Zwischenhirn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Das Zwischenhirn, auch Diencephalon genannt, ist eines der fünf wichtigsten Hauptabschnitte des Gehirns. Es arbeitet eng mit dem Großhirn (Endhirn) zusammen und bildet mit diesem das sogenannte Vorderhirn. Das Diencephalon ist wiederum in fünf weitere Strukturen eingeteilt, welche vielfältige Funktionen übernehmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Zwischenhirn?

Der Name Zwischenhirn ergibt sich bereits aus dessen Lage im Gehirn. Es befindet sich im Zentrum des Hirns zwischen dem Großhirn und dem Hirnstamm. Scheitelwärts schließt sich das Mittelhirn an. Innerhalb des Diencephalons ist der 3. Ventrikel, ein mit Hirnflüssigkeit gefüllter Hohlraum, zu finden.

Neben dem Endhirn (Telencephalon), dem Mittelhirn (Mesencephalon), dem Hinterhirn (Metencephalon) und dem Nachhirn (Myelencephalon) ist es eins der fünf großen Hauptabschnitte des Gehirns. Funktionell untrennbar ist es mit dem Endhirn verbunden. Dabei ist das Diencephalon verantwortlich für die Sinnesempfindungen Sehen, Riechen und Hören.

Des Weiteren enthält es auch die Zentren für die Oberflächensensibilität, die Tiefensensibilität und die seelische Empfindung. Das Zwischenhirn stellt die Schaltstelle zwischen dem vegetativen Nervensystem und dem Hormonsystem dar.

Anatomie & Aufbau

Das Zwischenhirn befindet sich zwischen dem Endhirn und dem Hirnstamm. Zusammen mit dem Endhirn bildet es das sogenannte Vorderhirn (Prosencephalon). Bei der embryonalen Hirnentwicklung entsteht aus einem primären Hirnbläschen zunächst das Prosencephalon, aus dem sich dann unter Ausbildung zweier sekundärer Hirnbläschen sowohl das Großhirn als auch das Zwischenhirn ausbildet.

Diese Tatsache deutet bereits auf die enge funktionelle Zusammengehörigkeit beider Hirnbereiche hin. Der Hirnstamm wiederum besteht aus Mittelhirn, Brücke (Pons) und verlängertem Rückenmark, Medulla oblongata oder Nachhirn. Mit dem Hirnstamm ist das Zwischenhirn über das Mittelhirn verbunden. Das für die Motorik verantwortliche Kleinhirn grenzt zwar nicht direkt an das Diencephalon, bildet jedoch über sogenannte Efferenzen faserige Verbindungen zum Thalamus sowie ein diffuses Neuronennetzwerk über den Hirnstamm auch zum Zwischenhirn aus.

Somit kann das Zwischenhirn als zentrale Schaltstelle fungieren. Dazu ist es in fünf strukturelle Zentren eingeteilt, die ihrerseits unterschiedliche Funktionen zu erfüllen haben. Zu den Strukturen des Zwischenhirns gehören Thalamus, Hypothalamus, Epithalamus mit Epiphyse, der Subthalamus und der Metathalamus.

Funktion & Aufgaben

Das Zwischenhirn erfüllt viele wichtige Aufgaben des vegetativen Nervensystems. Es ist verantwortlich für das Gleichgewicht zwischen dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Außerdem steuert es den Biorhythmus. Das geschieht immer in enger Zusammenarbeit mit dem Großhirn. Als zentrale Schaltzentrale leitet das Diencephalon die Signale vom Stammhirn weiter an das Endhirn.

Die Koordination der verschiedenen Funktionen ist möglich durch das Zusammenwirken der fünf unterschiedlichen strukturellen Bereiche Thalamus, Hypothalamus, Epithalamus, Subthalamus und Metathalamus. Der Thalamus stellt den größten Teil des Zwischenhirns dar. Er besteht wiederum aus vielen Kerngebieten, die jeweils mit der Großhirnrinde verbunden sind.

Über die Kerngebiete des Thalamus werden Informationen und Signale aus dem Körper an das Großhirn weitergeleitet, wo diese aufbereitet und zu bewussten Sinneseindrücken weiterverarbeitet werden. Deshalb wird das Zwischenhirn auch als Tor zum Bewusstsein bezeichnet. So werden sowohl sensible Reize, wie Tasten oder Schmerz, als auch sensorische Reize, wie Riechen, Schmecken, Sehen oder Hören, verarbeitet.

Der Thalamus hat jedoch auch eine Filterfunktion, um wichtige von unwichtigen Reizen zu trennen. Das ist erforderlich, um den Körper vor einer Reizüberflutung zu schützen. Über einen weiteren Bereich des Zwischenhirns, dem Subthalamus, wird die Steuerung der Grobmotorik gewährleistet. Zur Feinabstimmung ist der Subthalamus noch in einen Motorik fördernden und motorikhemmenden Bereich eingeteilt.

Zum Epithalamus gehört unter anderem die Zirbeldrüse, welche eine Zwischenstellung zwischen endokrinem Nervensystem und endokrinem Organ darstellt. Die Zirbeldrüse bildet das Hormon Melatonin und ist verantwortlich für den Biorhythmus des Organismus. Der Epithalamus besitzt jedoch auch noch wichtige Funktionen hinsichtlich der olfaktorischen und optischen Sinneseindrücke. Der Metathalamus beeinflusst die Sehfunktion und steuert unter anderem die Wahrnehmung der Objekte.

Besonders wichtige Funktionen übt der Hypothalamus aus. Er fungiert als Steuerungszentrum des vegetativen Nervensystems. Dabei reguliert er die Körpertemperatur, den Blutdruck, die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, den Schlaf sowie das Sexualverhalten. Aufgrund der Verbindung des Hypothalamus zur Hypophyse steuert er auch das endokrine System des Organismus. Deshalb fungiert das Zwischenhirn auch als Mittler zwischen vegetativem Nervensystem und Hormonsystem.

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Erkrankungen & Beschwerden

Aufgrund der Vielfalt der Aufgaben des Zwischenhirns können bei dessen Störung auch unterschiedliche Erkrankungen resultieren. Folgen von Erkrankungen im Diencephalon sind unter anderem Schlafstörungen, Störungen des Biorhythmus, Erkrankungen des vegetativen Nervensystems oder auch hormonelle Erkrankungen.

So tritt bei Schädigung des Thalamus das sogenannte Thalamussyndrom auf. Symptome dieses Syndroms sind zentraler Schmerz und neurologische Ausfallerscheinungen. Es treten Lähmungen einer Körperseite, Überempfindlichkeit für Berührungsreize, Taubheitsgefühle und manchmal Steigerung der Reflexe auf.

Ursache ist hier oft ein Schlaganfall, der das entsprechende Hirnareal betrifft. Der Hypothalamus wiederum steuert über die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) das Hormonsystem. Bei Erkrankungen des Hypothalamus kommt es daher häufig zu Störungen in der Hormonproduktion oder der Regulierung im Hormonsystem. Viele hormonbedingte Erkrankungen haben hier ihren Ausgangspunkt. So werden entweder zu viel oder zu wenig Hormone gebildet.

Die jeweilig auftretende Erkrankung wird oft nach dem betreffenden Hormon benannt. Je nachdem, welches Hormon betroffen ist, kann es zu Schlafstörungen, Störungen des Wasserhaushaltes, Wachstumsstörungen, Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse sowie sogar zu hormonbedingtem Prostatakrebs kommen. Viele Störungen oder Schädigungen im Zwischenhirn sind jedoch nur Teilaspekte von weit umfassenderen Krankheitsprozessen.

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