Ulcus molle (weicher Schanker)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2017
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Ulcus molle (Chancroid), umgangssprachlich auch weicher Schanker genannt, ist eine sexuell übertragene Krankheit, die durch das Bakterium Haemophilus ducreyi hervorgerufen wird. Die Geschlechtskrankheit führt zu Geschwüren an den Genitalen, begleitet von einem Anschwellen der Lymphknoten. Ulcus molle lässt sich erfolgreich mit Antibiotika behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Definition Ulcus molle

Ulcus molle ist eine sexuell übertragbare Infektionskrankheit. Die Erkrankung findet sich überwiegend in wärmeren Ländern und tritt nur sporadisch in der Europa auf, gewöhnlich bei Personen, die kürzlich aus endemischen Gebieten zurückgekehrt sind.

Jüngste Berichte aus Süd-Ostasien und Afrika zeigen, dass das Auftreten von Ulcus molle im Verhältnis zu genitalem Herpes derzeit sinkt. Durch verschiedene Studien konnte inzwischen belegt werden, dass Ulcus molle einen erheblichen Ko-Faktor bei der Übertragung des Immunschwächevirus Typ 1 (HIV-1) darstellt.

Die verbesserte Diagnose und Behandlung von Ulcus molle spielt daher auch eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung der HIV-1-Epidemie. Hauptsächlich Männer sind von Ulcus molle betroffen, während bei Frauen der Krankheitsverlauf bei etwa der Hälfe der Infektionen ohne erkennbare Symptome verläuft.

Ursachen

Ulcus molle wird durch den Streptobacillus Haemophilus ducreyi hervorgerufen, der durch Geschlechtsverkehr mit infizierten Personen übertragen wird. Das Bakterium reagiert sehr empfindlich auf Austrocknung und Kälte, weshalb es vorwiegend in tropischen Ländern (Afrika, Lateinamerika oder Asien) vorkommt.

Der infektiöse Prozess von Ulcus molle befällt die Genitalhaut infolge winziger epidermaler Schürfwunden beim Geschlechtsverkehr, währenddessen sich der Erreger unter der Haut einnistet. Zunächst entwickeln sich 4-7 Tage nach der Infektion leicht entzündete Bläschen bevor sich Pusteln bilden. Läsionen infolge Ulcus molle treten in der Regel an der Vorhaut und am Penisschaft der Männer sowie an der Vulva, dem Gebärmutterhals oder an den Schamlippen der Frau auf.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Werden die Pusteln nicht behandelt, bilden sich innerhalb von 2-3 Tagen flache, schmerzhafte Geschwüre mit knötchenartigen Zellansammlungen und eitrigem Ausfluss. Darüber hinaus enthalten Ulcus molle Geschwüre zahlreiche positive T-Lymphozyten, die die Anfälligkeit von HIV-infizierten Personen zusätzlich erhöht.

Zu den Komplikationen infolge Ulcus molle gehören bei Männern eine Vorhautverengung sowie fortschreitende Geschwürbildungen. Hinzu kommen schmerzhaft geschwollene Lymphknoten, die bei starker Vereiterung spontan aufbrechen können. Eine rechtzeitige Diagnose von Ulcus molle ist zumeist erst mit krankhaften Veränderungen möglich. Bereits bei ersten Symptomen sollte daher unbedingt ein Urologe aufgesucht werden.

Zur Diagnose wird eine klinische Untersuchung eines Abstriches auf den Erreger von Ulcus molle aus einem Geschwür oder der Lymphflüssigkeit vorgenommen. Um eine Infektion mit einer anderen Geschlechtskrankheit auszuschließen, wird die Diagnose zusätzlich durch eine Anzucht aus dem Erregerstamm abgesichert. Grundsätzlich sollte parallel zur Diagnose von Ulcus molle ein HIV-Test durchgeführt werden.

Komplikationen

Bei Ulcus molle leiden die Patienten in erster Linie an einer starken Entzündung. Diese tritt dabei vor allem an der Stelle auf, an der der Erreger eingetreten ist. Die Stelle selbst ist dabei deutlich gerötet und kann auch von einem Juckreiz betroffen sein.

Weiterhin bildet sich dort aufgrund des Ulcus molles auch ein sehr schmerzhaftes Geschwür aus, welches die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringert und einschränkt. In vielen Fällen leiden diese auch an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem verringerten Selbstwertgefühl, da sich die Beschwerde auch sehr negativ auf die Ästhetik des Betroffenen auswirken kann. Weiterhin schwellen auch die Lymphknoten des Patienten deutlich an und der Betroffene fühlt sich schwach und abgeschlagen.

Weiterhin kann die Erkrankung auch zu einer schmerzhaften Vorhautverengung führen. In den meisten Fällen kann Ulcus molle relativ einfach und schnell mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. Nach ungefähr einer Woche verschwinden die Beschwerden und es kommt zu keinen weiteren Komplikationen.

Allerdings sind die Patienten auf regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen beim Arzt angewiesen, damit es zu keinen weiteren Beschwerden kommt. Die Lebenserwartung des Patienten wird bei einer erfolgreichen Behandlung nicht negativ beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Ulcus molle erfolgt üblicherweise mit einer Antibiotika-Therapie, wobei schwangere Frauen mit Sorgfalt behandelt werden sollten. Üblicherweise bewährt hat sich bei der Therapie von Ulcus molle eine dreitägige orale Therapie mit zweimal täglich 500 mg Ciprofloxacin.

Ebenfalls möglich ist die Einnahme von Erythromycin über einen Zeitraum von 7-10 Tagen. Als intramuskuläre Injektion kann gleichfalls Ceftriaxon als Einmaldosis verabreicht werden. Gefüllte Lymphknoten werden gegebenenfalls geöffnet, um einem späteren entzündlichen Aufbrechen der Knoten vorzugreifen.

Daneben empfiehlt sich bei Ulcus molle eine gründliche Körperhygiene im Genitalbereich, um die Geschwüre zu trocknen bzw. sauber zu halten und damit weiteren entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken. Dazu eignen sich Bäder mit Chinosol, Kaliumpermanganat oder entzündungshemmenden Substanzen. Ein Therapieerfolg bezieht neben der Notwendigkeit absoluter sexueller Abstinenz unbedingt den oder die regelmäßigen Sexualpartner in die Behandlung mit ein, um eine wiederholte Ansteckung mit Ulcus molle zu vermeiden. Eine Nachfolgeuntersuchung nach 3 Monaten kann eine Ausheilung bestätigen, womit ein chronischer Zustand ausgeschlossen wird.

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Vorbeugung

Grundsätzlich empfiehlt sich zur Vermeidung einer Infektion mit Ulcus molle der geschützte Geschlechtsverkehr (Safer Sex). Die Vermeidung des Eindringens von Scheiden- oder Samenflüssigkeit in den Körper wird durch die Verwendung eines Kondoms gesichert. Nur so kann verhindert werden, dass das Erregerbakterium über die Schleimhäute in den Körper gelangt.

Bücher über Geschlechtskrankheiten

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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