Halsrippensyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
Startseite » Krankheiten » Halsrippensyndrom

Das Halsrippensyndrom zählt zu den Engpasssyndromen. Es ist auch als Skalenussyndrom bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Halsrippensyndrom?

In der Medizin wird das Halsrippensyndrom auch als Skalenussyndrom oder Naffziger-Syndrom bezeichnet. Gemeint ist damit ein Thoracic-outlet-Syndrom (TOS). Das Halsrippensyndrom stellt ein Engpasssyndrom dar. Es bildet sich durch eine Kompression von Nerven und Blutgefäßen in der Skalenuslücke.

Dabei wird der Plexus brachialis (Armgeflecht) innerhalb der Skalenuslücke zwischen dem Musculus scalenus medius sowie dem Musculus scalenus anterior eingeklemmt. Das Halsrippensyndrom gehört auch zu den Nervenkompressionssyndromen. In der heutigen Zeit fasst die Medizin das Halsrippensyndrom unter der umfassenden Bezeichnung Thoracic-outlet-Syndrom zusammen.

Dieses ist durch neurovaskuläre Kompressionssyndrome, die am oberen Brustkorb (Thorax) vorkommen, gekennzeichnet. In welcher Häufigkeit das Halsrippensyndrom auftritt, ließ sich nicht ermitteln.

Ursachen

Verantwortlich für das Halsrippensyndrom ist eine Kompression des Plexus brachialis sowie der Arteria subclavia. Beide Strukturen befinden sich innerhalb der sogenannten Skalenuslücke. Auslöser der Kompression können eine Halsrippe, eine Hypertrophie von Skalenusmuskeln oder störende Bandstrukturen sein.

Das Nervengeflecht des betroffenen Arms nimmt seinen Verlauf an den Armen über die Schultern entlang bis zur Brust. Zwischen Rippen und Halswirbeln befindet sich die Skalenuslücke, in der der Musculus scalenus medius und der Musculus scalenus anterior untergebracht sind. Zu einem Engpass kann diese Stelle werden, wenn dort eine zweite Halsrippe angesiedelt ist.

So gehören überschüssige Halsrippen zu den häufigsten Urhebern für ein Halsrippensyndrom. Neben knöchernen Strukturen sind mitunter aber auch Muskeln, bei denen eine Hypertrophie vorkommt, für das Auftreten eines Halsrippensyndroms verantwortlich. So bewirkt die einsetzende Übergröße von Muskelgewebe eine Enge des Armnervengeflechts.

In manchen Fällen kommt ein Halsrippensyndrom durch eine Exostose oder einen Steilstand der oberen Rippen zustande. Bei diesem Vorgang können nicht nur die Stränge des Plexus brachialis durch eine Kompression in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern auch die Stränge der Arteria subclavia.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Beschwerden eines Halsrippensyndroms gehören neuralgiforme Schmerzen, die in Arm und Schulter vorkommen. Besonders betroffen ist die Ulnarseite des unteren Arms. Als auslösender Grund gilt die motorische Innervation des Plexus brachialis von Schultermuskeln und Brustmuskeln. Auch an der sensiblen und motorischen Innervation von Hand und Arm hat der Armplexus Anteil.

Da es durch die Kompression zu Störungen der sensiblen Handinnervation kommt, zeigen sich außerdem Parästhesien und Hypästhesien an der Hand. Dabei handelt es sich um Gefühlsstörungen, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen. Dies trifft besonders dann zu, wenn zur gleichen die Arteria subclavia durch die Nervenkompression beeinträchtigt wird. Bemerkbar macht sich die Störung durch das häufige Einschlafen des Arms.

Nicht selten leiden die betroffenen Personen unter Schwere- und Taubheitsgefühlen. Manche Patienten beklagen im weiteren Verlauf Lähmungen an den Brust- und Armmuskeln, was auf die motorische Innervation des Plexus brachialis in dieser Körperregion zurückzuführen ist.

