Dentinogenesis imperfecta

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. Dezember 2017
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Unter einer Dentinogenesis imperfecta beschreibt der Mediziner eine vererbbare Erkrankung. Die Dentinogenesis imperfecta führt in weiterer Folge zu einer Fehlbildung des Dentins, was zur Folge hat, dass sich der Zahnschmelz löst und das Dentin freigegeben wird. Auf Grund des Abriebs, der durch das Kauen entsteht, baut sich das Dentin bis zum Zahnfleisch ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Dentinogenesis imperfecta?

Die Dentinogenesis imperfecta ist eine autosomal-dominant vererbte Strukturstörung bzw. Fehlentwicklung der Zahndentitionen; einer von 8.000 Menschen ist von der Dentinogenesis imperfecta betroffen. Die Dentinogenesis imperfecta wird auch als Capdepont-Syndrom bezeichnet und in drei Typen eingeteilt:

  • Typ I (auch als Shields DI Typ I bekannt) äußert sich im Rahmen der Osteogenesis imperfecta (OI - auch als Glasknochenkrankheit bekannt) und hat mitunter auch zur Folge, dass ein progressiver Hörverlust mit der Zeit auftritt.
  • Typ II (auch als Shields DI Typ II oder als hereditär opaleszierender Typ bekannt) ist eine genetische Vorbelastung, die ebenfalls wie Osteogenesis imperfecta auftreten kann.
  • Typ III (Schalenzähne-Typ beziehungsweise Brandywine-Typ) ist mit Typ II vergleichbar und wurde zum ersten Mal in Brandywine (USA) dokumentiert.

Ursachen

Die Ursache der Entstehung liegt in der Entwicklungsphase der Zähne; dabei spielt ein Gen die wesentliche Rolle. Das bedeutet, dass die Veranlagung einer Dentinogenesis imperfecta auch vererbbar ist. Da sich im Rahmen der Entwicklung der Zahnhartsubstanz ein Austausch der Zellen bildet, der mit Dentin zu tun hat, erfolgt eine Dentin-Unterversorgung, sodass eine erhöhte Wassereinlagerung im Zahnschmelz beobachtet werden kann.

Auf Grund dieses Zustands kommt es in weiterer Folge zu einer Zahnmissbildung. Jedoch werden die Missbildungen erst nach dem Durchbrechen der Zähne ersichtlich. Die Missbildungen treten nicht nur bei den bleibenden Zähnen auf, sondern können bereits im Milchgebiss beobachtet werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen der Dentinogenesis imperfecta weisen die Zähne eine sanfte bläuliche Verfärbung auf. Der Zahnschmelz fehlt beziehungsweise wird rissig; mitunter liegt auch eine Unterbaufehlbildung auf, da das Dentin fehlgebildet ist. Die Struktur des Dentins ist abnormal und weist des Weiteren auch eine unregelmäßige Anordnung auf. Auf Grund des Abriebs, der durch das Kauen entsteht, wird in weiterer Folge der Zahnschmelz zerstört.

Das Dentin wird daraufhin freigelegt und mit der Zeit „abgekaut“. Mittels Röntgenaufnahmen kann der Mediziner eine deutlich verminderte Kontrastdarstellung des Zahngewebes erkennen. Mitunter stellt der Mediziner auch eine Verkürzung der Zahnwurzeln fest; ein weiteres Anzeichen, dass es sich um eine Dentinogenesis imperfecta handelt. Die Pulpenhöhlen und auch die Wurzelkanäle sind von Dentin verschlossen; ist jedoch noch eine Restpulpa vorhanden, kann auch kein sogenanntes Sekundärdentin gebildet werden.

Dies deshalb, da keine Odontoblasten verfügbar sind. Im Regelfall ist aber keine Pulpa vorhanden. Die fehlende Pulpa erklärt auch die Schmerzfreiheit; selbst dann, wenn das Dentin bis zum Zahnfleisch abgekaut wurde und im Normalfall jener Zustand enorme Schmerzen mit sich bringen würde. Bleibt die Dentinogenesis imperfecta unbehandelt, kann der Zahn tatsächlich bis zum Zahnfleisch „abgekaut“ werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Mediziner stellt die Diagnose auf Grund der Krankheitsgeschichte des Betroffenen und der klinischen Untersuchungen sowie radiologischen Befunde. Jedoch handelt es sich - bis nicht molekulargenetische Tests durchgeführt wurden - um reine Verdachtsdiagnose. Erst nach dem genetischen Test kann eine Sicherungsdiagnose gestellt werden, dass tatsächlich eine Dentinogenesis imperfecta vorliegt.

