Jochbeinbruch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
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Der Jochbeinbruch zählt zur Kategorie der Kopf- sowie Gesichtsverletzungen. Nicht jeder Bruch muss operativ versorgt werden; es gibt auch konservative Behandlungsmethoden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Jochbeinbruch?

Das Jochbein befindet sich im mittleren Bereich des Gesichts und bildet den äußeren Augenhöhlenrand. Das Jochbein (medizinisch: Os zygomaticum) kann ohne Probleme, oberhalb der Wangenregion, ertastet werden. Tritt eine mechanische beziehungsweise direkte Gewalteinwirkung auf den Knochen ein, kann das Jochbein brechen. Mediziner sprechen auch immer wieder von einer lateralen Mittelgesichtsfraktur . Der Bruch kann aber auch angrenzende Knochen verletzen. So sind Brüche beziehungsweise Verletzungen des Schläfenbeins, des Unterkiefers sowie der Augenhöhle und des Stirnbeins möglich.

Ursachen

Eine starke, mechanische sowie direkte Gewalteinwirkung, die gezielt auf das Jochbein ausgeübt wird, zählt zu den häufigsten Ursachen eines Jochbeinbruchs . Diese Art der Gewalteinwirkung kann im Rahmen eines Sturzes, eines Zusammenpralls sowie eines Schlages ausgeübt werden. Vorwiegend treten Verletzungen des Jochbeins beim Fußballspielen auf, wenn beide Spieler mit den Köpfen – etwa während eines Kopfballduells – zusammenstoßen. Auch Verkehrsunfälle und Stürze mit dem Rad erhöhen das Risiko einer Jochbeinfraktur. Mitunter können auch gewalttätige Auseinandersetzungen, beispielsweise Schlägereien eine Verletzung des Jochbeins herbeiführen.

Typische Symptome & Anzeichen

Betroffen klagen üblicherweise über starke Schmerzen, die über das gesamte Gesichtsfeld ausstrahlen können. Ein Jochbeinbruch äußert sich vorwiegend durch eine auftretende Schwellung und teils starken Blutungen aus dem Nasenloch sowie aus der Kieferhöhle. Häufig bilden sich um die Augen herum Hämatome. Charakteristisch für den Jochbeinbruch ist die abgeflachte Wange bei der verletzten Person.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner tastet zuerst die verletzte Gesichtspartie ab. Liegt der Verdacht eines Jochbeinbruchs vor, wird eine Röntgenaufnahme angefertigt. Durch die bildgebende Diagnostik kann nicht nur die Fraktur, sondern auch ihr Ausmaß erkannt werden. Im weiteren Verlauf untersucht der Mediziner die angrenzenden Knochen, um etwaige Verletzungen feststellen bzw. ausschließen zu können.

Ästhetische Beeinträchtigungen oder Komplikationen sind, wenn eine fachgerechte Behandlung erfolgt, nicht zu befürchten. In den wenigsten Fällen bleibt die „abgeflachte“ Wange bestehen. Jene kann aber, auf Wunsch des Patienten, mittels eines operativen Eingriffs korrigiert werden.

Komplikationen

In der Regel führt ein Jochbeinbruch zu relativ starken Schmerzen. Diese können auch zu einer Bewusstlosigkeit führen und schränken die Lebensqualität des Patienten erheblich ein. Ebenso breiten sich die Schmerzen aus der betroffenen Region in den meisten Fällen auch in andere Regionen des Gesichtes aus und können dort ebenfalls zu Beschwerden führen. Weiterhin treten starke Schwellungen und Blutungen auf.

Auch Nasenbluten kann dabei auftreten. Um die Augen herum können sich Hämatome bilden, wodurch es zu leichten Sehbehinderungen kommen kann. Falls der Jochbeinbruch nicht frühzeitig behandelt wird, kann es zu irreversiblen Folgeschäden beim Patienten kommen. Allerdings muss dieser Bruch nicht in jedem Fall behandelt werden. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen an ästhetischen Beschwerden und fühlen sich nicht mehr schön.

Weiterhin treten auch Minderwertigkeitskomplexe oder ein verringertes Selbstwertgefühl auf. Die Behandlung des Jochbeinbruchs führt nicht zu weiteren Komplikationen. Mit Hilfe von operativen Eingriffen und Medikamenten können die Beschwerden relativ gut eingeschränkt werden.

Auch ästhetische Beschwerden werden in der Regel gut korrigiert. Die Lebenserwartung wird durch diesen Bruch nicht verringert. In den meisten Fällen kommt es neben dem Jochbeinbruch allerdings auch zu anderen Verletzungen im Gesicht und am gesamten Körper, sodass diese eventuell zu Komplikationen führen können.

Behandlung & Therapie

Die Jochbeinfraktur stellt eine relativ schwere Verletzung dar. Im Regelfall wird die Verletzung operativ korrigiert. Liegt jedoch keine Verschiebung des Knochens vor, kann auch eine konservative Therapie den gewünschten Erfolg mit sich bringen.

Stellt der Mediziner einen nicht dislozierten Bruch (nicht verschoben) fest, kann dieser in einigen Fällen auch ohne operativen Eingriff behandelt werden. Der Patient sollte eine mehrere Wochen andauernde körperliche Schonung einhalten. Schwellungen, die im Gesichtsbereich auftreten, müssen gekühlt werden. Wichtig ist, dass der Betroffene aber das Kühlmaterial niemals direkt an die Hauoberfläche hält, da ansonsten Hautschäden möglich sind. Das Kühlmaterial sollte daher in einem Handtuch auf die betroffene Stelle gelegt werden.

