Nervenkompressionssyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
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Unter dem Begriff Nervenkompressionssyndrom werden Krankheitssymptome zusammengefasst, die durch eine chronische Druckschädigung peripherer Nerven an bestimmten Durchführungsstellen und Engpässen zu Funktionseinschränkungen oder totalem Funktionsverlust führen. Es sind mehr als zehn verschiedene Engpässe am menschlichen Körper bekannt, die zu einem entsprechenden Nervenkompressionssyndrom mit teils sehr schmerzhaften und gravierenden Folgen führen können. Die Funktionseinschränkungen sind reversibel, solange die chronische Druckbelastung noch keine dauerhaften anatomischen Veränderungen bzw. Läsionen des Nervs bewirkt hat.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Nervenkompressionssyndrom?

Unter einem Nervenkompressionssyndrom wird eine Funktionsbeeinträchtigung eines oder mehrerer peripherer Nerven verstanden, die durch anhaltenden physischen Druck auf den Nerv zustande kommt. Meist sind natürliche Engstellen zwischen zwei Muskeln oder Durchführungsrinnen an Gelenken und Knochen betroffen, in denen zusätzlich zu den Nerven in der Regel auch Blutgefäße und Sehnen verlaufen.

Weitaus mehr als zehn verschiedene neuralgische Stellen sind bekannt, an denen ein Nervenkompressionssyndrom auftreten kann, das sensorische und motorische Beeinträchtigungen betreffen kann. Die teilweise sehr schmerzhafte Funktionsbeeinträchtigung oder der totale Funktionsverlust des betroffenen Nervs kommt durch anhaltenden physischen Druck zustande, weil das umgebende Gewebe durch entzündliche Vorgänge oder durch andere Gründe anschwillt und Raum beansprucht.

Solange der Nerv durch die anhaltende Kompression nicht dauerhaft geschädigt wird, ist ein derartiges Nervenkompressionssyndrom teilweise oder vollständig reversibel. Prinzipiell können auch parallel zu den Nerven verlaufende Blutgefäße betroffen sein, so dass die Weiterleitung arteriellen oder venösen Blutes gestört sein kann.

Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen und Ursachenkomplexen, die zu einem Nervenkompressionssyndrom führen können. An engen, knöchernen Durchführungsstellen wie dem Karpaltunnel am Übergang vom Unterarm zur Handwurzel auf der Beugeseite der Hand kann eine Überbeanspruchung entzündliche Reaktionen auslösen, die zu einem Anschwellen der umgebenden Struktur führen und den Mittelarmnerv (Nervus medianus) komprimieren können.

Es handelt sich dann um das recht häufig auftretende Karpaltunnelsyndrom. In einigen Fällen können auch Degenerationen oder Gewebsneubildungen der knöchernen Struktur wie sogenannte Überbeine (Ganglien) durch Raumbeanspruchung Druck auf den Nerv ausüben. Ein Nervenkompressionssyndrom sich auch durch einen zu schnellen Muskelaufbau bilden.

Dies ist dann der Fall, wenn Nerven in ihrem Verlauf zwischen den Muskeln durch die Raumbeanspruchung der schnell an Stärke zunehmenden Muskeln komprimiert werden.

Bis zu einem gewissen Grad kann auch eine entsprechende genetische Disposition die Entstehung einer Nervenkompression begünstigen. Das ist immer dann der Fall, wenn weitere Fälle einer Nervenkompression innerhalb der Familie bekannt sind.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einem sich abzeichnenden Nervenkompressionssyndrom, das sich noch im Anfangsstadium befindet, ist in der Regel als Erstes die Sensorik betroffen. Das bedeutet, dass sich Taubheitsgefühle und weitere sensorische Ausfälle manifestieren, die durch Kribbeln auf der Haut (Ameisenlaufen) begleitet sein können. Motorische Störungen stellen sich meist erst bei stärker werdender Kompression der Nerven ein.

Die sensorischen und motorischen Störungen können von erheblichen Schmerzen begleitet sein. Im Extremfall kommt es zu einem völligen Ausfall der innervierten Muskelpartien, weil die motorischen Nervenfasern keine Kontraktionssignale mehr an die Muskelzellen abgeben können. Symptomatisch für motorische Störungen sind Kraftverlust und zügiger Abbau von Muskelgewebe. Die sich daraus ergebenden Bewegungseinschränkungen hängen vom Ort des Nervenkompressionssyndroms ab.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die meisten Nervenkompressionssyndrome lassen sich bereits anhand der geschilderten Symptome des Patienten (Anamnese) erkennen. Zur Absicherung der Diagnose stehen eine Überprüfung der Muskelkraft und Tests der Berührungsempfindungen wie spitz, stumpf, kalt, heiß und ähnliches zur Verfügung. In vielen Fällen ist die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit von Nutzen.

