Zidovudin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Zidovudin heißt chemisch Azidothymidin und ist als solches ein Derivat des Nukleosids Thymidin. Pharmakologisch betrachtet gehört es zu den Reverse-Transkriptase-Inhibitoren und ist als solcher wirksam gegen die intrazelluläre Vermehrung von HIV. Es wird vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline vertrieben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zidovudin?

Die Wege der Wissenschaft sind manchmal unergründlich: In den 60er Jahren machten sich amerikanische Forscher an die Arbeit, ein neues Mittel gegen Krebs zu erfinden - heraus kam ein gut wirksames Medikament gegen AIDS.

Zidovudin gehört heute zusammen mit anderen Wirkstoffen zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion.

Pharmakologische Wirkung

Die pharmakologische Wirkung von Zidovudin beruht auf einer Hemmung der nukleosidischen Reversen Transkriptase, eines Enzyms, welches HI-Viren für ihre Vermehrung und Pathogenität unbedingt benötigen.

Das Human Immunodeficiency Virus (HIV), welches die Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) hervorruft, gehört zu den sogenannten Retroviren. Es verwendet als Erbgut RNA, nicht DNA, wie dies bei vielen anderen Lebensformen, zum Beispiel dem Menschen, der Fall ist. Damit HIV sich nun in die menschliche Zelle integrieren und, wie dies bei Viren üblich ist, diese dazu bringen kann, sein Erbgut zu vervielfältigen und ihm so bei der Vermehrung zu helfen, benötigt es die Reverse Transkriptase:

Sie schreibt Virus-RNA in DNA um (normalerweise geschieht dies in der Biologie andersherum, daher in diesem Fall die Bezeichnung "revers"), diese wird dann in den ganz normalen Ablauf des Zellstoffwechsels integriert und benutzt, um neue Proteine und somit neue Viren abzulesen und anzufertigen.

Zidovudin wird intrazellulär in seine wirksame Form Zidovudin-Triphosphat umgewandelt und hat dann eine hohe Affinität zur reversen Transkriptase der Retroviren, einschließlich HIV-1 und HIV-2. Man muss jedoch bedenken, dass auch andere Transkriptasen, die im normalen Zellstoffwechsel ihre Arbeit erfüllen, von dem Medikament mit geringerer Affinität blockiert werden, was für einen Großteil der Nebenwirkungen verantwortlich ist.

Als Antimetabolit wird Zidovudin-Triphosphat anstelle eines Thymidin-Bausteines in die DNA des Provirus eingebaut und blockiert an dieser Stelle die weitere Produktion. Die beteiligte reverse Transkriptase wird blockiert. Zidovudin hemmt auf diese Weise aber nur die neu in eine Wirtszelle penetrierenden HI-Viren - was bereits in das Zellgenom integriert ist, bleibt dagegen unbeeinflusst. Daher muss das Mittel auch stets in Kombination mit anderen verwendet werden, um die Virusinfektion wirklich umfassend angreifen zu können.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zidovudin gehört heute zusammen mit anderen Wirkstoffen zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion.

Die Anwendung von Zidovudin findet meist im Rahmen einer breit angelegten HIV-Therapie, der sogenannten HAART (Highly active anti-retroviral therapy), statt.

Nach etwa sechsmonatiger alleiniger Zidovudintherapie kommt es nämlich meist zu einer Resistenzentwicklung seitens der HI-Viren, welche in mehreren Schritten mutieren und ihre reverse Transkriptase gegen das Medikament unempfindlich werden lassen. In Kombination mit anderen Medikamenten ist diese Resistenzentwicklung für die Viren stark erschwert, da sie von mehreren Seiten gleichzeitig angegriffen werden.

Verwendet wird meist eine Dreifach-Kombination, meist zwei nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren mit einem nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer oder mit einem Proteasehemmer.

Die Therapie muss engmaschig überwacht werden, vor allem die Viruslast und die CD4-Zellzahl sind wichtige Marker für den direkten Erfolg der Therapie. Ursprünglich wurde eine solche Behandlung erst beim Vollbild der Krankheit AIDS lanciert, heutzutage neigt man mehr und mehr dazu, die Therapie schon in früheren Infektionsstadien zu beginnen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Zidovudin hat einige Nebenwirkungen, die während einer lang dauernden Therapie auftreten können.

Die Tatsache, dass es ursprünglich als Chemotherapeutikum gegen Krebstumoren entwickelt werden sollte, zeigt bereits, dass einige Nebenwirkungen mit denen einer Chemotherapie übereinstimmen müssen: Eine Schädigung des Knochenmarks gehört hier dazu, welche sich schon zwei bis vier Wochen nach Therapiebeginn in einer Anämie und meist ab der sechsten bis achten Woche als Neutropenie, also Abfall der weißen Blutkörperchen, äußern kann.

Neurotoxische Wirkungen umfassen zum Beispiel Kopfschmerzen (bei 50 Prozent der Behandelten), Schlaflosigkeit und psychische Veränderungen. Bei Langzeittherapie kann es zudem zu Muskelschmerzen kommen. Gastrointestinale Störungen, Fieber und Hautausschlag können ebenso vorkommen.

Einige Wechselwirkungen sind zudem zu bedenken, unter anderem können ASS (Aspirin) und Morphin den Abbau von Zidovudin in der Leber behindern und damit für erhöhte Wirkstoffkonzentrationen sorgen. Andere zytotoxische oder knochenmarksunterdrückende Medikamente verschärfen natürlich die Nebenwirkungen des Zidovudin.

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