Postthrombotisches Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Das postthrombotische Syndrom ist die Folge einer Phlebothrombose der tiefen Arm- oder Beinvenen und entspricht einer Rückflussstauung mit Defekten der Venenklappen. Die Ursache des PTS ist ein Selbstheilungsversuch des Körpers, der die Venen nach einer Thrombose wieder durchlässig machen will. Die Behandlung des PTS konzentriert sich auf Kompression und Bewegung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das postthrombotische Syndrom?

Thrombosen sind lokal intravasale Blutgerinnsel im Kreislaufsystem. Meist gehen ihnen Veränderungen der Gefäßwände, Anomalien im Blutfluss oder Änderungen der Blutzusammensetzung voraus. Phlebothrombose sind Sonderformen der Thrombose, versteht die einen thrombotischen Verschluss von tiefen Venen herbeiführen und mit der Gefahr der Lungenembolie assoziiert sind.

Zu den tiefen Venen zählen unter anderem die tiefe Bein- und Armvene. Das postthrombotisches Syndrom (PTS) fasst die pathologischen Folgen eines dauerhaften Schadens im tiefen Bein- und Armvenensystem zusammen. Nach einem körpereigenen Entzündungsprozess kommt es in Folge des Verschlusses häufig zur Beschädigung der Venenklappen. Eine chronische Rückflussstauung ist die Folge.

Die Arme sind seltener vom PTS betroffen als die Beine. Aus einem postthrombotischen Syndrom nach Phlebothrombose kann sich eine venöse Insuffizienz entwickeln. Vier Stadien des PTS sind bekannt: Stadium I mit Ödemneigung, Stadium II mit Verhärtungen, Stadium III mit sklerotische Gewebsveränderungen und Stadium IV mit ausgedehnten Ulzerationen.

Ursachen

Die Ursache eines PTS ist eine Phlebothrombose der tiefen Arm- oder Beinvenen. Der Verschluss ist meist von dauerhafter Natur und hält mehrere Tage an. Der Körper versucht das Gerinnsel in der Vene aufzulösen, indem er einen Entzündungsprozess an der Venenwand in Gang setzt. Nur selten kommt es tatsächlich zu einer vollständigen Auflösung des Gerinnsels.

Die immunologisch entzündliche Reaktion entspricht einem Selbstheilungsversuch, der die lebenswichtigen Venen wieder durchlässig machen soll. Bei der Entzündung werden oft die Venenklappen des betroffenen Bereichs angegriffen oder zerstört.

Die Venenklappen bilden einen wesentlichen Teil des Rückflussmechanismus. Sind sie zerstört, so sind die betroffenen Venen nicht mehr gänzlich funktional. Aus diesem Zusammenhang entwickelt sich das postthrombotische Syndrom. Fast die Hälfte aller Patienten mit Thrombosen der tiefen Arm- oder Beinvenen leidet an dem Phänomen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit postthrombotischem Syndrom leiden an einem Komplex aus unterschiedlichen Symptomen. Das Leitsymptom ist eine Rückflussstauung der betroffenen Vene. Auf Basis dieses Phänomens treten an den jeweiligen Extremitäten Missempfindungen auf, so zum Beispiel ein Schweregefühl oder ein Spannungsschmerz.

In Folge des Rückstaus können sich mit der Zeit Ödeme bilden. Darüber hinaus bestehen häufig Bewegungseinschränkungen der betroffenen Extremität. Auch auf der Haut der Patienten zeigen sich im Verlauf des Syndroms Symptome. Die häufigsten Hautsymptome sind trophische Störungen, die mit einer Verdünnung des Hautepithels einhergehen. Außerdem können sich Pigmentveränderungen einstellen.

In vielen Fällen ist die Wundheilung in dem betroffenen Bereich beeinträchtigt. Nach kleinsten Verletzungen können so Wundheilungsstörungen auftreten, die oftmals mit chronischer Ulzeration vergesellschaftet sind. Unterschenkelgeschwüre, Schwellungen und Schmerzen stellen sich als Begleitsymptome des PTS ein. Der Schweregrad des PTS hängt von der Schwere der ursächlichen Thrombose und persönlichen Faktoren wie Vorerkrankungen, Beruf oder Geschlecht ab.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des postthrombotischen Syndroms wird mittels Duplexsonografie oder anhand von Röntgenuntersuchungen unter Kontrastmittelgabe gestellt. Die Venenverschlüsse inklusive der Umgehungskreisläufe sind auf der Bildgebung meist zweifelsfrei sichtbar. In Einzelfällen werden Thrombosen der Venen über mehrere Jahre nicht erkannt.

In diesen Fällen kann sich unbemerkt und unvorhergesehen ein postthrombotisches Syndrom entwickeln, bevor der Patient überhaupt von einer durchlittenen Thrombose erfahren hat. Für Patienten des postthrombotischen Syndroms hängt die Prognose vom Schweregrad und dem Diagnosezeitpunkt der initialen Thrombose ab. Je früher die Thrombose und das daran anschließende Syndrom erkannt werden, desto besser die Prognose.

Behandlung & Therapie

Für Patienten mit postthrombotischen Syndrom steht das Grundprinzip der Kompressionsanwendung im Mittelpunkt der Behandlung. Kompressionen können von außen mittels der Applikation von Kompressionsverbänden zur Anwendung kommen mit oder werden mit medizinischen Kompressionsstrümpfen initiiert. Die Muskelpumpe muss bei der Kompressionstherapie aktiviert werden.

Aus diesem Grund muss der Patient die betroffene Extremität regelmäßig aktiv bewegen, so zum Beispiel mittels Fahrrad oder Spaziergängen. Bei den Bewegungseinheiten darf es nicht zur Überlastung der betroffenen Extremität kommen. Extremer Ausdauersport ist daher zu meiden. In der Ruheposition wird die betroffene Extremität idealerweise hochgelagert, um das beschädigte Venensystem zusätzlich zu entlasten.

Im Einzelfall erhalten die Patienten harntreibende Medikamente. Häufiger kommt eine Gerinnungshemmung mit Hemmern wie Cumarinen zum Einsatz, um abermaligen Thrombosen vorzubeugen. Als Grundprinzip gilt für die Zeit der Therapie lieber laufen und liegen statt stehen und sitzen. In der jüngsten Vergangenheit hat sich erwiesen, dass die konsequente Kompressionstherapie allein der Erkrankung nicht ausreichend entgegenwirken kann.

Bewegung ist damit ein unausweichlicher Therapieschritt. Bei schweren Fällen des PTS kann der Ersatz von beschädigten Venen erforderlich sein. Hierzu werden entweder Spendervenen transplantiert oder Venenteile durch moderne Technik wie den 3D-Drucker hergestellt und dem Patienten eingesetzt.




Vorbeugung

Dem postthrombotischen Syndrom lässt sich insoweit vorbeugen, wie Thrombosen der tiefen Venensysteme vorgebeugt werden kann. Solange es nicht zu Thrombosen kommt, kann auch kein postthrombotisches Syndrom entstehen. Zu den Vorbeugemaßnahmen zählt im Kontext der Thrombose zum Beispiel ausgewogene Ernährung mit genügend Flüssigkeitszufuhr und viel Bewegung. Auch die Abstinenz von Nikotin gilt als Präventionsmaßnahme. Darüber hinaus ist von langem Sitzen oder Stehen abzuraten.

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