Liegt eine Verschiebung des Knochens vor beziehungsweise hat der Mediziner festgestellt, dass Knochenstücke abgesplittert sind, erfolgt ein operativer Eingriff. Während der Operation werden spezielle Platten sowie Schrauben verwendet, mit welchen die Knochenfragmente zusammengefügt und im weiteren Schritt in ihrer ursprünglichen Ausgangsposition fixiert werden. Während des Eingriffs befindet sich der Patient in Vollnarkose. In wenigen Fällen kann aber auch eine lokale Anästhesie beziehungsweise örtliche Betäubung verabreicht werden.

Der Mediziner führt einen kleinen Hautschnitt durch, der vom Unterlid bis zur Augenbraue reicht. Eine weitere Operationsmethode, die aber nur selten angewandt wird, erfolgt über die Mundhöhle des Patienten. Liegt eine Verletzung der Augenhöhle vor, wird der Hautschnitt direkt hinter der Haargrenze gesetzt.

Im weiteren Operationsverlauf versucht der Mediziner die Knochenfragmente, welche nicht in ihrer natürlichen Position sind, in die Ausgangslage zu versetzen. Danach werden Metallplatten sowie Schrauben verwendet, damit die Bruchstücke miteinander fixiert werden können. Liegt bei dem Patienten nur ein Jochbeinbruch - ohne weitere Verletzungen - vor, kann die Position mit einer „Hakentechnik“ fixiert werden. Gelingt die Hakentechnik, kommen keine Schrauben zum Einsatz.

Ist die Augenhöhle ebenfalls von einer Verletzung betroffen, muss eine umfangreiche Rekonstruktion des Mittelgesichts geschaffen werden. Ebenfalls können auch Gefäße verletzt sein, sodass der Mediziner in vielen Fällen Ballons sowie Tamponaden benötigt. Stellt der Mediziner während des Eingriffs fest, dass ausgeprägte Defekte vorhanden sind, kann unter anderem auch eine Transplantation erforderlich sein.

Neben Fremdmaterialien können auch Knorpel- sowie Knochenstücke, die aus den Rippen sowie der Hüfte gewonnen werden, eingesetzt werden. Die Platten und Schrauben, die für die Fixierung des Jochbeins benötigt werden, können ein Jahr nach der Operation aus dem Knochen entfernt werden. Ein derartiger Eingriff erfordert aber eine weitere Operation, weshalb viele Patienten - sofern die Platten und Schrauben keine Beschwerden verursachen - auf die Entfernung der Fremdmaterialien verzichten.

Liegt eine erhebliche Beeinträchtigung der Ästhetik vor, behandelt im weiteren Operationsverlauf der Facharzt für Mund-, Kiefer- sowie Gesichtschirurgie den Patienten und stellt den beeinträchtigen Bereich wieder - zur Zufriedenheit des Betroffenen - her. Jene Gründe sind es auch, die eine relativ gute Prognose möglich machen. Im Regelfall ist eine Operation ausreichend, damit der Knochen fixiert beziehungsweise das Gesicht korrigiert wird, damit keine ästhetischen Beeinträchtigungen gegeben sind. Nur bei sehr komplexen Verletzungen ist es möglich, dass eine zweite Operation durchgeführt werden muss.

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Vorbeugung

Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen, welche einen Jochbeinbruch verhindern. Wichtig ist, dass bei Sportarten, welche das Risiko eines Jochbeinbruchs erhöhen, besondere Vorsicht geboten ist. Helme, welche auch das Jochbein schützen, existieren noch nicht.

Das können Sie selbst tun

Beim Verdacht auf einen Jochbeinbruch gilt zunächst Schonung und Kühlung. Ein offener Bruch sollte mit einer keimfreien Wundauflage bedeckt werden bis der Notarzt eintrifft.

Nach der initialen Behandlung muss der betroffene Knochen weiterhin geschont werden. Gegen die Schmerzen wird der behandelnde Arzt entsprechende Arzneimittel verschreiben. Ergänzend bieten sich verschiedene Naturheilmittel – etwa Schwarzwurz und Bambus Tabashir – sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung an. Empfohlen werden vor allem Lebensmittel mit viel Kalzium, Magnesium und Kalium. Auch der Wirkstoff Silizium kann die Knochenheilung fördern. Darüber hinaus sollten sportliche Aktivitäten, welche die Genesung gefährden könnten, vorübergehend reduziert werden. Regelmäßige Bewegung kann den Heilungsverlauf dagegen fördern. In Rücksprache mit dem Arzt kann beispielsweise Krankengymnastik, Yoga oder Pilates durchgeführt werden. Ebenfalls heilungsfördernd sind sanfte Massagen oder ein Gang in die Sauna. Beides regt die Durchblutung an und unterstützt die Wundheilung von Haut und Knochen. Zuletzt sollte auf eine gute Wundpflege geachtet werden.

Sollte der Jochbeinbruch nach spätestens zehn Wochen nicht ausgeheilt sein, muss der Arzt informiert werden. Bei bleibenden Veränderungen ist mitunter auch das Gespräch mit einem plastischen Chirurgen sinnvoll.

Bücher über Knochenbrüche, Verletzungen & Unfälle

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013

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