen viele von Freuds Theorien jedoch stark in der Kritik.

Quellen

  • Becker-Carus, C., Wendt, M.: Allgemeine Psychologie. Springer 2. Auflage, Berlin 2017
  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Faller, H.: Kurzlehrbuch Medizinische Psychologie und Soziologie. Springer, Berlin 2019

Das könnte Sie auch interessieren