Sexsucht

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. November 2014
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Die Hypersexualität – umgangssprachlich Sexsucht – bezeichnet ein gesteigertes Verlangen nach Sex oder sexuellen Handlungen. Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft befassen sich in den letzten Jahren vermehrt mit diesem Thema. Die Ursachen sind unterschiedlicher Natur, die Abgrenzung vom noch gesunden zum bereits ungesunden Verhalten ist schwierig.

Inhaltsverzeichnis

Definition Sexsucht

Eine wissenschaftliche Definition für den Begriff Sexsucht, gibt es bisher nicht. Einzig und alleine das gesteigerte sexuelle Verlangen als sexuelle Störung ist anerkannt.

Ob eine Sexsucht vorliegt oder nicht, wird hauptsächlich über das Empfinden des Betroffenen definiert. Eine Vorgabe, wann Sex zu viel wird, gibt es nicht, daher ist die Frage, ob der Betroffene selbst ein Problem mit seinem Verhalten hat. Menschen die unter Sexsucht leiden, haben einen übersteigerten, extremen Drang nach sexuellen Handlungen, der sie in ihrem Leben einschränkt.

Die Gedanken der Betroffenen drehen sich um nichts anderes mehr, sie sind nur noch auf der Suche und können an nichts anderem mehr Freude haben. Oft sind die Orgasmus- und Bindungsfähigkeit bei Sexsüchtigen eingeschränkt, was sie dazu bringt immer weiter zu suchen.

Ursachen für Sexsucht

Die genauen Ursachen für eine Sexsucht sind nicht bekannt. Klar ist aber, dass es sich immer um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren handelt. Es gibt in seltenen Fällen körperliche Ursachen, die in einem Tumor in der Nebennierenrinde liegen können.

Genauso kommen verschiedene psychische Erkrankungen, wie beispielsweise Manien ursächlich in Frage. Da Sexualität auch erlernt wird, spielen familiäre Faktoren eine Rolle. Auffällig ist, dass Sexsüchtige oft aus Familien kommen, in denen Alkoholmissbrauch oder andere Abhängigkeiten bestehen. Es ist erwiesen, dass Suchtverhalten eine genetische Disposition hat.

Beim Sex werden im Körper Botenstoffe ausgeschüttet, die die Stimmung positiv beeinflussen. Viele Sexsüchtige steigern die Ausschüttung von körpereigenen Drogen zusätzlich durch Spiele, die Angst oder Risiko beinhalten. Eine Ursache für eine Sexsucht kann auch ein Missbrauch in der Kindheit sein. Betroffene haben gelernt, dass sie Probleme mit Sex lösen können und stehen den Partnern zur Verfügung ohne ihre eigenen Bedürfnisse wirklich wahrzunehmen.

Auch eine überwältigende, positive Erfahrung bei frühen sexuellen Erlebnissen kann eine Sexsucht auslösen. Betroffene suchen fortwährend nach der Wiederholung dieses Gefühls.

Diagnose und Verlauf bei Sexsucht

Eine Sexsucht steigert sich über Jahre. Typisch ist, dass die Sexualität immer weniger befriedigend wird, ihr Einfluss auf das Alltagsleben immer größer. Der Drang nach dem Ausleben der Sexualität wird immer schwerer zu kontrollieren.

Typische Anzeichen sind:

  • Die Gedanken drehen sich immer häufiger um Sex. Es wird auch immer mehr Sex praktiziert. Findet dieser nicht mehr statt, entsteht Angst und innere Leere.
  • Die Betroffenen haben Probleme in ihren Partnerschaften, ein erhöhtes Risiko der Infektion mit Geschlechtskrankheiten, oft treten finanzielle und berufliche Schwierigkeiten auf.
  • Es findet ein Kontrollverlust über das Verhalten statt. Betroffene versuchen ihre sexuellen Aktivitäten auszuweiten, scheitern an ihrem Mangel an Befriedigung und legen letztendlich ein zwanghaftes Verhalten an den Tag, das sie nicht mehr durchbrechen können.
  • Sexsüchtige versuchen Konflikte und negative Emotionen mit Sex zu lösen. Dies gelingt nur kurzfristig, oft folgen Schuldgefühle.
  • Die Sexualität bestimmt das komplette Leben des Betroffenen, andere Pflichten werden komplett vernachlässigt.
  • Oft ist das sexuelle Lustempfinden gestört.

Behandlung von Sexsucht

Wenn der Betroffene in der Lage ist, seine Situation zu erkennen und auch einen entsprechend hohen Leidensdruck verspürt, kann eine Therapie helfen. Meistens findet eine kognitive Verhaltenstherapie Anwendung. Betroffene lernen und verstehen wie sie in die Sexsucht geraten sind, was die persönlichen Ursachen dafür sind und wie sie ihre Verhaltensweisen ändern.

In manchen Fällen werden Psychopharmaka eingesetzt. Problematisch ist, dass bisher viel zu wenige Therapeuten wirklich Erfahrungen in der Behandlung von Sexsucht mitbringen. Möglicherweise müssen neben der Sexsucht weitere psychische Erkrankungen behandelt werden. Die Therapie verfolgt das Ziel, Intimität ohne die Verbindung mit Sexualität erleben zu können, deshalb arbeiten die meisten Therapien zu Beginn mit einer Phase der sexuellen Enthaltsamkeit, in der es weder sexuelle Handlungen mit sich selbst, noch mit einem Partner gibt.

Das hat den Sinn, dass beim Betroffene negative Gefühle auftreten, die aufgearbeitet werden können. Der Aufbau einer gesunden Beziehung zu sich selbst steht im Vordergrund, da die Beziehung zu sich selbst Beziehungen zu anderen prägt.

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Vorbeugung von Sexsucht

Die Vorbeugung einer Sexsucht ist im Grunde nicht möglich. Das einzige, das helfen kann, ist sich selbst, seine sexuellen Verhaltensweisen, seine Beziehungen zu Partnern zu überprüfen und sich zu fragen, ob die eigene Lebensweise als gesund einzustufen ist, ob sie von der Lebensweise anderer Menschen abweicht, ob man ein Problem damit hat und wenn ja warum.

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