Phantomschmerz

Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin)

Der Phantomschmerz, der auch als Phantomglied bekannt ist, ist ein Schmerz vor allem bei fehlenden oder amputierten Gliedmaßen. Obwohl die Körperteile nicht mehr vorhanden sind, empfinden die Betroffenen hierbei Schmerzen. Phantomschmerzen gehören neben den Stumpfschmerzen zu den Amputationsschmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Definition Phantomschmerz

Schon in den alten Hochkulturen der Menschheit, etwa im antiken Ägypten oder bei den südamerikanischen Mayas, amputierten schon Ärzte kranke oder verletzte Gliedmaßen. In früheren Zeiten war Wundbrand eine häufige Ursache für die Amputation eines Armes oder Beines und oft die einzige Hoffnung, ein Menschenleben zu retten.

Auch heute noch müssen manchmal Gliedmaßen amputiert werden, beispielsweise aufgrund einer irreparablen Schädigung durch einen Unfall oder eine infektiösen Krankheit.

Schätzungsweise 50 bis 80 Prozent der Patienten, denen ein Gliedmaß oder auch ein Organ entfernt wurde, klagen anschließend über Phantomschmerz oder Phantomempfindungen in den nun fehlenden Körperteilen.

Phantomschmerzen treten in der Regel innerhalb eines Monats nach der Operation auf und können unterschiedlich intensiv empfunden werden. In seltenen Fällen klagen Betroffene aber auch erst Monate oder Jahre erstmalig über Phantomschmerz.

Ursachen für Phantomschmerz

Die Wissenschaft konnte noch keine konkreten Ursachen für das Auftreten des Phänomens Phantomschmerz finden. Vor wenigen Jahren noch glaubte man, Grund für die virtuellen Schmerzen seien entzündete Nervenstümpfe. Heute gehen Ärzte davon aus, dass die Phantomschmerzen aufgrund einer Art Verwirrung des Gehirns entstünden.

Auch nach der Amputation hat das Gehirn das Glied oder Organ noch nicht als fehlend klassifiziert und geht einfach weiterhin von dem alten, kompletten Körperschema aus. Dieser Ansatz erklärt auch, weshalb Phantomempfindungen auftreten: Manche Patienten beispielsweise meinen, mit einer fehlenden Hand gestikulieren zu können.

Eine weitere Beobachtung stützt die These vom Gehirn, das nicht umdenken kann: Phantomschmerz richtet sich in seiner Intensität nach den real empfundenen Schmerzen vor der Operation. Dabei scheint sich das Gehirn der Patienten an die vor der Operation durchlebten realen Schmerzen zu erinnern.

Diagnose und Verlauf bei Phantomschmerz

Der Phantomschmerz wird vor allem aufgrund von Patientenbeschreibungen diagnostiziert. Bevor sich der Arzt jedoch auf diese Diagnose festlegt, muss er zunächst organische Ursachen des Schmerzes ausschließen. Sogenannte Stumpfschmerzen kommen nach einer Amputation ebenfalls häufig vor und sind manchmal vom Patienten nur schwer von Phantomschmerzen zu unterscheiden.

Stumpfschmerzen werden oft von durch schlecht sitzenden Prothesen hervor gerufenen Druckstellen, von Entzündungen oder Durchblutungsstörungen ausgelöst. Phantomschmerzen treten meist in Form von Schüben oder Attacken auf. Eher selten werden sie als ständig vorhanden beschrieben.

Die Art des Schmerzes kann sehr unterschiedlich ausfallen: Patienten berichteten von scharfen, brennenden, krampfartigen, stechenden oder auch schneidenden Phantomschmerzen. Auch in Intensität und Dauer unterscheiden sich Phantomschmerzen. Manche Menschen leiden so extrem darunter, dass sie sich das Leben nehmen wollen.

Behandlung von Phantomschmerz

Es gibt keine einheitliche Behandlungsmöglichkeit gegen Phantomschmerzen. Mögliche Therapien müssen individuell auf jeden Patienten abgestimmt werden und sollen dem Gehirn helfen, sich umzuorganisieren. In der Regel wird der Phantomschmerz mit Medikamenten, einer physikalischen oder psychosomatischen Therapie bzw. einer Kombination aus einigen oder mehreren der genannten Möglichkeiten behandelt.

Schwere Fälle von Phantomschmerz werden zunächst mit betäubenden Opiaten, beispielsweise Morphin, behandelt, um den Leidensdruck des Patienten zu mildern. Häufig ist eine Behandlung mit Antidepressiva und / oder Elektrostimulation. Dabei reizt eine unter die Haut gesetzte Elektrode das Rückenmark mit elektrischen Impulsen, die das Gehirn von den Phantomschmerzen ablenken sollen.

Neuere Methoden wie die Spiegeltherapie sowie die Therapie mittels Virtueller Realität scheinen sehr gute Erfolge zu erzielen. Beide Therapien simulieren das amputierte Glied und fordern den Patienten auf, es zu bewegen und so aus seiner schmerzhaften Stellung zu befreien. Auch eine gezielte Ablenkung und anderweitige Beschäftigung des Patienten lässt den Phantomschmerz manchmal verschwinden.

Als nur wenig hilfreich haben sich hingegen Therapien wie Akupunktur, Hypnose, Physiotherapie oder Biofeedback erwiesen. Behandlungsmethoden wie eine Verkürzung des Stumpfes, eine Durchtrennung der sensorischen Nerven im Rückenmark sowie die Entfernung des Thalamus sind mittlerweile nicht mehr gängig. Sie zeigten in der Regel nur wenige oder gar keine Erfolge.

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Vorbeugung von Phantomschmerz

Phantomschmerz kann man nur schwer vorbeugen. In vielen Fällen hat sich jedoch die Gabe von Neuroleptika bzw. Analgetika vor einer geplanten Operation als hilfreich erwiesen. Phantomschmerzen traten anschließend nicht so stark bzw. in manchen Fällen auch überhaupt nicht auf.

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