FOMO

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2017
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FOMO (Fear of Missing out) ist (noch) keine anerkannte psychische Krankheit, sondern beschreibt lediglich eine psychische Auffälligkeit, deren Erscheinungsformen fließende Übergänge von „noch normal“ bis zu krankhafter Abhängigkeit umfassen. Unter FOMO versteht man die Angst, ständig etwas Wichtiges zu verpassen, was woanders passiert und davon ausgeschlossen zu sein. Das Gefühl, das sich hinter FOMO verbirgt, ist nicht neu, wird aber durch moderne Kommunikationstechniken in Verbindung mit sozialen Online-Netzwerken stark befördert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist FOMO?

FOMO ist ein Akronym, das sich aus dem angelsächsischen Ausdruck Fear of Missing out ableitet. Der Begriff steht für einen nicht genau definierten psychischen Zustand, der aus der ständigen Befürchtung oder Angst heraus entsteht, etwas Wichtiges zu verpassen, das von Freunden oder Bekannten irgendwo anders veranstaltet wird und von dem man ausgeschlossen ist.

Unter FOMO werden psychische Verhaltensweisen subsumiert, die aus der Angst, etwas zu verpassen, resultieren. Derartige Gefühle sind bis zu einem gewissen Grad normal und können den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl in einer Gruppe fördern und begleiten die Menschheit bereits seit den Anfängen ihrer sozialen Ordnung.

Durch die modernen Kommunikationstechniken, die die Entwicklung und Einrichtung mehrerer sogenannter sozialer Netzwerke (social media) ermöglichten, wird FOMO enorm befördert und zeigt eine deutliche Tendenz zu weiterer Verbreitung. Eine allgemein gültige Definition für FOMO gibt es (noch) nicht.

Einige Autoren listen verschiedene Symptome auf, die typischerweise bei Menschen beobachtet werden, die offensichtlich von FOMO betroffen sind. Zum Teil wird zwischen FOMO ohne technische Geräte und FOMO in Verbindung mit Geräten unterschieden, mit denen eine Fernkommunikation über Internet möglich ist (Smartphone, Laptop, Tablet).

Ursachen

Die Angst, etwas zu verpassen oder etwas zu erleben, was viel weniger Spaß oder viel weniger Thrill bietet, als das, was Freunde erlebt und unternommen haben, ist bis zu einem gewissen Grad natürlich und normal. Das Gefühl kann den eigenen Ehrgeiz anstacheln, etwas zu unternehmen, das kreativer und herausfordernder ist, als das, was Freunde unternommen haben.

Die Situation kann sich schnell ändern für Personen, die sich ständig online in sozialen Netzwerken bewegen. Hier kann es zu einer großen Zahl von weit über einhundert „Freunden“ oder „Followern“ kommen. Es besteht die Gefahr, dass der Erlebnishorizont Einzelner aus einer großen Gruppe ständig heraussticht und das Gefühl vermitteln kann, dass man selbst nicht mithalten kann.

Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, dass aus der Menge der Freunde ständig jemand gerade etwas Aufregendes und Schönes erlebt, an dem man aufgrund beruflicher oder familiärer Verpflichtungen nicht teilnehmen kann. Ständiges Verfolgen sozialer Netzwerke kann das Entstehen der FOMO daher stark fördern.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Auftreten einer ganzen Reihe von Symptomen können auf FOMO hindeuten. Sie reichen von bestimmten psychischen Befindlichkeiten, die für Außenstehende nicht ohne weiteres wahrnehmbar sind, bis hin zu typischen und auffälligen Verhaltensweisen der Betroffenen, die auch nach außen wahrnehmbar sind.

Psychische Befindlichkeiten äußern sich typischerweise in Traurigkeit und Frustration, weil Freunde oder Follower gerade etwas Großartiges erleben, an dem man selbst nicht teilhaben kann oder dass sie einfach nur Spaß haben, während man selbst nur mit dem tristen Alltag als Erlebnis konfrontiert wird. Derartige Gefühle befördern wiederum die suchtartige Angst und Befürchtung, noch mehr zu verpassen.

Häufig resultieren die psychischen Befindlichkeiten in einer Art Sucht und Zwang, ständig Meldungen in bestimmten sozialen Medien überprüfen und verfolgen zu müssen und ihre eigenen Erlebnisse – seien sie auch lediglich banal – posten zu müssen. Betroffene flüchten vor der Realität in die virtuelle Erlebniswelt ihrer „Freunde“.

FOMO kann sogar dazu führen, dass die Betroffenen Erlebnisse erfinden und posten, um sich selbst aufzuwerten. Auffällig und sogar gefährlich wird das Verhalten, wenn es zu offensichtlichen Ablenkungen und Konzentrationsstörungen im Berufsleben und im sonstigen Alltag führt. Das Kommunikationsverhalten im direkten Dialog – ohne Smartphone – kann dadurch erheblich gestört sein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da keine eindeutigen Kriterien für das Vorliegen von FOMO existieren und die Übergänge von „noch normal“ bis hin zu psychisch auffälligem FOMO fließend sind, muss sich die Diagnose an mehreren parallel auftretenden Symptomen orientieren. Eines der wichtigsten Kriterien, die auf FOMO hindeuten, ist die Abhängigkeit von sozialen Medien, der Zwang, ständig Meldungen der Freunde und Follower verfolgen zu müssen und selbst ständig posten zu müssen. Die Abhängigkeit, die mit typischem Suchtverhalten vergleichbar ist, kann so stark werden, dass das Verhalten in der realen Welt im direkten Gegenüber mit realen Personen und die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit im Berufsalltag und im sonstigen Alltag beeinträchtigt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei FOMO sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Die Beschwerden der Krankheit verschwinden in der Regel nicht wieder von alleine und verschlimmern sich weiterhin, sodass die Betroffenen auf eine medizinische Behandlung angewiesen sind. Der Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn die Betroffenen unter dauerhafter Traurigkeit leiden. Dabei sind die Erfolgserlebnisse häufig mit Followern oder virtuellen Freunden verbunden. Auch eine dauerhafte Angst und die Befürchtung, dass der Betroffene etwas verpassen könnte deutet auf FOMO und muss durch einen Arzt untersucht werden.