Ebenfalls sind im vorangeschrittenen Stadium des Halsrippensyndroms kleine Blutgerinnsel aufgrund von Verengungen an der Arteria subclavia möglich. Durch diese besteht die Gefahr, dass es zu einem Verschluss der Fingergefäße kommt, wodurch sich die Finger verfärben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf ein Halsrippensyndrom empfiehlt sich der Besuch eines Arztes. Auf Grundlage der typischen Symptome des Syndroms führt der Mediziner verschiedene Tests durch. So lässt sich bei einem Skalenussyndrom der Handgelenkpuls nicht mehr ertasten, wenn der Kopf in die hintere Richtung gestreckt wird, sich der Patient zur schmerzenden Seite dreht und zur gleichen Zeit einatmet. Diese Anspannung hat das Verdicken der Skalenusmuskeln zur Folge.

Mit dem Stethoskop horcht der Arzt das Schlüsselbein ab und nimmt dabei ein Rauschen wahr. Dieses gilt als Indiz für eine Arterienverengung. Wichtig sind bei einem Halsrippensyndrom zudem Röntgenaufnahmen. So lassen sich auf den Bildern zusätzliche Halsrippen identifizieren. Die überschüssige Halsrippe übt beim Halsrippensyndrom Druck aus.

Weiterhin sind auf den Röntgenbildern Verdickungen oder Formveränderungen an der ersten Rippe erkennbar. Die genaue Stelle, an der Verengungen der Blutgefäße durch das Syndrom auftreten, kann mit einer Sonographie (Ultraschalluntersuchung) aufgezeigt werden.

Von Bedeutung ist außerdem die Differentialdiagnostik, weil das Halsrippensyndrom von anderen Thoracic-outlet-Syndromen abgegrenzt werden muss. Prinzipiell besteht bei einem Halsrippen- oder Skalenussyndrom eine günstige Prognose. So ist in den meisten Fällen eine vollständige Heilung möglich.

Komplikationen

Beim Halsrippensyndrom kommt es in erster Linie zu starken Schmerzen beim Patienten. Diese Schmerzen treten dabei vor allem im Bereich der Arme und der Schultern auf und führen nicht selten zu Bewegungseinschränkungen oder zu anderen Einschränkungen im Alltag. Ebenso können die Schmerzen in Form von Ruheschmerzen auftreten und dabei den Patienten auch nachts belasten.

Hierbei kann es zu Schlafstörungen und einer allgemeinen Reizbarkeit des Patienten kommen. Nicht selten breiten sich die Schmerzen auch in andere Regionen des Körpers aus. Weiterhin kommt es zu Gefühlsstörungen und zu Durchblutungsstörungen. Dabei tritt das typische Kribbeln auf, wobei die Extremitäten leichte Lähmungen aufweisen können.

In schwerwiegenden Fällen kommt es zu starken Lähmungen und Sensibilitätsstörungen. Durch die Lähmungen ist das Handeln des Patienten extrem eingeschränkt und die Lebensqualität wird erheblich verringert. Weiterhin kann es zum Verschluss der Blutgefäße in den Fingern kommen. Die Behandlung erfolgt entweder durch einen operativen Eingriff oder mit Hilfe von Medikamenten.

Dabei kann allerdings kein Krankheitsverlauf vorausgesagt werden, da dieser in der Regel von der Ausprägung des Halsrippensyndroms abhängt. Die Lebenserwartung wird durch das Syndrom nicht verringert. Möglicherweise können allerdings bestimmte Lähmungen und Störungen nicht komplett entfernt werden, sodass der Patient sein gesamtes Leben lang an diesen leiden wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Halsrippensyndrom ist ein Besuch bei einem Arzt in jedem Falle notwendig. Sollten die Beschwerden des Syndroms ignoriert werden, kann es zu dauerhaften Lähmungen oder Taubheitsgefühlen kommen, die nicht mehr behandelt werden können. In der Regel ist der Arzt dann aufzusuchen, wenn es im Arm oder in der Schulter ohne einen besonderen Grund zu Schmerzen kommt. Auch eine verringerte motorische Fähigkeit des Armes kann auf das Halsrippensyndrom hindeuten. Weiterhin stellen auch Gefühlsstörungen oder Störungen der Durchblutung ein gewöhnliches Symptom dieses Syndroms dar. Vor allem ein ständiges Kribbeln in der betroffenen Region kann auf das Syndrom hindeuten und sollte untersucht werden. Spätestens bei dauerhaften Taubheitsgefühlen ist ein Arzt aufzusuchen. Auch das Verfärben der Finger kann auf die Erkrankung hindeuten.

