Prosopagnosie (Gesichtsblindheit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. August 2017
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Menschen, die unter einer Prosopagnosie leiden, sind nicht in der Lage eine ihnen persönlich bekannte Person an deren Gesicht zu erkennen. Im deutschen Sprachgebrauch wird diese Krankheit auch Gesichtsblindheit genannt.

Inhaltsverzeichnis

Definition Prosopagnosie (Gesichtsblindheit)

Man unterscheidet mehrere verschiedene Formen der Prosopagnosie: die apperzeptive, die assoziative und die kongenitale Prosopagnosie. Die kongenitale Form ist eine angeborene Gesichtsblindheit.

Die meisten betroffenen Menschen sind sich über ihre Erkrankung gar nicht bewusst, da sie diesen Zustand für normal halten. Sie können nicht nachvollziehen, dass andere Menschen Gesichter anders wahrnehmen können.

Menschen mit einer apperzeptiven Prosopagnosie sind nicht in der Lage anhand eines Gesichts das Alter der Person einzuschätzen. Auch das Geschlecht der Person können sie aus dem Gesicht nicht ablesen. Außerdem können sie aus den Gesichtszügen nur schwer auf die Emotionen der Person schließen.

Personen, die unter einer assoziativen Prosopagnosie leiden hingegen können beim Betrachten eines Gesichts auf das Alter und das Geschlecht der Person schließen. Eine konkrete Zuordnung, wie das Erkennen prominenter Personen, ist auch ihnen nicht möglich.

Ursachen

Die Ursache der angeborenen Prosopagnosie, also der kongenitalen Form der Gesichtsblindheit, ist noch nicht vollständig geklärt. Als Auslöser könnte eine veränderte Erbinformation in Betracht kommen. Beispielsweise die Mutation eines Gens, das für die Funktion der Gehirnnervenzellen verantwortlich ist.

Bei schwerer Ausprägung der Gesichtsblindheit kann es auch vorkommen, dass eine Unterscheidung zwischen Personen und Gegenständen nicht möglich ist. Hierbei sind oftmals mehrere Hirnbereiche geschädigt. Die angeborene Form der Gesichtsblindheit ist eine vererbbare Störung und geht manchmal mit Autismus oder dem Asperger-Syndrom einher.

Ursächlich für die apperzeptive und die assoziative Prosopagnosie ist eine Schädigung des Gehirns. Diese kann durch eine Erkrankung wie einen Schlaganfall oder auch durch eine traumatische Verletzung eintreten. Der Grad der Schädigung hat hierbei Auswirkungen auf die Ausprägung der Gesichtsblindheit.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Betroffene merken sich keine bekannten Gesichter, auch eigene Kinder werden nur schwer erkannt
  • je nach Ausprägung ist varriiert die Gesichtsblindheit sehr stark
  • manche merken sich Gesichter einfach nur schlecht, andere sehen in Gesichtern nur diffuse Konturen (es kann sogar zur verwechslung zwischen Menschen und Tieren kommen)

Diagnose & Verlauf

Die angeborene Gesichtsblindheit zu diagnostizieren ist in der Praxis nicht einfach. Die betroffenen Personen entwickeln in der Regel automatisch Möglichkeiten die Menschen in ihrem Umfeld an anderen Merkmalen zu erkennen.

Beispielsweise werden eine besondere Frisur, die Kleidung oder auch die Stimme und die Bewegungen einer bestimmten Person zugeordnet. Außenstehenden fällt es hierbei oftmals nicht auf, dass nicht das Gesicht der Person für das Erkennen ausschlaggebend war. Wenn häufige Verwechslungen von bekannten Personen vorkommen, kann dies ein Anzeichen für eine Prosopagnosie sein.

Häufig sehen die Betroffenen ihren Mitmenschen nicht ins Gesicht, weil dies für sie völlig uninteressant erscheint. Der fehlende Blickkontakt eines kleinen Kindes kann aber auch auf andere Erkrankungen wie zum Beispiel Autismus hinweisen und ist kein sicheres Zeichen für eine Gesichtsblindheit.