Häufig erkennen die Betroffenen selbst nicht, dass sie an FOMO leiden. In diesen Fällen müssen vor allem die Eltern und die Angehörigen den Betroffenen zu einer Behandlung führen. Dabei kann in schwerwiegenden Fällen auch der Aufenthalt in einer Klinik notwendig sein. Auch ein dauerhafter Zwang zur Aktualisierung der Nachrichten in den sozialen Medien deutet sehr häufig auf FOMO hin. Dabei kann es im Alltag zu einer gestörten Kommunikation beim Patienten kommen. In der Regel kann die Diagnose und Behandlung von FOMO bei einem Psychologen erfolgen. Allerdings vergeht häufig ein großer Zeitraum, bis die Betroffenen sich die Erkrankung selbst eingestehen.

Komplikationen

Durch FOMO können unterschiedliche Komplikationen eintreten, die den Körper sowohl psychisch als auch physisch schaden können. In der Regel wirken die Betroffenen traurig und niedergeschlagen, wenn ein Event oder ein Treffen verpasst wird. Dabei kann es zu Minderwertigkeitskomplexen und Depressionen kommen.

Im schlimmsten Fall sind die Trauergefühle so stark ausgeprägt, dass es zu Selbstmordgedanken und schließlich zu Selbstmord kommt. Oft tritt FOMO im Zusammenhang mit starkem Stress auf. Hierbei kommt es zu Schlafstörungen, einer starken Erschöpfung und zu Kopfschmerzen. Ein Leben ohne Smartphone und anderen digitalen Medien ist für den Betroffenen unvorstellbar.

Nicht selten kommt es zu einer Aggressivität, wenn die Erreichbarkeit nicht gewährleistet sein kann. Komplikationen können dann auftreten, wenn der Betroffene krankheitsbedingt an Konzentrationsstörungen leidet und damit in seinem Beruf oder beim Lernen eingeschränkt wird. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch einen Psychologen und dem Entzug von sozialen Medien und einer ständigen Kommunikation. Dabei kommt es in vielen Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Allerdings kann FOMO auch im weiteren Verlauf des Lebens auftreten und den Alltag des Betroffenen einschränken.

Behandlung & Therapie

Es ist kaum hilfreich, Menschen, die unter FOMO leiden, zu empfehlen, vollkommen auf den Gebrauch der sozialen Medien zu verzichten. Eine mehr Erfolg versprechende Therapie kann darin bestehen, den Betroffenen zu helfen, den Gebrauch der sozialen Medien zu reflektieren und auf eine rationalere Ebene zu stellen. Dadurch kann die Erkenntnis wachsen, dass die meisten Posts kaum Relevanz haben und praktisch keine Gefahr besteht, etwas zu verpassen, wenn beispielsweise der Onlinebesuch auf bestimmte Zeiten beschränkt wird. Hilfreich ist auch die Stärkung des Selbstbewusstseins dahingehend, dass Eigenständigkeit und selbstbestimmte Aktivitäten befriedigender sind als die ständige Anpassung an den Mainstream.

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Vorbeugung

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme besteht in der möglichst frühen Reflexion des Gebrauchs der sozialen Netzwerke. Soziale Netzwerke können sehr nützlich und hilfreich sein. Erst die unreflektierte Nutzung kann zu einer nur schwer zu überwindenden Abhängigkeit führen.

Das können Sie selbst tun

Der Erkrankte kann sich im Alltag mit vielen Verhaltenstricks und Möglichkeiten selbst helfen, um mit den vorhandenen Beschwerden besser umzugehen. Regelmäßige Auszeiten, in denen keine digitale Erreichbarkeit vorhanden ist, fördert letztlich das Wohlbefinden und senkt das Stresserleben. Während der Ruhephasen und des Nachtschlafs ist es hilfreich, wenn die telefonische sowie digitale Erreichbarkeit unterbrochen ist.

Eine gut organisierte Teilnahme an Freizeitaktivitäten oder sportlichen Tätigkeiten hilft ebenfalls, um das Wohlbefinden zu verbessern und die Gedanken auf andere Bereiche des Lebens zu richten. Disziplin und gute Selbstreflektion für das eigene Verhalten ist wichtig, um Erkenntnisse zu gewinnen und Zusammenhänge zu verstehen. Durch kognitives Training, Überprüfung der eigenen Emotionen sowie Beobachtung der Reaktionen von Mitmenschen, kann der Erkrankte viel über die Auslöser seiner Beschwerden wahrnehmen und Optimierungen vornehmen. Die Bereitschaft zur Veränderung der eigenen Verhaltensstrukturen sollte gegeben sein, damit eine Linderung der Erkrankung erfolgen kann.

Mit der Durchführung von Entspannungstechniken kann der Patient den eigenen Stress und die vorhandenen Ängste abbauen. Methoden wie Yoga oder Meditation helfen, um eine mentale Erleichterung zu erzielen und eine innere Balance zu erreichen. In vielen Fällen unterstützen Gespräche mit älteren Menschen das Wohlbefinden, da die Lebenserfahrung einer anderen Person neue Denkansätze bieten kann.

Bücher über Angststörungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

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