Elektroneurographie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Eine elektroneurographische Untersuchung (Elektroneurographie (ENG)) ist eine Methode zur Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit der peripheren Nerven bei neuronalen und/oder muskulären Erkrankungen. In der Mehrheit der Fälle ist eine Elektroneurographie unproblematisch und mit keinen Komplikationen verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Elektroneurographie?

Als Elektroneurographie (ENG) wird ein Diagnoseverfahren bezeichnet, bei welchem die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) potenziell geschädigter Nerven bestimmt wird.

Eine Elektroneurographie kommt in aller Regel zum Einsatz, wenn ein Verdacht auf Erkrankungen bzw. Schädigungen des peripheren Nervensystems, d.h. der motorischen und/oder sensiblen Nerven im Kopf-, Rumpf- und/oder Gliedmaßenbereich, vorliegt. Darüber hinaus wird die Elektroneurographie zur Verlaufsbeobachtung sowie differentialdiagnostischen Zuordnung verschiedener neuronaler und muskulärer Erkrankungen eingesetzt.

Eine Beeinträchtigung der Nervenleitgeschwindigkeit kann unter anderem infolge eines eingeklemmten Nerven (u.a. Karpaltunnelsyndrom im Handgelenk) oder einer Polyneuropathie festgestellt werden und manifestiert sich insbesondere an den Beinen und Armen anhand von Sensibilitätsstörungen (u.a. Taubheitsgefühl, Kribbeln, eingeschlafene Hände und Beine).

In Abhängigkeit von der ausgehenden Fragestellung sowie der neuronalen Anatomie kann bei einer Elektroneurographie eine Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit mehrerer Nerven erforderlich sein.

Funktion, Wirkung & Ziele

Im Rahmen einer Elektroneurographie wird die Funktionsfähigkeit der sensiblen und motorischen Nerven bestimmt und kontrolliert. Während die motorischen Nerven für die Regulierung und Steuerung der Bewegungsabläufe verantwortlich sind und die vom Gehirn gesendeten Reize an die korrespondierenden Muskeln weiterleiten, senden die sensiblen Nerven auditive, haptische und optische Sinneseindrücke an das Gehirn.

Zur Bestimmung der Leitgeschwindigkeit motorischer Nerven werden unterschiedliche Oberflächenelektroden, sogenannte Reiz- und Ableitelektroden, in einem im Vorfeld zu messenden Abstand im Bereich des zu untersuchenden Nerven auf die Haut appliziert. Im Anschluss wird der interessierende Nerv über die Reizelektroden mehrmals (mindestens zweimal) durch einen schwachen und kurzen elektrischen Impuls stimuliert und die Zeitspanne gemessen, die zur Weiterleitung dieses Reizes bis zur Ableitelektrode benötigt wird.

Aus der Entfernung zwischen Reiz- und Ableitelektroden und der ermittelten Zeit wird die Nervenleitgeschwindigkeit errechnet, die im Normalzustand lediglich wenige Tausendstelsekunden beträgt. Zur Bestimmung der sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit wird bei einer elektroneurographischen Untersuchung entweder eine Nadelelektrode in den Muskel, der vom zu untersuchenden Nerven innerviert wird, gestochen oder der zu kontrollierende Nerv durch Oberflächenelektroden elektrisch stimuliert, während wiederum eine Ableitelektrode die Reaktionszeit misst.

Die auf diese Weise determinierte Nervenleitgeschwindigkeit lässt Aussagen zu Schädigungen und pathologischen Veränderungen der untersuchten Nerven sowie zu neurologischen Erkrankungen zu. So kann beispielsweise eine verlängerte Nervenleitgeschwindigkeit auf das Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms (auch Medianuskompressionssyndrom) oder eine Polyneuropathie (Schädigung peripherer Nerven) infolge eines Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie) bzw. einer anderen chronischen Stoffwechselerkrankung deuten.

Als Elektroneurographie wird ein Diagnoseverfahren bezeichnet, bei welchem die Nervenleitgeschwindigkeit potenziell geschädigter Nerven bestimmt wird.

Entsprechend kann die Elektroneurographie auch zur Feststellung einer erforderlichen Therapiemodifikation bei generalisierten Stoffwechselerkrankungen eingesetzt werden. Zudem ermöglicht eine Elektroneurographie Aussagen darüber, ob das Axon (leitende Fortsatz einer Nervenzelle bzw. Nervenachse) selbst oder die Myelinscheide (isolierende Markscheide) des Nerven geschädigt ist.

Darüber hinaus kann in vielen Fällen der genaue Ort der Schädigung lokalisiert sowie die Ausprägung der strukturellen neurologischen Schädigungen ermittelt werden. Eine Elektroneurographie ermöglicht ferner die Diagnose und das Monitoring (Verlaufsbeobachtung) von muskulären Erkrankungen. Bei einem Verdacht auf eine Schädigung muskulärer Strukturen kommt parallel zur Elektroneurographie eine Elektromyographie zum Einsatz, die eine Beurteilung der Muskelaktivität zulässt.

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Risiken & Nebenwirkungen

In aller Regel geht eine Elektroneurographie mit keinen Risiken oder ernsthaften Komplikationen einher. Auch sogenannte Antikoagulantien, blutverdünnende Medikamente wie Marcumar, Heparin, Rivaroxaban oder Acetylsalicylsäure (ASS) schließen eine elektroneurographische Untersuchung nicht aus.

Die in der Elektroneurographie zum Einsatz kommenden elektrischen Reize werden in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung oftmals als unangenehm und/oder schmerzhaft vom zu untersuchenden Patienten empfunden. Zudem können im Anschluss an eine elektroneurographische Untersuchung Missempfindungen bzw. Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl beobachtet werden.

Diese sind für gewöhnlich harmlos und bilden sich nach einem kurzen Zeitraum wieder von selbst zurück. Darüber hinaus sollte beachtet werden, dass elektrische Impulse bei Herzschrittmachern Irritationen bedingen können.

Entsprechende Vorsichtsmaßnahmen sind bei Personen, die einen Herzschrittmacher tragen, angezeigt. Unter Umständen kann hier eine Elektroneurographie kontraindiziert sein, so dass auf andere Diagnoseverfahren ausgewichen werden sollte. Bei der Verwendung von dünnen Nadelelektroden während der Elektroneurographie kann ferner ein Schmerz auftreten, der mit dem bei einer Blutabnahme oder Injektion vergleichbar ist.

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Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Heidelberg 2007
  • Grehl, H., Reinhard, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2002
  • Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2008

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