Trockenbluttest

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Der amerikanische Arzt und Mikrobiologe Robert Guthrie führte 1963 den Trockenbluttest, den Guthrie-Test ein, mit dem er bei Neugeborenen die Stoffwechselerkrankung Phenylkenonurie (Unfähigkeit die Aminosäure Phenylalanin abzubauen, da ein wichtiges Enzym im Körper fehlt) diagnostizieren konnte.

Noch heute wird dieses Screeningverfahren weltweit verwendet bei dem von Neugeborenen wenige Blutstropfen auf ein spezielles Filterpapier aufgetropft wird. Nach dem Trocknen des Blutes wird das Filterpapier auf eine nährstoffhaltige Agarplatte ohne Phenylalanin gelegt und eine bestimmte Art von Bakterien dazu gegeben.

Diese besonderen Bakterien können sich nur dann vermehren, wenn viel Phenylalanin in dem getrockneten Blutstropfen vorhanden ist. So wird festgestellt, ob ein neugeborener Säugling die angeborene Stoffwechselkrankheit hat und damit eine spezielle Diät braucht. Denn frühzeitig erkannt, können diese Neugeborenen mit einer strengen phenylalaninlosen Diät normal aufwachsen ohne Gefahr von geistigen Fehlbildungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Trockenbluttest?

In späteren Jahren sind weitere Faktoren im Blut für angeborene Stoffwechselerkrankungen erkannt worden, so dass heutzutage das routinemäßige Screenen von Neugeborenen zwischen der 36. bis 72. Lebensstunde auf bestimmte Stoffwechselstörungen mit dem Trockenbluttest (im Englischen dried blot spot genannt, DBS) Standard ist.

Für das Auffangen eines Blutstropfen mit einem speziellen Filterpapier, brauchen die Neugeborenen nur kurz an der Ferse gepikst zu werden. Die getrockneten Filterpapiere werden in ausgewählte Speziallabore eingesandt, wo sie zeitgleich mit komplizierten, aber effizienten Analyseverfahren mittlerweile auf mehr als 30 Stoffwechselerkrankungen getestet werden. Innerhalb von Stunden bzw. wenigen Tagen erhalten Ärzte und damit die Eltern die Untersuchungsergebnisse. Aus ethischen Gründen werden im Rahmen des Neugeborenenscreenings nur Erkrankungen erfasst die, frühzeitig diagnostiziert, auch behandelbar sind.

Heutzutage ist in vielen Ländern das Neugeborenenscreening mit dem Trockenbluttest obligatorisch, jedoch nicht in Deutschland. Dennoch wird auch hierzulande dieses Screeningverfahren für Neugeborene von vielen Eltern in Anspruch genommen und von den Gesundheitskassen finanziert.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Einfachheit der Blutabnahme für den Trockenbluttest führte dazu, dass diese Untersuchungsmethode auch für ältere Kinder mit anderen Erkrankungen etabliert wurde, um ihnen die schmerzhafte venöse Blutabnahme mit der Nadel zu ersparen. Heutzutage wird das DBS-Verfahren in vielen Bereichen der In-vitro-Diagnostik (Untersuchungen außerhalb des Körpers durch vorherige Entnahme von Blut, Urin oder Speichel) eingesetzt, auch für Erwachsene.

Ein kleiner Stich ins Finger reicht aus, um genügend Blut auf das spezielle Filterpapier zu tropfen. Beispielsweise wird so die Konzentration von Vitamin D im Blut mithilfe des Trockenbluttests bestimmt. Niedrige Vitamin-D-Konzentrationen weisen auf bestimmte Leiden hin. Auch wenn der Patient zum Zeitpunkt der Untersuchung noch beschwerdefrei ist, kann der behandelnde Arzt umgehend die Therapie einleiten.

Für das therapeutische Drug Monitoring, bei dem Ärzte wissen müssen, ob die Dosis eines verordneten Medikaments richtig im Blut eingestellt ist, wird zum Teil Trockenbluttest eingesetzt. Für das DBS-Verfahren kann der Arzt die zum Fingerstich und zum Blutauffangen notwendigen Utensilien einem Patienten auch mit nach Hause geben. So kann dieser über einen längeren Zeitraum Blutstropfen auf die entsprechenden Filterpapiere auftropfen und trocknen lassen. Anschließend bringt er diese beim nächsten Arztbesuch mit, oder sendet sie direkt ins vorgesehene Labor ein. Auf diese Weise wird auch ermittelt, ob ein Patient seine lebenswichtigen Medikamente, wie zum Bespiel Antiepileptika richtig einnimmt.

Der amerikanische Arzt und Mikrobiologe Robert Guthrie führte 1963 den Trockenbluttest, den Guthrie-Test ein, mit dem er bei Neugeborenen die Stoffwechselerkrankung Phenylkenonurie diagnostizieren konnte.

In diesem Zusammenhang steht die individuelle Dosiseinstellung von Immunsuppressiva im besonderen Fokus für den Trockenbluttest. Um die richtige Konzentration der Medikamente nach einer Organtransplantation einzustellen müssen Patienten oft in sehr kurzen Zeitabständen Blut abgenommen werden. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil der DBS-Methode, indem der bereits geschwächte Patient bei der Blutabnahme nur noch wenig belastet wird.

Praktisch ist auch, dass von dem auf dem Filterpapier getrockneten Blut meist nur ein ganz kleines Stückchen für die Laboruntersuchung benötigt wird und daher unterschiedliche Untersuchungen aus dem gleichen Blutstropfen durchgeführt werden können. Die "Blutkarten" können sauber, dunkel und kühl aufbewahrt über viele Jahre gelagert werden. So kann auf Wunsch auch nach langer Zeit kontrolliert werden, ob ein bestimmter Parameter im Blut bereits in der Vergangenheit auffällig war oder nicht. Außerdem gewährt diese Art der Blutabnahme mehr Sicherheit für das Medizinpersonal vor Einstichverletzungen (mögliche Infektionsübertragungen werden somit weiter minimiert).

Sogar das Laborpersonal profitiert bei dieser Untersuchungsart, da sie bei der Vorbehandlung der Blutprobe Zeit und Verbrauchsmaterial einspart. Vollblut in Röhrchen müssen aufwendig vorbehandelt werden, was zeitintensiver und kostspieliger ist.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Allerdings birgt auch diese Art der Blutabnahme Risiken für die spätere Untersuchung im Labor. Insbesondere wenn die Filterpapiere den Patienten mit nach Hause gegeben werden, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese die Utensilien unsachgemäß einsetzen und damit das jeweilige Filterpapier unbrauchbar wird.

Weiter führen bakterielle Kontaminationen bzw. sonstiger Schmutz zu unbrauchbaren Testergebnissen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auf, dass bei bestimmten Parametern wie z.B. bei einigen Hormonen die Testergebnisse zwischen venösem Blut und dem Trockenbluttest stark variieren können. Die Ursache hierfür ist unter anderem die unterschiedliche Menge des Hämatokrits (Anteil der Erythrozyten am Volumen des Blutes) je nach Blutabnahme-Verfahren.

Daher laufen viele klinische Studien mit Trockenbluttests, um ihre Verlässlichkeit für bestimmte Parameter zu verbessern. Wo nötig werden die Analysemethoden angepasst oder falls erforderlich Blut aus der Vene empfohlen. Mittlerweile gibt es Trockenbluttests auch für bestimmte Haus- bzw. Nutztiere.

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