Vorhautverengung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Die Vorhautverengung (Phimose) ist eine bei vielen Jungen und wenigen Männern festzustellende Anomalität des die Peniseichel bedeckenden äußeren Vorhautringes. In den allermeisten Fällen ist diese zumeist harmlose Anomalität von lediglich vorübergehender Natur. In der Regel ist bei der Vorhautverengung kein medizinischer Eingriff erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Definition Vorhautverengung

Bei der Vorhautverengung handelt es sich einen Zustand, bei dem die bewegliche Vorhaut (Präputium) sich nicht so bewegen lässt, dass die Eichel freiliegt.

Die Vorhautverengung tritt in zwei Grundformen auf: Entweder kann die Vorhaut überhaupt nicht oder lediglich teilweise über die Eichel gezogen werden. In beiden Fällen ist der Versuch, die Vorhaut über die Eichel zu ziehen, regelmäßig mit Spannungsgefühlen oder mit Schmerzen verbunden.

Zu unterscheiden ist die Vorhautverengung von der oft mit ihr verwechselten, sehr häufigen Vorhautverklebung (physiologische Phimose), bei der als Folge entwicklungsbedingter Prozesse das innere Vorhautblatt an der Eichel festklebt. Die physiologische Phimose baut sich in der Regel vor Vollendung des sechsten Lebensjahres ab.

Ursachen

Die Vorhautverengung kann angeborene Ursachen haben, kann aber auch erworben werden. Durch Entzündungen oder Einrisse kann es zu Narbenbildungen kommen, die bei Jungen und Männern mit ursprünglich normaler Vorhautöffnung zu Schrumpfgewebe an der Vorhaut führen.

Durch die Schrumpfung wird dann eine erworbene Vorhautverengung bewirkt. Diabetiker sind für diese Form der Vorhautverengung besonders anfällig. Ferner können bestimmte Hauterkrankungen für das Auftreten von Vorhautverengung verantwortlich sein.

Eine Vorhautverengung kann aber auch auf ein zu frühes oder gewaltsames Zurückstreifen der Vorhaut bei Babys oder Kleinkindern zurückgehen.

Typische Symptome

  • Vorhaut der Eichel lässt sich nur unter Schmerzen oder gar nicht zurück ziehen
  • Eichelentzündung (Vorhautentzündung) tritt häufig auf
  • wird der Penis steif, kommt es zu unangenehmen Spannungsschmerzen
  • Smegma wird vermehrt gebildet, da die Eichel nur schwer gesäubert werden kann
  • Störungen beim Wasserlassen

Diagnose & Verlauf

Von einer Vorhautverengung wird allgemein erst von dem Zeitpunkt an gesprochen, von dem an eine Vorhautverklebung für die mangelnde Fähigkeit des Vorhautzurückziehens altersbedingt, also nach dem 6. Geburtstag, nicht mehr in Frage kommt.

Die überwiegende Zahl der Fälle von Vorhautverengung stellt kein ernstzunehmendes körperliches Problem dar und muss nicht behandelt werden. Bei einer Vorhautverengung kann allerdings eine zu enge Vorhaut nach dem Zurückziehen die Blutzufuhr hinter der Eichel abschnüren (Paraphimose). Dadurch kann es zum Absterben von Gewebe kommen und bei unterlassener Behandlung im Extremfall schließlich sogar zum Verlust der Eichel.

Eine Behandlung ist auch angezeigt, wenn sich unter der zu engen Vorhaut vermehrt Entzündungen entwickeln oder sich aufgrund der Vorhautverengung Urin unter der Vorhaut staut, so dass es wegen der Vorhautverengung zu Beschwerden beim Harnlassen kommt.

Komplikationen

Eine unbehandelte Vorhautverengung kann im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen. Erfolgt trotz ausgeprägter Phimose keine Behandlung, kann dies zu einer chronischen Entzündung von Eichel und Vorhaut führen. Dadurch steigt wiederum das Risiko für die Entstehung eines Peniskarzinoms. Wenn die verengte Vorhaut zu Problemen beim Wasserlassen führt, kann dies Harnwegsinfekte hervorrufen.

Im schlimmsten Fall begünstigt die Phimose einen akuten Harnverhalt, bei die betroffenen Jungen und Männern ihre Harnblase nicht mehr spontan entleeren können. Eine weitere mögliche Komplikation der Vorhautverengung ist die Pharaphimose. Diese Folgeerkrankung tritt auf, wenn die Vorhaut sich nicht mehr zurückschieben lässt und somit die Blutzirkulation im Penis beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Gewebsnekrose in der Eichel führen.

Wird die Phimose frühzeitig erkannt, verläuft die Behandlung in der Regel risikofrei. Probleme können auftreten, wenn das Kind allergisch auf die Kortison-Salbe reagiert, die zur Dehnung der Vorhaut verordnet wird. Wird die Vorhaut zu rasch gedehnt, besteht zudem die Gefahr, dass die Haut einreißt. Eine operative Behandlung kann zu Infektionen und in seltenen Fällen auch zu Verletzungen führen. Nebenwirkungen auf die Narkosemittel sind nicht auszuschließen.

Behandlung & Therapie

Die Vorhautverengung verschwindet in der Regel als Folge natürlicher Dehnungsprozesse: Leiden noch 20% der Siebenjährigen unter Vorhautverengung, so sind es bei den 18jährigen nur noch knapp 2%. Als Folge der Vorhautverengung können erhebliche psychologische, mit Ängsten verbundene Irritationen beim betroffenen Jungen auftreten, die aber zumeist durch ein sensibel geführtes Informationsgespräch leicht aus der Welt geschafft werden können.

In den Fällen, in denen eine medizinische Behandlung der Vorhautverengung erforderlich ist, steht eine Normalisierung des Verhältnisses von Eichelgröße zur Dehnbarkeit der Vorhautöffnung im Vordergrund. Bei gering ausgeprägter Vorhautverengung können Behandlungen mit kortisonhaltigen Salben ausreichend sein.

Oft ist aber ein operatives Verfahren unumgänglich, um die mit der Vorhautverengung in Zusammenhang stehenden Beschwerden beim Harnlassen oder bei der Erektion zu beseitigen. Bei dem nur wenige Minuten dauernden, zumeist ambulant vorgenommenen, „Beschneidung“ (Zirkumzision) genannten, operativen Eingriff gibt es mehrere Varianten. Üblicherweise werden lediglich vordere Teile der Vorhaut entfernt. Seltener ist die Entfernung der gesamten Vorhaut erforderlich.

Bei Kleinstkindern wird bei Vorhautverengung zunehmend die „Plastic Bell“-Methode angewendet, bei der die Vorhaut ohne Operation durch Abschnürung mittels Kunstoffglocke abstirbt und abfällt.

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Vorbeugung

Der angeborenen Vorhautverengung kann nicht vorgebeugt werden. Um eine erworbene Vorhautverengung zu verhindern, sollte auf jedem Fall darauf verzichtet werden, irrigen volksmedizinischen Traditionen zu entsprechen, und die Vorhaut von Kleinkindern durch Zurückstreifen mit Gewalt zu dehnen. Unbedingt erforderlich ist es auch, bei häufigen Entzündungen der Eichel, Vorhaut oder Harnwege frühzeitig zum Arzt zu gehen, um eine Narbenbildung zu vermeiden, die zur Vorhautverengung führen könnte.

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Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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