Zytomegalie (Einschlusskörperchenkrankheit)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Die Zytomegalie, auch Einschlusskörperchenkrankheit genannt, wird durch das Humane-Zytomegalie-Virus, auch HZMV genannt, übertragen. Dieser Virus, zugehörig zur Familie der Herpesviren, verbleibt im Anschluss an eine Infektion lebenslang im menschlichen Körper.

Inhaltsverzeichnis

Definition Zytomegalie (Einschlusskörperchenkrankheit)

Eine Infektion mit Zytomegalie verläuft normalerweise vom Betroffenen unbemerkt, da die Krankheitssymptome vielfältiger Natur sind und auch durch die verschiedensten anderen Erkrankungen ausgelöst werden können.

Es wird sogar davon ausgegangen, dass 50 bis 60 Prozent der gesunden Europäer Träger dieser Krankheit sind. In Entwicklungsländern ist diese Zahl sogar noch deutlich höher.

Eine Infektion mit Zytomegalie ist lediglich bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder Neugeborenen problematisch. Dabei kann der Virus bereits im Mutterleib von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Die Mehrzahl der infizierten Neugeborenen kommen zwar gesund auf die Welt, es kann jedoch auch zu schwerwiegenden Erkrankungen kommen.

Aufgrund der hohen Dunkelziffer der Erkrankungen an Zytomegalie ist die genaue Inkubationszeit nicht bekannt. Es wird geschätzt, dass sie zwischen einem bis zu drei Monaten dauert.

Ursachen

Zytomegalie wird durch die Zytomegalie-Viren ausgelöst und gehört zu den Herpesviren. Träger des Virus können es auf die verschiedensten Tierarten und den Menschen übertragen. Hierzu gehört: Geschlechtsverkehr, Urin, Speichel, Blut und dessen Bestandteile.

Aber auch über Bluttransfusionen und Organtransplantationen kann eine Zytomegalie übertragen werden. Da Patienten, die eine Transfusion oder Transplantation benötigen, meist schwer erkrankt sind, kann eine Infektion mit Zytomegalie für sie schwerwiegende Folgen haben.

Auch ist es möglich, dass eine bestehende Infektion mit Zytomegalie erst durch eine Organtransplantation zu wahrnehmbareren Beschwerden führt. In solchen Fällen kommt es häufig zur Abstoßung des transplantierten Organs.

Diagnose & Verlauf

Der Verlauf einer Zytomegalie-Infektion kann sehr unterschiedlich sein. Gesunde Erwachsene haben zumeist keinerlei Symptome. Wenige bekommen geschwollene Lymphknoten wenn sie an Zytomegalie erkrankt sind. Auch ist es möglich, dass sich der Betroffene wochenlang erschöpft und müde fühlt.

Bei immungeschwächten Personen, beispielsweise durch eine Organtransplantation oder AIDS, kann Zytomegalie jedoch zu schweren Symptomen und Beschwerden führen. Dies können Hepatitis, Fieber, Blutgerinnungsstörungen, Lungenentzündungen oder einige Arten von Augenentzündungen sein.

Des Weiteren verfügt der Betroffene über deutlich weniger Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blut. In besonders schlimmen Fällen kann Zytomegalie bei solchen Personen auch auf das Gehirn übergehen und dort eine Gehirnentzündung, auch Enzephalitis genannt, verursachen.

Die durch Zytomegalie verursachten Augenentzündungen führen oft zu einer verminderten Sehschärfe und verschwommenen Sehen, verursacht durch eine Entzündung der Netzhaut.

Weiterhin ist es möglich, dass Zytomegalie eine Entzündung der Magenschleimhaut oder der Speiseröhre verursacht. In einem solchen Fall äußert sich die Zytomegalie-Infektion durch Bauchschmerzen, Schluckbeschwerden oder einem brennenden Gefühl hinter dem Brustbein.

Bei Neugeborenen kann Zytomegalie zu Fehlbildungen, Blutarmut, Sehstörungen, Behinderungen, Taubheit[ oder Lungenentzündungen führen. Ebenso kann Zytomegalie eine Frühgeburt auslösen.