Wird die Dentinogenesis imperfecta behandelt, kann sehr wohl die Lebensqualität gesteigert werden; die Prognosen sind - je nach Typ und Ausmaß der Dentinogenesis imperfecta - unterschiedlich, jedoch durchwegs positiv. Lässt der Betroffene die Dentinogenesis imperfecta unbehandelt, verschlechtert sich der Zustand der Zähne. Wichtig ist, dass daher die Zähne mit Füllungen, Unterkronungen sowie Aufbauten versorgt werden.

So ist es möglich, dass die Zähne auch ein „normales Aussehen“ erhalten. Wichtig ist, dass ein Mediziner kontaktiert wird, der mitunter auch schon Erfahrungen auf dem Gebiet der Behandlung der Dentinogenesis imperfecta sammeln konnte. Es gibt sehr wohl Zahnärzte, welche die Behandlung von Dentinogenesis imperfecta-Patienten ablehnen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn eine leicht bläuliche Verfärbung der Zähne bemerkt wird, deutet dies auf eine Dentinogenesis imperfecta hin. Ein Besuch beim Zahnarzt empfiehlt sich, wenn diese Blaufärbung nach einigen Tagen nicht von selbst zurückgeht oder weitere Beschwerden hinzukommen. Im weiteren Verlauf äußert sich die Erbkrankheit zum Beispiel durch sichtbare Rötungen und Entzündungen. Bei diesen Symptomen muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, der die Ursache abklärt und gegebenenfalls direkt behandelt.

Spätestens, wenn sich Schmerzen einstellen, ist ein sofortiger Arztbesuch angezeigt. Patienten, die bereits unter anderweitigen Zahnbeschwerden leiden, sind besonders anfällig für eine Dentinogenesis imperfecta. Diese sollten regelmäßig den Zahnarzt aufsuchen und Anzeichen einer Erkrankung umgehend abklären lassen. Menschen, bei denen die Erkrankung bereits diagnostiziert wurde, diese aber noch nicht ausgebrochen ist, veranlassen am besten ebenfalls regelmäßige Kontrollbesuche in der Zahnarztpraxis. Gelegentlich kann die Dentinogenesis imperfecta bereits vor ihrem Ausbruch behandelt werden. Betroffene sollten mit dem Zahnarzt über die Möglichkeiten einer solchen Frühbehandlung sprechen.

Komplikationen

Aufgrund der Dentinogenesis imperfecta kommt es in den meisten Fällen zu Beschwerden im Mundraum. Der Patient leidet dabei an starken Fehlbildungen und an einem Abbau des Zahnschmelzes. Dabei kann sich das Dentin sogar zum Zahnfleisch hin abbauen und damit zu Komplikationen im Mundraum führen. Auch die Zahnwurzeln sind beim Patienten verkürzt und können dabei sogar verschlossen sein.

Falls das Dentin tatsächlich bis zum Zahnfleisch abgekaut wird, kommt es zu extrem starken Schmerzen. Durch die Schmerzen ist für den Betroffenen keine gewöhnliche Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitsaufnahme mehr möglich, sodass es zu starken Einschränkungen im Alltag kommt. In vielen Fällen leiden die Patienten auch an Dehydrierung und Gewichtsverlust. Die Schmerzen können ebenfalls zu psychischen Beschwerden und Depressionen führen. Oft wirken die Patienten gereizt und leicht aggressiv.

Die Behandlung der Dentinogenesis imperfecta zielt vor allem auf die Minimierung des Abriebes ab. Damit wird die vollständige Zerstörung vermieden. In der Regel sind auch kosmetische Behandlungen notwendig, damit sich der Betroffene wohl fühlt und nicht an Minderwertigkeitskomplexen leidet. Die Zähne werden dabei mit einem Füllmaterial aufgefüllt. Weiterhin kommt es zu keinen weiteren Komplikationen. Im schlimmsten Fall kann der Patient ohne Behandlung einen Zahnausfall erleiden.

Therapie & Behandlung

Im Rahmen der Dentinogenesis imperfecta zielt die Behandlung vorwiegend darauf, dass die Abrasion - so gut wie möglich - minimiert wird. Nur so können die Zähne rehabilitiert werden, wenn bereits eine enorme Verschleißerscheinung sichtbar ist. Ebenfalls kann die Ästhetik optimiert werden; etwaige weitere Möglichkeiten sind Präventionen, damit keine Folgeschäden auftreten. Die Backenzähne werden im Regelfall mit Zahnkronen versehen.

Das vermindert eine Abnutzung der Zähne und der Unter- wie Oberkiefer können stabilisiert werden. Der Mediziner setzt auf den hinteren Zähnen rostfreie Stahlkronen; die Frontzähne werden in weiterer Folge mit einem Füllmaterial behandelt. Vor allem ist die Behandlung mit Füllmaterial für permanente Zähne unerlässlich.