Bei den durch Unfall, Verletzung oder Krankheit erworbenen Formen der Gesichtsblindheit erkennen die betroffenen Personen und die Bezugspersonen, dass sich die Wahrnehmung und die Fähigkeit der Zuordnung von Personen zu Gesichtern verändert haben.

Komplikationen

Die visuelle Agnosie oder Prosopagnosie ist eine schwere erworbene oder angeborene Symptomatik. Die Betroffenen müssen zeitlebens mit Komplikationen in ihrem Leben rechnen. Problematisch ist bei einer angeborenen Gesichtsblindheit das soziale Miteinander. Die Betroffenen erkennen Menschen, die sie kennen müssten, nicht wieder.

Bei der erworbenen Gesichtsblindheit ist das Erkennen vertrauter Personen unmöglich geworden. Die Betroffenen müssen ihr Gegenüber aufgrund veränderter Strategien zuordnen lernen, sonst droht die soziale Isolation. Das größte Problem ist, dass die Betroffenen für ihre Mitmenschen nicht als gesichtsblind erkennbar sind. Das führt zu zahlreichen Missverständnissen und Komplikationen. Bei der Prosopagnosie können die Betroffenen auch Objekte nicht korrekt zuordnen, obwohl sie oft hochgradig begabt sind.

Bei der schwersten Form der Gesichtsblindheit, der erworbenen apperzeptiven Prosopagnosie, können die Betroffenen nicht einmal Alter oder Geschlecht des Gegenübers richtig zuordnen. Häufig ausgelöst durch schwere Kopfverletzungen, Schlaganfälle oder Hirntumoren, können bei den gesichtsblinden Menschen zusätzliche Komplikationen auftreten. Diese sind durch die vorliegenden Gehirnschäden bedingt.

Je nachdem, welchen Schweregrad die Prosopagnosie hat, kann auch der Schweregrad der möglichen Komplikationen schwanken. Beim schwersten Grad erkennen die Betroffenen nur schemenhafte Formen. So können beispielsweise Parkuhren aufgrund ihrer Form mit Gesichtern verwechselt werden. Sie werden aufgrund ihrer Größe für Kinder oder Jugendliche gehalten. Daraus erwachsen unzählige Probleme.

Behandlung & Therapie

Es gibt keine Therapiemöglichkeit, durch die sich eine Gesichtsblindheit beheben lässt. Betroffene können jedoch bestimmte Strategien erlernen um die Personen in ihrem Umfeld sicher zuordnen zu können. Anleitungen hierzu kann ein Neuropsychologe geben.

Um optimale Ergebnisse zu erreichen, müssen die Fähigkeiten immer wieder trainiert werden. Um Personen zu erkennen, können viele andere Elemente herangezogen werden. Dies können zum Beispiel die Stimme, das Gangbild, die Statur oder die Haltung der Person sein. Auch die Gestik kann einbezogen werden.

Darüber hinaus können Informationen über die Kleidung, die Frisur oder körperliche Besonderheiten, wie beispielsweise Narben hilfreich sein. Auch bestimmte Gegenstände der Person, wie die Uhr, der Schmuck oder die Brille erleichtert das Erkennen. Gesichtsblinde, die diese Fähigkeiten trainieren, sind oft in der Lage bestimmte Personen in der Umgebung zu erkennen, in der sie ihnen im Regelfall begegnen. So können sie beispielsweise ihre Kollegen im Büro auseinander halten.

Treffen sie diese Personen jedoch an einem anderen Ort, wie im Einkaufscenter oder im Restaurant, so dauert das Erkennen deutlich länger oder ist manchmal sogar gar nicht möglich. Menschen mit der angeborenen Form der Prosopagnosie profitieren davon, wenn die Krankheit sehr früh erkannt wird. Eltern und andere Bezugspersonen können dann gezielt das Erlernen der alternativen Zuordnungsmöglichkeiten fördern.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist bei keiner der drei beschriebenen Formen der Prosopagnosie möglich. Es kann lediglich versucht werden, die bekannten Risikofaktoren für Schlaganfälle und andere Krankheiten durch eine gesunde Lebensweise zu minimieren. Vielen Kopfverletzungen kann durch das Tragen von Sturzhelmen vorgebeugt werden.

Bücher über Gesichtsblindheit

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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