Die Diagnose von Zytomegalie ist aufgrund der vielfältigen Symptome nicht ganz einfach, denn auch viele andere Virus- oder Bakterienerkrankungen können ähnliche Beschwerden hervorrufen.

Eine mögliche Art der Diagnostik für eine Zytomegalie-Infektion ist die Ausschlussdiagnostik, die alle anderen Krankheiten ausschließt. Blut- oder Gewebeuntersuchungen können jedoch helfen, den Verdacht einer Zytomegalie-Infektion zu erhärten. Dabei ist es sogar zum Teil möglich, die Zytomegalie-Viren im Urin, Gewebe oder Blut nachzuweisen.

Komplikationen

Die Einschlusskörperchenkrankheit kann zu einer Reihe verschiedener Beschwerden und Komplikationen führen. Die Betroffenen selbst fühlen sich bei dieser Erkrankung sehr müde und abgeschlagen und nehmen daher nicht mehr aktiv am Alltag teil. Auch die Lymphknoten sind dabei in der Regel angeschwollen und die Betroffenen leiden an Fieber oder an verschiedenen Entzündungen.

Dabei kann es auch zu einer Entzündung in der Lunge oder im Auge kommen. Auch eine verringerte Sehschärfe kann durch die Einschlusskörperchenkrankheit auftreten und sich sehr negativ auf den Alltag und die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Die meisten Patienten leiden dabei ohne Behandlung auch an einer Entzündung der Magenschleimhaut und damit auch an starken Bauchschmerzen.

Weiterhin kann die Erkrankung auch zu Schluckbeschwerden und damit zu Schwierigkeiten bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten führen. Im schlimmsten Falle kommt es durch die Krankheit zu schweren Behinderungen oder zu einer Taubheit. Durch die Frühgeburt kann das Kind auch versterben.

Die Behandlung der Einschlusskörperchenkrankheit erfolgt in der Regel ohne Komplikationen mit Hilfe von Medikamenten. Die meisten Beschwerden werden dadurch eingeschränkt. Falls die Erkrankung frühzeitig erkannt wird, kommt es in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf.

Behandlung & Therapie

Bei Personen mit einem intakten Immunsystem, die an Zytomegalie erkranken, ist normalerweise keine besondere Therapie möglich. Die Erkrankung heilt selbstständig aus, der Virus verbleibt jedoch im Körper. Die Zytomegalie-Infektion kann daher jederzeit wieder ausbrechen, sobald das erneut Immunsystem geschwächt ist.

Bei Patienten, die über eine Immunschwäche verfügen, muss jedoch eine spezielle Therapie erfolgen. Für diese Therapie werden Virostatika wie Foscarnet, Valganciclovir oder Ganciclovir eingesetzt.

Wird Zytomegalie bei schwangeren Frauen diagnostiziert, werden ihnen Antikörper gegen den Zytomegalie-Virus verabreicht.

Bei leichteren Verläufen kann bei einer Erkrankung an Zytomegalie eine Behandlung der auftretenden Symptome ausreichend sein. Eine hinzukommende bakterielle Infektion sollte jedoch umgehend mit Antibiotika behandelt werden, damit sich die Zytomegalie-Erkrankung nicht verschlimmert.

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Vorbeugung

Eine vorbeugende Impfung gegen Zytomegalie gibt es noch nicht, wird jedoch derzeit entwickelt. Bei Organtransplantationen kann durch die Gabe von bestimmter Virostatika einer Infektion mit Zytomegalie vorgebeugt werden.

Schwangere Frauen können versuchen, durch besondere Vorsichtmaßnahmen einer Zytomegalie-Infektion vorzubeugen. Hierzu können Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen ebenso gehören wie das Vermeiden von ansteckenden Situationen oder Personengruppen. Schwangere Erzieherinnen sollten während der Schwangerschaft auf das Wickeln von andere Kindern verzichten.

Bücher über Infektionskrankheiten

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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