Das Halsrippensyndrom kann in der Regel von einem Orthopäden oder einem Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Die Behandlung findet allerdings mit Hilfe verschiedener Übungen und Therapien statt. Ob es zu einer vollständigen Heilung kommt, kann nicht universell vorhergesagt werden. Eine frühzeitige Diagnose wirkt sich immer positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Behandlung & Therapie

Nicht immer ist bei einem Halsrippensyndrom eine aufwendige Therapie erforderlich. So reicht bei milden Verläufen meist das Behandeln der Schmerzen aus. Zu diesem Zweck werden lokale Betäubungsmittel in die betroffene Skalenusmuskulatur eingebracht.

Wichtig ist außerdem, dass der Patient Bewegungen oder Belastungen vermeidet, die Schmerzen auslösen oder sie verstärken. Auf diese Weise lässt sich die Gabe von Analgetika reduzieren. In manchen Fällen kann zudem eine Therapie von neurologischen Beschwerden wie zum Beispiel Lähmungen notwendig sein.

Eine solche Behandlung sollte rechtzeitig erfolgen, damit es am betroffenen Nervengeflecht nicht zu bleibenden Schäden kommt. Sind die neurologischen Defizite des Halsrippensyndroms stark ausgeprägt, muss oftmals ein operativer Eingriff stattfinden. Dabei wird die betroffene Halsrippe, die auf das Armnervengeflecht Druck ausübt, entfernt. Auf diese Weise lässt sich die Hauptursache der Kompression beseitigen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Wirkungsvolle Maßnahmen zur Vorbeugung eines Halsrippensyndroms gibt es nicht. So wird die Erkrankung zumeist durch überschüssige Halsrippen verursacht. Diese sind jedoch bereits angeboren. Möglich ist immerhin, den Schmerzen des Halsrippensyndroms vorzubeugen, indem der Patient auf schmerzauslösende Belastungen verzichtet.

Das können Sie selbst tun

Ein leichtes Halsrippensyndrom kann mit Hilfe von Schmerzmitteln behandelt werden. Unterstützt werden kann diese Therapie, indem Arm und Schulter geschont werden, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Gegen die Durchblutungsstörungen helfen Übungen aus der Krankengymnastik sowie sportliche Betätigung. In Rücksprache mit dem Arzt sind auch alternative Maßnahmen wie Akupunktur, Massagen oder Methoden aus der Chinesischen Medizin möglich. Auch die verordneten Schmerzmittel können unter Umständen durch alternative Mittel unterstützt werden. Die südafrikanische Teufelskralle zum Beispiel, hilft bei Schmerzen und lindert Entzündungen. Eine ähnliche Wirkung haben Weidenrinde und Curcumin.

Begleitend dazu müssen etwaige neurologische Beschwerden behandelt werden. Lähmungen können durch physiotherapeutische Maßnahmen reduziert werden. Die Therapie kann zu Hause durch Gymnastikübungen und Yoga unterstützt werden.

Bei stark ausgeprägten neurologischen Schäden ist eine Operation notwendig. Dann sind Schonung und Bettruhe die effektivste Unterstützung. Der Bereich um den Eingriff muss regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden. Sollten sich nach der Genesung erneut Beschwerden einstellen, wird am besten mit dem zuständigen Arzt gesprochen. Bei größeren Komplikationen, etwa akuten Schmerzen oder Bewegungsstörungen, ist der ärztliche Notdienst der richtige Ansprechpartner.

Bücher über Sensibilitätsstörungen

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: