Loge-de-Guyon-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
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Unter dem Loge-de-Guyon-Syndrom bezeichnet der Mediziner eine äußerst seltene Erkrankung, welche vorwiegend den Nervus ulnaris betrifft. Auf Grund einer Einengung tritt eine Gefühlsminderung im Bereich des Klein- sowie Ringfingers aus. Neben der operativen Behandlung ist auch eine konservative Therapie möglich; die Prognose der Erkrankung ist gut.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Loge-de-Guyon-Syndrom?

Das Loge-de-Guyon-Syndrom ist eine sehr selten auftretende Erkrankung, die in die Kategorie der Kompressionssyndrome eingeteilt wird. Es handelt sich dabei um eine Kompression des Nervus ulnaris - dem Ellennerven. Die sogenannte Loge de Guyon befindet sich neben dem Karpaltunnel; in diesem befindet sich der motorische Ast des Nervus ulnaris.

Dieser Ast verbindet nicht nur die Muskulatur der Mittelhand, sondern auch den kleinen beziehungsweise den Ringfinger. Tritt eine Einengung auf, die primär durch Ganglien - also Zysten an der Handwurzel - hervorgerufen wird, treten in weiterer Folge die typischen Beschwerden des Loge-de-Guyon-Syndroms auf.

Ursachen

Die Ursache, weshalb das Loge-de-Guyon-Syndrom überhaupt entstehen kann, ist eine Einengung, die direkt den Nerv im sogenannten Guyon-Kanal betrifft. Diese Einengung wird auf Grund eines Ganglions (Zyste beziehungsweise Überbein) ausgelöst. Das Ganglion gilt (medizinisch gesehen) als gutartige Geschwulst.

Mitunter können aber auch längerfristige beziehungsweise oftmals wiederholte Kompressionen oder auch Überstreckungen des Nervs der Grund sein, warum das Loge-de-Guyon-Syndrom entsteht. Jene Faktoren werden etwa durch das Motorradfahren, das Radfahren oder etwa auch die Verwendung von Werkzeugen begünstigt. Ebenfalls kann eine „Krückenlähmung“ das Loge-de-Guyon-Syndrom auslösen. Weitere Ursachen sind mitunter auch Frakturen, welche die Strukturen des Guyon-Kanals beschädigt beziehungsweise eingeengt haben.

Typische Symptome & Anzeichen

Bislang wurden keine typischen oder klassischen Symptome entdeckt. Jene Problematik ist auch der Hauptgrund, weshalb die Diagnose nur erschwert gestellt werden kann. Der Patient klagt über Gefühlsstörungen im Klein- sowie Ringfinger, welche jedoch schon bereits am Handrücken beginnen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner führt im Rahmen der Diagnosestellung eine Anamnese sowie eine klinische Untersuchung des Patienten durch. Liegt der Verdacht einer Beschädigung des Nervs vor, wird im Regelfall eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt. Bei jener Untersuchung wird die Nervenleitgeschwindigkeit des Patienten gemessen. Jener Test sorgt für die Bestätigung sowie auch für die Sicherheit, ob beim Patienten tatsächlich das Loge-de-Guyon-Syndrom vorliegt.

Die Magnetresonanztomographie gibt hingegen einen Einblick, ob und gegebenenfalls welche strukturellen Ursachen aufgetreten sind, die das Loge-de-Guyon-Syndrom ausgelöst haben (etwa, ob eine Zyste beziehungsweise Ganglion vorliegt). Die Magnetresonanztomographie wird aber nur in den wenigsten Fällen angeordnet und zählt daher nicht zur klassischen Untersuchungsmethode, um das Loge-de-Guyon-Syndrom festzustellen.

Im weiteren Verlauf entscheidet der Mediziner, ob eine konservative oder operative Behandlung notwendig ist. Jedoch muss der Patient, wenn er sich in Behandlung befindet, Geduld haben. Erst nach wenigen Wochen treten erste Besserungsanzeichen auf; die endgültige Heilung kann mitunter mehrere Monate dauern. Liegt jedoch eine starke Ausprägung der Erkrankung vor oder ist der Nervus ulnaris derart stark beschädigt, kann auch eine operative Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringen. Somit bleiben Gefühlsminderungen zurück, die vorwiegend die Handmuskulatur betreffen.

Komplikationen

In der Regel kommt es durch das Loge-de-Guyon-Syndrom zu verschiedenen Lähmungen oder Gefühlsstörungen, die vor allem im kleinen Finger und im Ringfinger auftreten. Weiterhin kommt es nicht zu Beschwerden, wobei sich die Lähmungen und die Störungen der Sensibilität auch auf die Hand und den Handrücken ausbreiten können. Weitere Beschwerden oder Komplikationen treten in den meisten Fällen nicht auf.

Durch das Loge-de-Guyon-Syndrom ist der Alltag der Betroffenen eingeschränkt und es kommt zu Beschwerden und Schwierigkeiten bei verschiedenen Tätigkeiten oder bei der Ausübung von verschiedenen Berufen. Auch die Lebensqualität wird durch das Loge-de-Guyon-Syndrom verringert. Sollten die Beschwerden plötzlich oder spontan auftreten, so können viele Patienten auch an Angstzuständen oder an Schweißausbrüchen leiden. Nicht selten führen Lähmungen auch zu psychischen Beschwerden oder weiterhin auch zu Depressionen.

