Plötzlicher Kindstod

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
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Der plötzliche Kindstod war lange Zeit ein für die Wissenschaft unergründliches Phänomen, an dem jährlich tausende Säuglinge starben. Doch mittlerweile können zumindest Risikofaktoren benannt und Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um das Risiko dieses schrecklichen Ereignisses zu verringern. Dennoch ist der plötzliche Kindstod nach wie vor die häufigste Todesart von Kleinkindern vor Vollendung des ersten Lebensjahres in Deutschland, der jährlich rund 300 Babys zum Opfer fallen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein plötzlicher Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod liegt immer dann vor, wenn ein Säugling ohne vorherige Krankheitszeichen oder ein auffälliges Verhalten völlig überraschend und unerwartet verstirbt und auch eine Autopsie keinerlei Anhaltspunkte für die Todesursache liefern kann.

In der Regel tritt der Tod während der Nacht ein und wird, da das laut- und regungslose Baby von den Eltern als schlafend angesehen wird, erst nach einiger Zeit bemerkt. Nicht als plötzlicher Kindstod bezeichnet werden jene Todesfälle, die zwar überraschend und plötzlich eintreten aber medizinisch erklärbar und nachzuweisen sind, wie ein Herzversagen oder eine schleichende Infektion.

Ursachen

Der plötzliche Kindstod beschäftigt die Medizin seit Jahrzehnten und wirft immer noch mehr Fragen auf, als er Antworten gibt. Jedoch existieren mittlerweile eine Reihe von - wenn auch nicht hundertprozentig belegbarer - Thesen und Vermutungen, die Gründe für das plötzliche Versterben liefern.

Die anerkannteste unter diesen ist die der Erstickung des Kindes durch ein unvermitteltes Aussetzen des natürlichen Atemreflexes. Da dies zumeist während des Schlafes geschieht, wachen die Babys nicht auf und können daher auch keine Warnzeichen von sich geben. Die genauen Ursachen für das Aussetzen der Atmung basieren jedoch weiterhin auf nicht ausreichend belegten Theorien.

So wird z.B. das Schlafen auf dem Bauch als ein erhöhtes Risiko für eine Atemaussetzung genannt. Auch das unfreiwillige, selbst zugefügte Ersticken durch ein Kissen oder eine Decke kommt für viele Mediziner als Todesursache in Frage, da sich die meisten Fälle rund um den 100. Lebenstag ereignen und daher in einer Phase, in der sich die Kinder vermehrt willkürlich und nicht mehr nur rein aus Reflex bewegen und sich dadurch in Kissen oder Decke verfangen können.

Diagnose

Da eine Todesursache im Falle des plötzlichen Kindstodes auch bei einer Autopsie nicht zu ermitteln ist, kann eine Diagnose eigentlich nur durch das Ausschließen aller anderen möglichen Todesursachen eindeutig gestellt werden.

Das bedeutet, dass häufig gleich mehrere Sachverständige, wie der Kinderarzt, ein Pathologe, sowie in manchen Fällen auch der Gerichtsmediziner, da ja auch ein Verbrechen nicht immer ausgeschlossen werden kann, das verstorbene Kind auf allerlei mögliche Todesursachen untersuchen müssen.

Erst nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen und auch die medizinische Vorgeschichte des Babys gründlich durchleuchtet wurde, wird der plötzliche Kindstod als offizielle Todesursache angegeben.

Komplikationen

Der plötzliche Kindstod hinterlässt bei den Angehörigen des verstorbenen Kindes - allen voran bei den Eltern - emotionale Wunden, die Komplikationen mit sich führen können. So führen die Schockreaktionen und die entstehenden Depressionen nicht selten zu Arbeitsunfähigkeit, unüberlegten Übersprungshandlungen oder führen in eine Drogensucht oder ähnliches, wenn Betroffene mit ihrem Schock allein gelassen werden.

Es hat sich in Studien gezeigt, dass der plötzliche Kindstod das Risiko für einen selbst verschuldeten Tod bei betroffene Eltern steigert. Die Selbsttötungsrate vervierfacht sich bei den Müttern binnen der ersten Jahre nach dem Ereignis. Bei Vätern wurden ein erhöhtes Unfallrisiko und eine erhöhte Bereitschaft zur Selbsttötung festgestellt.

Zudem ist Lebenserwartung von Eltern, die einen plötzlichen Kindstod durchlebt haben, im Durchschnitt verringert. Das Risiko für diverse Krankheiten ist gesteigert. Darunter fallen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die noch einmal Folgeschäden und Komplikationen nach sich ziehen.

Dadurch, dass die Ursache des plötzlichen Kindstodes häufig unklar bleibt, ergibt sich eine lebenslange Belastung für die Eltern. Wird das Ereignis nicht verarbeitet - durch psychologische Maßnahmen und Therapien - manifestiert sich die Suche nach der Begründung oder einem vermeintlichen Sinn des Vorfalls psychisch. Dies kann zu einer sehr limitierten Erlebniswelt führen, weil alle Ressourcen auf die Gedanken rund um das verstorbene Kind aufgewendet werden. Dadurch werden soziale Gefüge, Beruf und persönliche Interessen vernachlässigt.

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Vorbeugung

Da neben der nächtlichen Bauchlage des Säuglings sowie dem Verfangen in Kissen und Decken auch das Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko eines plötzlichen Kindstods, laut Studien, um ein Vielfaches erhöht, raten Experten streng davon ab.

Um eine Bauchlage des Kindes zu vermeiden, sollte darauf Acht gegeben werden, dass es abends auf dem Rücken liegend einschläft. Die Bauchlage sollte dem Kind dennoch nicht völlig abtrainiert, sondern im Gegenteil, bezüglich des richtigen Liegens auf dem Bauch, geübt werden, da es bei einer unwillkürlichen Drehung auf den Bauch sonst zu Komplikationen kommen kann.

Zusätzlich wird die Verwendung eines speziellen Schlafsacks für Kleinkinder empfohlen, der gänzlich ohne frei herumliegende Kissen und Decken auskommt. Ferner hat auch das Stillen einen positiven Effekt auf das Baby und kann das Risiko für den plötzlichen Kindstod ebenfalls leicht herabsetzen.

Durch die neu gewonnenen Erkenntnisse der Forschung und Empirie können heute schon viele Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod erkannt und durch richtiges Verhalten minimiert werden. Dennoch lässt die Aufklärung, vor allem junger Mütter, über derlei Risiken und Methoden der Vorbeugung in Deutschland nach wie vor zu wünschen übrig.

Bücher über plötzlichen Kindstod

Quellen

  • Eppinger, M., Müller, M., et al.: Pädiatrie. Für Studium und Praxis. 2013/14. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013
  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011

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