Usutu-Virus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 31. Oktober 2016
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Das Usutu-Virus kann Tiere und Menschen befallen und verursacht in schweren Fällen eine Hirnentzündung. Es zählt zur Gruppe der Flaviviren und wird von Mücken auf den menschen übertragen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Usutu-Virus?

Das aus Afrika stammende Usutu-Virus kann Vögel und Säugetiere infizieren sowie mittels Übertragung durch die Stechmücke auch den Menschen. Der Name des Erregers ist vom längsten Fluss in Swasiland abgeleitet worden. Usutu gehört zur Gattung Flavivirus, die das Gehirn von Tier und Mensch angreift, und ist verwandt mit dem Japanische-Enzephalitis-Virus sowie dem West-Nil-Virus. Bei mehreren Vogelarten ist die Infektion bereits tödlich verlaufen.

Usutu-Fieber bei Menschen wurde zum ersten Mal im Jahr 2009 in Italien festgestellt. Am schwersten verlief diese Krankheit in der Folgezeit bei immungeschwächten und älteren Patienten. Sie äußert sich mit heftigem Fieber, starken Kopfschmerzen und Hautausschlägen. Das Usutu-Virus kann beim Menschen im gravierendsten Fall zu einer gefährlichen Gehirnentzündung (Enzephalitis) führen.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die ersten Todesfälle unter Vögeln tauchten im Jahr 2001 in Österreich auf. Zu dieser Zeit sind die ersten Wildvögel vermutlich aufgrund der Usutu-Infektion verendet. Sicher nachgewiesen wurden Todesfälle von Amseln sowie einigen Bartkäuzen, Blaumeisen, Haussperlingen, Kohlmeisen, Singdrosseln und Kleibern im Jahr 2003. Dieses Vogelsterben betraf Wien und einige niederösterreichische Gebiete.

Vergleichbare Phänomene gab es wahrscheinlich schon 1996 in der Toscana. Sie wurden jedoch erst durch retrospektive Untersuchungen mit dem Usutu-Virus in Verbindung gebracht. In Italien, der Schweiz und Ungarn sind ab 2005 beziehungsweise 2006 frei lebende Wildvögel an dem Virusbefall gestorben.

Im Sommer des Jahres 2011 fielen nach Schätzungen in Deutschland mehrere hunderttausend Amseln dem Usutu-Virus zum Opfer. Dieses bis dahin größte Vogelsterben solcher Art wurde auf infizierte exotische Stechmücken zurückgeführt, die mit Warentransporten nach Deutschland gekommen waren. Gleichfalls kamen Spezialisten anhand dieser Vorfälle zur Erkenntnis, dass auch einheimische Stechmückenarten sowie deren Eier und Larven das Usutu-Virus beherbergen können.

Die Übertragung auf die Vögel geschieht durch Stiche der Mücken. Der massenhafte Vogeltod war im Jahr 2011 auf Flusstäler des Rhein-Neckar-Gebiets sowie weiterer Regionen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen konzentriert. Die angesteckten Vögel wirkten zunächst außergewöhnlich apathisch und unsicher auf den Beinen, ließen zunehmend ihr Fluchtverhalten vermissen und bekamen ein zerzaustes Gefieder, ehe sie starben. Auffällig waren ebenso kahle Stellen an Kopf und Hals. Nervensystem, Leber, Milz und Herzmuskel der erkrankten Tiere hatten sich entzündlich verändert.

In den betroffenen Gebieten Deutschlands wurden massive Populationseinbrüche bei Amseln registriert. Weit weniger reduziert wurden Arten wie Eulen und Rabenvögel. Einige Teilbestände der Amseln konnten sich nur langsam und erst Jahre später von dem großen Einbruch erholen. Die Vögel hatten noch nie Kontakt mit dem Usutu-Erreger aufgenommen und somit keine Immunität dagegen entwickeln können. Zunehmend wurden sie jedoch immun gegen dieses neu aufgetauchte Virus. In den Jahren nach 2011 sind keine weiteren großen Verluste der Vogelpopulation bekannt geworden.

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Krankheiten & Beschwerden

Auf Menschen sind die Usutu-Viren durch Mückenstiche bislang äußerst selten übertragen worden. Dass eine erworbene Erkrankung einen schweren Verlauf genommen hat, blieb bis heute die absolute Ausnahme. Unter normalen Bedingungen ist sie mit einem einfachen grippalen Infekt zu vergleichen.

Für zwei Menschen ging bisher eine größere Gefahr von der Ansteckung aus. Es handelte sich nach Berichten von Ärzten um zwei immungeschwächte Personen in Italien. Sie sollen sich im Jahr 2009 angesteckt haben und erkrankten anschließend an einer Gehirnhautentzündung. Beide blieben am Leben. Auch eine Person in Kroatien soll klinisch im Zusammenhang mit einer Usutu-Infektion behandelt worden sein.

In Deutschland wurde im Jahr 2012 bei einem Patienten die virale Ansteckung nachgewiesen. Es zeigten sich jedoch in der Folge keine Symptome einer Erkrankung. Der Mann war als Blutspender in Hessen erfasst, weshalb die Antikörper gegen das Usutu-Virus in seinem Blut gefunden worden waren.

Um jedes noch so kleine Risiko ausschließen zu können, wird zur Vorbeugung einer Usutu-Infektion von Seiten der Mediziner empfohlen, sich vor Mückenstichen zu schützen. Das geschieht am wirkungsvollsten durch geschlossene Kleidung, den Einsatz geeigneter Abwehrmittel und auch das Verwenden eines Moskitonetzes. Gegebenenfalls vermieden werden sollten größere Wasseransammlungen an Häusern oder in Gärten, da sich zum Beispiel in Regenwassertonnen hunderte Hausmücken aufhalten oder aus Larven entwickeln. Möglich ist hier auch die Verwendung spezieller Eiweißtabletten, die für Mensch und Tier ungefährlich sind, jedoch Mückenlarven im Wasser abtöten.

Mit lebenden oder toten Wildvögeln sollte stets vorsichtig umgegangen werden, auch wenn sie das Virus nicht direkt auf den Menschen übertragen können. Der unmittelbare Kontakt mit frei lebenden Vögeln sollte immer vermieden werden. Ihre Berührung erfolgt am besten nur mit Handschuhen. Nach einem solchen Vorfall ist es erforderlich, die Hände gründlich zu waschen und sie zu desinfizieren. Tote Vögel dürfen nicht vergraben oder dem Hausmüll zugefügt werden, sondern sind an amtliche Stellen abzugeben. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Haustiere mit infizierten Vögeln Kontakt haben oder hatten.

Nachgewiesenermaßen hat das Usutu-Virus die Fähigkeit erworben, selbst in harten Wintern zu überleben. Damit gilt es als in Westeuropa dauerhaft etabliert. Es weist ein vergleichsweise hohes Verbreitungspotenzial auf, da es auch von Mücke zu Mücke leicht übertragbar ist. Das umhüllte, einzelsträngige Virus gehört zur RNA-Gruppe, das heißt, sein Erbmaterial besteht aus Ribonukleinsäure. Die Verwandten des Usutu-Virus haben in Süd- und Südosteuropa beziehungsweise auf dem asiatischen Kontinent seit längerer Zeit Fuß gefasst.

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