Zwergbandwurm (Hymenolepis nana)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Der Zwergbandwurm ist weltweit verbreitet. Infektionen treten vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, aber auch in gemäßigten Klimazonen auf. Es wird eine Infektionsrate von 75 Millionen Menschen weltweit geschätzt, wobei Kinder besonders gefährdet sind. Der Befall mit dem Zwergbandwurm verläuft infektartig und kann Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Zwergbandwurm?

Der Zwergbandwurm zählt zur Gattung der Bandwürmer (Cestoden). Er wird nur vier bis sechs Centimeter lang und einen Centimeter breit. Wie alle Bandwurmarten siedelt der Zwergbandwurm parasitär im Darm.

Er nimmt Nahrung osmotisch über die Haut auf. Der Kopf des Zwergbandwurms ist mit Saugnäpfen oder Haken ausgestattet und dient lediglich zum Festhaften an der Darmwand.

Die Glieder des Zwergbandwurms (Proglottiden) sind weniger stark ausgeprägt, als bei seinen großen Verwandten. Da alle Entwicklungsstufen vom Ei bis zum Wurm in einem Wirt ablaufen können, braucht der Zwergbandwurm im Gegensatz zu anderen Bandwurmarten nicht zwingend einen Zwischenwirt.

Ursachen

Der Zwergbandwurm wird vor allem durch verunreinigte Lebensmittel oder Wasser verbreitet. Durch mangelnde Hygiene aber auch durch die Tatsache, dass der Zwergbandwurm keinen Zwischenwirt braucht, ist eine ständige Selbstinfektion möglich, wenn einmal befruchtete Eier aufgenommen wurden.

Am häufigsten betroffen sind Kinder, die sich meist über Schmierinfektion mit dem Zwergbandwurm anstecken. Weniger verbreitet ist die Übertragung durch Nagetiere oder Insekten als Zwischenwirte.

Insekten können das befruchtete Ei durch Verzehr von Tierkot (z.B. Nagetieren) aufnehmen. Die Larve des Zwergbandwurms macht das Insekt unfruchtbar, damit sein Energievorrat allein für die Entwicklung der Larve verwendet wird. Infizierte Insekten können den Zwergbandwurm an Haustiere, aber auch Menschen weitergeben.

Typische Symptome & Anzeichen

Meist sind keine typischen Beschwerden zu erkennen. Nur bei starken Befall können uncharkateristische Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Dazu gehören:

Diagnose & Verlauf

Bandwürmer leben als Parasiten im Darm des Menschen oder anderer Wirbeltiere. Es gibt viele verschiedene Bandwurmarten. Jede Art kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, wobei nur weniger Arten für den Menschen zur Gefahr werden könne. Im Bild, der Kopf eines Bandwurmes. Klicken, um zu vergrößern.

Bei Befall mit dem Zwergbandwurm treten oft keine Beschwerden auf. Eventuell kommt es zu leichten Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Magenkrämpfe, Gasentwicklung, Durchfall), die aber meist zu gering sind, um eine genaue Diagnose zu rechtfertigen.

Für einen expliziten Nachweis des Zwergbandwurms muss eine Stuhlprobe in einem Parasitologie-Labor mikroskopisch untersucht werden. Bei sehr ausgeprägten Befall mit dem Zwergbandwurm kann es zum Gewebeschwund der Darmzotten kommen, der eine Darmentzündung mit sich bringt.

In vereinzelten Fällen können sich auch einzelne Glieder (Proglottiden) vom Zwergbandwurm lösen und mit bloßem Auge auf dem Stuhl sichtbar sein. Diese enthalten infektiöse Eier und sollten auf keinen Fall berührt werden. Sie sind bis zu zehn Tage an der Luft überlebensfähig.

Komplikationen

In der Regel treten beim Zwergbandwurm nur dann Kompilationen auf, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung kommt es allerdings stets zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne Komplikationen. Die Betroffenen leiden bei dieser Erkrankung in erster Linie an sehr starken Bauchschmerzen und ebenso auch an Durchfall.

Durch den starken Durchfall kann es zu einer Dehydration und weiterhin zu einem Verlust an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen kommen. Sollten diese nicht wieder anderweitig aufgenommen werden, so können auch Mangelerscheinungen auftreten. Im weiteren Verlauf führt der Zwergbandwurm zu einer Entzündung des Darmes, welche schwerwiegende Folgen für den Betroffenen haben kann.

Es kommt zu einer Übelkeit und zu starken Magenkrämpfen, wobei es auch häufig zu Flatulenzen kommt. Diese sind besonders unangenehm und können sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirken. Der Zwergbandwurm wird in der Regel mit Hilfe von Medikamenten behandelt.

Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf, wobei es bei der Behandlung zu starken Bauchschmerzen und zu Schwindelgefühlen kommen kann. Nach ungefähr sieben Tagen ist die Erkrankung in den meisten Fällen besiegt. Der Zwergbandwurm kann allerdings auch erneut auftreten, wobei dann eine erneute Behandlung notwendig ist.

Behandlung & Therapie

Eine Infektion mit dem Zwergbandwurm wird mit einer 7-Tage-Kur behandelt. Das Medikament wird dabei einmal am Tag nach dem Frühstück eingenommen. Dabei ist es wichtig, die Tabletten sehr gut durchzukauen und erst dann herunterzuschlucken.

Da sich der Zwergbandwurm unter einer Schleimschicht geschützt aufhält, ist es empfehlenswert, die Therapie durch saure Fruchtsäfte zu unterstützen, damit die Schicht durchlässiger wird und das Medikament besser wirken kann. Des Weiteren ist es für eine erfolgreiche Therapie notwendig etwaige bestehende Verstopfungen vor der Therapie zu beseitigen.

Nach der Kur wird der Zwergbandwurm über den Stuhl in mehreren Teilen ausgeschieden. Die Ausscheidung kann durch die Einnahme von abführenden Getränken, wie Glaubersalzlösung, beschleunigt werden. Als Begleiterscheinungen der Zwergbandwurm-Therapie können leicht ausgeprägte Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten.

Es kommt auch vor, dass der Zwergbandwurm mit zunehmendem Alter von allein verschwindet. Eine solche Spontanheilung kann jedoch nicht garantiert werden. Schwangere sollten von einer Therapie absehen und sie bei sehr starken Befall nur nach genauer Absprache mit dem Arzt durchführen.

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Vorbeugung

Um einer Infektion mit dem Zwergbandwurm vorzubeugen sollte auf genaue Hygiene geachtet werden. Vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten ist besondere Konsequenz notwendig: regelmäßiges Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen, die Hygieneverhältnisse bei der Zubereitung von Speisen prüfen und kein ungewaschenes Obst und Gemüse essen.

Zum Essen möglichst Besteck verwenden. Die Hände nicht an den Mund führen. Kotabfälle aus Tierkäfigen sollten nicht auf dem Kompost, sondern über den Hausmüll entsorgt werden. Werden diese Maßnahmen beachtet, ist die Gefahr einer Ansteckung mit dem Zwergbandwurm gering.

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Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Wenk, P., Renz, A.: Parasitologie. Thieme, Stuttgart 2003

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