In der Regel wird die Behandlung durch eine Ruhigstellung der betroffenen Regionen durchgeführt. Dabei treten keine Komplikationen auf. In einigen Fällen sind auch danach verschiedene Therapien notwendig, damit die Beweglichkeit der Finger und der Gelenke wiederhergestellt werden können. Die Lebenserwartung wird durch das Loge-de-Guyon-Syndrom nicht beeinflusst. In der Regel kann die Hand nach einer erfolgreichen Behandlung wieder gewöhnlich belastet werden.

Behandlung & Therapie

Die konservative Therapie kommt zur Anwendung, wenn die Diagnose des Loge-de-Guyon-Syndroms relativ früh gestellt wurde bzw. sich die Erkrankung noch in einem frühen Stadien befindet. Wichtig ist, dass der Patient auf jegliche Art von Betätigung verzichtet, die vorwiegend den Nerv belastet. Dazu gehören etwa Radfahren oder auch jegliche Arten von Kampfsport.

Tritt nach wenigen Wochen eine Besserung ein beziehungsweise konnte sich der Nerv erholen, sieht der Mediziner von einem operativen Eingriff ab. Dennoch muss der Patient etwaige Faktoren, die zum Loge-de-Guyon-Syndrom geführt haben, meiden oder vorbeugende Maßnahmen treffen, damit nicht wieder eine Einengung des Nervs erfolgt.

Liegt bereits eine fortgeschrittene Erkrankung vor oder hat die konservative Therapie keinen spürbaren Erfolg gebracht, führt der Mediziner den operativen Eingriff durch. Es handelt sich dabei um eine offene Operationstechnik. Der Mediziner setzt einen halbförmigen Schnitt im Handgelenk (im Bereich des Kleinfingers), sodass er den Ulnarisnerv und auch dessen Arterien freilegen kann. Die Freilegung und Behandlung des Nervs und dessen Arterien erfolgt mittels Lupenvergrößerung. Die Nähte werden nach etwa 14 Tagen entfernt.

Auch wenn eine Ruhigstellung mittels Gipsverband nicht notwendig ist, wird das Handgelenk beziehungsweise der Arm bei einem Großteil der Patienten eingegipst. Die Tragedauer des Gipsverbandes liegt aber nur drei bis höchstens fünf Tagen. In weiterer Folge muss der Patient rund drei Wochen jegliche körperliche Belastung vermeiden. Nachdem der Mediziner die Nähte entfernt hat, ist in weiterer Folge eine Narbenmasse notwendig, welche selbständig oder im Rahmen einer physiotherapeutischen Therapie erfolgen kann.

Es dauert jedoch mehrere Wochen, bis der Patient die ersten Verbesserungen feststellt. Nachdem der Gipsverband entfernt wurde, sind postoperative Übungen empfehlenswert. Jene sollten in der Physiotherapie durchgeführt werden. Der behandelnde Therapeut passt die Übungen der Schwere des Loge-de-Guyon-Syndroms an. Aus diesem Grund wird die Physiotherapie individuell geführt. Nach drei beziehungsweise sechs Monaten werden neuerliche neurologische sowie elektrophysiogische Untersuchungen durchgeführt.

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Vorbeugung

Dem Loge-de-Guyon-Syndrom kann vorgebeugt werden. Vor allem sollten Radfahrer einen Rennrad-Lenker verwenden, welcher ein Umgreifen in verschiedenen Positionen ermöglicht. Ebenfalls kann die Verwendung von gepolsterten Handschuhen im weiteren Verlauf das Syndrom verhindern, da hier die mechanische Druckwirkung deutlich reduziert wird. Weitere vorbeugende Maßnahmen sind jedoch nicht bekannt.

Das können Sie selbst tun

Das Loge-de-Guyon-Syndrom kann durch einige Mittel der Selbsthilfe behandelt werden. Allerdings ersetzen diese Mittel nicht eine vollständige Behandlung durch einen Arzt. Sollte sich daher keine Besserung einstellen, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Der Betroffene sollte dabei auf Sportarten verzichten, bei welchen der Nerv belastet wird. Dazu gehören vor allem Kampfsportarten oder das Fahrradfahren. Dadurch kann sich der Nervus ulnaris in vielen Fällen erholen, sodass ein operativer Eingriff nicht notwendig ist. Weiterhin kann die Ruhigstellung des Handgelenkes die Beschwerden lindern. Hierbei sollte der Betroffene den Arm ebenfalls nicht unnötig belasten, damit sich dieser erholen kann.

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind viele Patienten des Loge-de-Guyon-Syndroms auf eine Physiotherapie angewiesen. Die Übungen aus dieser Therapie können dabei häufig auch im eigenen Zuhause durchgeführt werden, wodurch die Heilung beschleunigt wird. In der Regel werden dadurch die Beschwerden vollständig gelindert. Während der Ruhigstellung sind die Betroffenen häufig auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen. Dabei erweist sich vor allem die Hilfe von Freunden oder Angehörigen als ideal und kann die Heilung ebenfalls fördern.

Bücher über Ulnarislähmung

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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