Wartenberg-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Das Wartenberg-Syndrom ist ein Komplex aus Symptomen, der durch eine Kompression des Nervus radialis am Unterarm hervorgerufen wird. Das Syndrom beschränkt sich auf Kompressionen des sensiblen Nervenasts und ruft daher keine motorischen Störungen, sondern nur Störungen der Sensibilität hervor. Die Behandlung hängt von der Ausprägung ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Wartenberg-Syndrom?

Der Nervus radialis ist ein Nerv des Armgeflechts. Als gemischter Nerv ist er für die motorische Innervation verschiedener Armmuskeln und die sensible Innervation verschiedener Hautareale verantwortlich. Er teilt sich in einen motorischen und einen sensiblen Ast. Der sensible Ast ist auch als Ramus superficialis bekannt. Das Wartenberg-Syndrom tritt auf, wenn der Nervus radialis komprimiert wird.

Das Nervenkompressionssydrom ist auch als Cheiralgia paraesthetica bekannt und mit Sensibilitätsstörungen in den Hautarealen der streckseitigen Daumen und Zeigefinger sowie Gefühlsstörungen des Intermetacarpalraums assoziiert. Das Wartenberg-Syndrom wurde in den 30er Jahren erstmals beschrieben. Als Erstbeschreiber gilt Robert Wartenberg.

Das Wartenberg-Syndrom ist von der Radiuslähmung zu unterscheiden, die nicht zwingend peripher mechanische Nervenschädigungen, sondern auch zentrale Nervenläsionen als Ursache haben kann und somit das Gehirn, das Rückenmark oder den motorischen Ast des Nervus radialis betrifft.

Ursachen

Das Wartenberg-Syndrom entsteht durch eine Verletzung Ramus superficialis des Nervus radialis. Es handelt sich um eine isolierte Schädigung, die nicht etwa den gesamten Nervus radialis betrifft, sondern ausschließlich dessen sensiblen Ast. Einer isolierten Läsion des Ramus superficialis gehen in den meisten Fällen Schlagverletzungen oder Schnittverletzungen voraus, die dorsal und radial am distalen Vorderarm gelegen sind.

In Einzelfällen handelt es sich bei den Schädigungen um mechanische Kompressionsverletzungen durch Fesseln, Armbänder oder Handschellen. Manchmal ist die Ursache der Läsion auch eine intravenöse Injektionen oder eine Shunt-Operation im Zwischenbereich von Vena cephalica und Arteria radialis.

Auch zu fest angelegte Gipsversorgungen können den Ramus superficialis am Nervus radialis komprimieren und so das Wartenberg-Syndrom hervorrufen. Durch die ursächliche Verbindung mit Fesseln ist das Syndrom auch als Fesselungssyndrom bekannt. In Einzelfällen ist der Symptomkomplex mit Diabetes mellitus assoziiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Wartenberg-Syndrom leiden an einem Komplex aus verschiedenen Symptomen. Leitsymptomatisch imponiert das Syndrom durch Gefühlsstörungen wie Hypästhesie, Hypalgesie und Dysästhesie, die vorwiegend in der Region des Spatium interosseum I auftreten und damit eindeutig im sensiblen Versorgungsgebiet des Nervus radialis liegen. Das Wartenberg-Syndrom muss nicht zwingend mit subjektiv nennenswerten Beschwerden assoziiert sein.

Viele Patienten empfinden sich als annähernd asymptomatisch. Motorische Symptome wie Bewegungsstörungen oder gar Lähmungen der Armmuskeln sind mit dem Syndrom niemals assoziiert, da der motorische Ast des Nervus radialis vollständig intakt ist. Im Einzelfall kann das Syndrom mehr oder wenige starke Schmerzen verursachen, die in den gesamten Arm ausstrahlen können. Falls das Wartenberg-Syndrom durch Fesseln verursacht worden ist, können weitere Symptome vorliegen.

Auch die Durchblutung im komprimierten Bereich kann zum Beispiel von Kompressionen betroffen sein. Solche Kompressionen von Blutgefäßen können eine Minderdurchblutung und schließlich sogar eine Nekrose aufgrund von unzureichender Sauer- und Nährstoffversorgung begünstigen. In einigen Fällen beschränkten sich die Beschwerden des Wartenberg-Syndroms auf Schmerzen. In einem solchen Fall liegen keine Sensibilitätsstörungen vor und die Symptome ähneln einer Tendovaginitis stenosans de Quervain.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf das Wartenberg-Syndrom stellt der Arzt aus Basis der klinischen Symptome. Er untersucht den Patienten auf das sogenannte Hoffmann-Tinel-Zeichen, das im Fall des Wartenberg-Syndroms positiv ausfällt. Auch der Finkelstein-Test kann im Einzelfall positiv ausfallen. Ein positiver Finkelstein-Test ist allerdings kein zwingendes Charakteristikum der Erkrankung. Im Rahmen der Diagnostik kann eine Elektroneurografie sinnvoll sein.