Zu Beginn der Behandlungen achtet der Mediziner aber auch darauf, dass er etwaige kariöse Defekte behandelt. Karies wird mittels Zahnfüllungen beseitigt. Des Weiteren müssen regelmäßige Kontrollbesuche wahrgenommen werden, sodass bei etwaigen Veränderungen oder Verschlechterungen weitere Maßnahmen gesetzt werden können, dass der Mediziner Folgeschäden beziehungsweise den Ausfall der Zähne verhindern kann.

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Aussicht & Prognose

Die Dentinogenesis imperfecta ist nicht heilbar. Trotz intensiver Zahnbehandlung schreitet die Abnutzung der Zähne voran. Durch rudimentär ausgebildete Zahnwurzeln ist außerdem die Zahnbeweglichkeit erhöht. Schließlich führen die Strukturanomalien der Zähne oft schon in frühen Jahren zur Zahnlosigkeit.

Die klassischen Behandlungsmaßnahmen können die Zerstörung der Zähne nur etwas hinauszögern. Um die extremen Verschleißerscheinungen zu minimieren, müssen die Zähne durch Kronen geschützt werden. Da keine Verbindung des Zahnschmelzes zum Dentin besteht, führen bei ungeschützten Zähnen geringste Beanspruchungen zum Abplatzen des Schmelzes.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus den gelbbraunen bis blaugrauen Verfärbungen der Zähne. Die betroffenen Patienten leiden neben den funktionellen Störungen der Zähne auch unter einem erheblichen psychischen Druck. In der heutigen Gesellschaft besitzt die Ästhetik einen hohen Stellenwert. Patienten, die an einer Dentinogenesis imperfecta leiden, passen da nicht in das allgemein anerkannte gepflegte Erscheinungsbild. Das führt häufig zu sozialer Ausgrenzung. So ziehen sich Betroffene oft zurück. Sie leiden unter der allgemeinen Erwartungshaltung der Gesellschaft, die nur ein ästhetisches Gesamtbild akzeptiert. In der Folge können sich psychische Auffälligkeiten entwickeln, die häufig bis zu Depressionen und Selbstmordgedanken führen.

Mit den klassischen Behandlungsmethoden können die Verschleißerscheinungen, die Verfärbungen und der Verlust der Zähne auf Dauer jedoch nicht aufgehalten werden. In der Perspektive kann nur ein vollständiger Zahnersatz das Selbstwertgefühl der Patienten wieder stabilisieren.

Vorbeugung

Die Dentinogenesis imperfecta kann nicht vorgebeugt werden. Dies deshalb, da es sich um eine genetisch bedingte Krankheit handelt. Es gibt weder begünstigende noch vorbeugende Maßnahmen, damit die Dentinogenesis imperfecta verhindert werden kann. Wichtig ist, dass Patienten mit einer Dentinogenesis imperfecta frühzeitig behandelt wird beziehungsweise regelmäßige kontrollärztliche Untersuchungen stattfinden.

Das können Sie selbst tun

Eine Dentinogenesis imperfecta muss auf jeden Fall ärztlich behandelt werden. Begleitend zur zahnmedizinischen Therapie können einige Selbsthilfe-Maßnahmen sowie verschiedene Mittel aus Haushalt und Natur die Zahngesundheit fördern.

Zunächst muss auf eine gute Zahnhygiene geachtet werden. Die Zähne sollten mindestens dreimal täglich mit einer medizinischen Zahncreme geputzt und täglich mit Zahnseide behandelt werden. Des Weiteren sollte regelmäßig ein Zahnarzt aufgesucht werden, der das Fortschreiten der Erkrankung kontrollieren und bei Komplikationen rasch reagieren kann. Sollten sich bereits Folgeschäden entwickelt haben oder sind die Zähne sogar schon ausgefallen, kann selbst nicht mehr viel unternommen werden. Eine fachärztliche Behandlung ist dann unbedingt erforderlich. Bis diese erfolgt, sollten reizende Stoffe vermieden werden, um Entzündungen an den Zahnhälsen und an der Mundschleimhaut zu vermeiden.

Mit einer Dentigonesis imperfecta sollte grundsätzlich auf eine gesunde, möglichst zuckerfreie Ernährung geachtet werden. Sämtliche Stoffe, die Zahnfleisch und Zähne weiter reizen könnten, sind zu vermeiden. Zähneknirschen und ähnliche Zwangshandlungen sollten nach Möglichkeit eingeschränkt werden, denn dadurch verstärken sich die Beschwerden auf Dauer noch. Im Zweifelsfall ist auch eine therapeutische Beratung sinnvoll.

Bücher über Zahnschmerzen

Quellen

  • Müller, H.-P.: Checkliste Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

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