Der Verlauf eines Nervenkompressionssyndroms ist davon abhängig, wie sich die einengenden Strukturen entwickeln. Wenn es sich um entzündetes Gewebe als Verursacher der Kompression handelt, kann sich das Nervenkompressionssyndrom nach Behebung der Entzündung und Abschwellung des Gewebes von selbst wieder zurückentwickeln. In den meisten anderen Fällen kommt es unbehandelt zu irreversiblen Schäden an den Nerven und damit zu einem dauerhaften Ausfall und Abbau der innervierten Muskelpartien sowie zu dauerhaften sensorischen Beeinträchtigungen.

Komplikationen

Komplikationen, die von einer Nervenkompression ausgehen, hängen vom Schweregrad der Kompression des Nervs ab und von den verursachenden Faktoren. Falls sich eine Kompression des betroffenen Nervs mit oder ohne Behandlung rückbildet und der Nerv nicht bereits irreversibel geschädigt ist, kann sich das Nervenkompressionssyndrom vollständig zurückbilden unter Wiedererlangung der ursprünglichen motorischen und sensorischen Fähigkeiten.

Häufig verlaufen in den Engstellen für die physikalische Durchführung von Nerven und Blutgefäßen auch Sehnen oder Bänder, die sich entzünden können und dann selbst anschwellen können. Unter Umständen gilt das auch für das umliegende Gewebe, so dass der ursprüngliche Engpass zur Kompression der empfindlichen Nerven führt und typischerweise ein Nervenkompressionssyndrom verursacht.

Unbehandelt kann der motorische oder sensorische Nerv irreversibel geschädigt werden, so dass sich die Symptome eingeschränkter sensorischer Empfindungen wie Taubheitsgefühle und eingeschränkter Motorik trotz Behebung der Nervenkompression nicht mehr zurückbilden. Natürlicherweise sind etwa zehn verschiedene Durchführungsengstellen – meist in der Nähe von Gelenken – bekannt, von denen ein Nervenkompressionssyndrom ausgehen kann.

In einzelnen Fällen können Nerven auch außerhalb der bekannten Engstellen komprimiert werden. Beispielsweise können Nerven, die zwei oder mehrere Muskelpartien passieren von schnell aufgebauter Muskelmasse, wie es in teilweise extremer Form beim Bodybuilding erwünscht ist, durch die Muskeln so gepresst werden, dass ein Nervenkompressionssyndrom entstehen kann. Unbehandelt besteht die Gefahr irreversibler sensorischer und motorischer Defizite.

Behandlung & Therapie

Einem Nervenkompressionssyndrom liegt immer eine Primärerkrankung zugrunde, die als Auslöser der Beschwerden identifiziert wurde. Eine Behandlung zielt daher in erster Linie auf Behebung der Ursachen der Kompression ab. Mögliche Therapien decken ein weites Spektrum ab. Eine Therapie kann eine einfache Anweisung zur Änderung einer Gewohnheit bedeuten oder einen operativen Eingriff erfordern.

Beispielsweise kann durch ein zu enges Armband einer Armbanduhr ein sogenanntes Wartenberg-Syndrom verursachen, eine Druckläsion des Speichennervs (Nervus radialis) auf der Streckseite des Handgelenks. Während in diesem Fall das Ablegen der Uhr oder ein weniger enges Armband das Problem beheben kann, werden vielfach die betroffenen Gelenkregionen durch Schienen oder Verbände ruhig gestellt.

Als Ultima Ratio gelten konventionelle oder minimalinvasive chirurgische Eingriffe, falls mit konservativen Behandlungsmethoden nicht die erwünschten Verbesserungen erzielt werden konnten. Das oberste Ziel bei operativen Eingriffen besteht immer darin, die Druckbelastung des entsprechenden Nervs zu beheben, so dass er sich regenerieren kann. Mit der Regeneration des Nervs durch die Dekompression verschwinden auch die Beschwerden.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen zur Minimierung des Risikos, ein Nervenkompressionssyndrom zu erleiden, beziehen sich hauptsächlich auf eine von Zeit zu Zeit kritische Beobachtung der eigenen Gewohnheiten, die zu einer Nervenkompression führen könnten. Dazu gehören beispielsweise Angewohnheiten wie Abstützen des linken Ellbogens bei längeren Autofahrten oder bei der Bedienung der Computermaus die Hand ständig an der Tischkante abzustützen. Derartige Überlegungen sind vor allem wichtig bei Auftreten erster Anzeichen, so dass noch früh genug durch Änderungen ungünstiger Gewohnheiten eine Verschlimmerung des Syndroms vermieden wird.

Bücher über Nervenkompressionssyndrom und Neurologie

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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