Über dieses Verfahren lässt sich ein Wartenberg-Syndrom differentialdiagnostisch sowohl vom Karpaltunnelsyndrom, als auch von einer andersartigen Schädigung des Nervus radialis abgrenzen. Die Prognose für Patienten mit Wartenberg-Syndrom ist deutlich günstiger, als die von Patienten mit Läsionen des zentralen Nervensystems. Periphere Nerven können sich unter Umständen vollumfänglich von einer Schädigung erholen.

Komplikationen

Das Wartenberg-Syndrom kann in seinem Verlauf verschiedene Komplikationen hervorrufen. Typischerweise auftretende Gefühlsstörungen wie die Hypästhesie schränken den Betroffenen in seinem Alltag erheblich ein, da alltägliche Reize nicht mehr richtig aufgenommen werden. Taubheitsgefühle sind eine typische Begleiterscheinung und rufen erhebliche Bewegungseinschränkungen hervor, wenn sie in den Armen oder Beinen auftreten.

Weiterhin können Beschwerden an den Augen und/oder den Ohren auftreten, wie zum Beispiel Sehstörungen oder Hörbeschwerden. In Einzelfällen verursacht das Syndrom starke, meist chronische Schmerzen, die das Wohlbefinden weiter herabsetzen. Durchblutungsstörungen, wie sie beim Wartenberg-Syndrom auftreten, könne eine Minderdurchblutung und schließlich eine Nekrose begünstigen. Die betroffene Körperregion ist dann dauerhaft gelähmt oder das jeweilige Glied muss sogar amputiert werden.

Eine operative Behandlung kann dazu führen, dass die betroffenen Nerven zusätzlich geschädigt werden. Außerdem besteht die Gefahr einer Nervenentzündung. Wird die Wunde nach dem Eingriff nicht sachgemäß versorgt, können Wundheilungsstörungen auftreten.

Daraus resultieren wiederum Narben und Verwachsungen. Die begleitend stattfindende medikamentöse Therapie kann Beschwerden hervorrufen, wenn der Patient auf eines der verordneten Präparate allergisch reagiert. Im Allgemeinen können auch verschiedene Neben- und Wechselwirkungen auftreten.

Behandlung & Therapie

Die Therapie des Wartenberg-Syndroms hängt von der Schwere der Ausprägung im Einzelfall ab. Eine wenig ausgeprägte Schädigung des Ramus superficialis am Nervus radialis muss nicht zwingend eine Behandlung erfordern. Der Nervenast wird sich vermutlich von selbst regenerieren. Wenn der Patient subjektiv kaum Beschwerden oder Beeinträchtigungen wahrnimmt, erfolgt daher keine Therapie. Therapeutisch interveniert wird ausschließlich bei ausgeprägten Beschwerden oder einer kompletten Unterbrechung der Nervenkontinuität, wie sie zum Beispiel durch Schnittverletzungen entstehen kann.

In einem solchen Fall erfolgt in der Regel eine operative Intervention. Der Arzt muss die beiden Enden des Ramus superficialis am Nervus radialis wieder zusammenfügen, damit sie zusammenwachsen können. Nach der Operation kann eine Stabilisierung durch eine dorsale Unterarmgipsschiene erforderlich sein. Der Arm wird durch die Schiene ruhiggestellt, damit die beiden Nervenenden in Ruhe miteinander verwachsen können.

Zur Behandlung des Wartenberg-Syndroms kommen außerdem einige konservativ medikamentöse Therapieschritte infrage. Zu den wichtigsten konservativen Schritten zählen Steroidinterjektionen und die Gabe von nicht-steroidalen Antirheumatika. Nachdem die Nerven zusammengewachsen sind, können im Einzelfall minimale Gefühlsstörungen zurückbleiben. Diese Überbleibsel halten sich in der Regel aber soweit in Grenzen, dass sie der Patient subjektiv kaum noch bemerkt.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugemaßnahme für das Wartenberg-Syndrom ist die überlegte Auswahl von Armbändern, Uhren und anderem Schmuck des Unterarms. Zu enge Schmuckstücke können den sensiblen Ast des Nervus radialis komprimieren und auf diese Weise das Wartenberg-Syndrom hervorrufen.  

Bücher über Sensibilitätsstörungen

Quellen

  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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