Ziconotid

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016
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Als Ziconotid wird ein Analgetikum bezeichnet. Das Mittel dient zur Behandlung von starken chronischen Schmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ziconotid?

Unter dem Wirkstoff Ziconotid wird ein Polypeptid verstanden, das als Schmerzmittel unter dem Handelsnamen Prialt® zur Anwendung kommt. Das Mittel entstammt ursprünglich dem Gift der Meeresschnecke Conus magus. Die Medizin greift jedoch auf einen synthetischen Nachbau des natürlichen Stoffes zurück.

Auf den Markt gelangte Ziconotid im Jahr 2001 zur Behandlung von seltenen Leiden. Seit 2005 ist der Wirkstoff unter der Bezeichnung Prialt in Europa zugelassen. In seiner Anfangsphase wurde Ziconotid als eventueller Ersatz für Morphin betrachtet. Seit 2010 steht der Arzneistoff jedoch zur Diskussion, aufgrund einer höheren Suizidgefahr, die sich auf mehrere Einzelfälle bezieht.

Pharmakologische Wirkung

Ziconotid gehört nicht zu den Opioiden und führt auch keine Interaktionen mit Opiat-Rezeptoren durch. Die Wirkung des Aminosäuren-Peptids beruht stattdessen darauf, dass es als Antagonist an Calciumkanälen des N-Typs wirkt, die spannungsabhängig sind. Diese kommen in hoher Dichte in speziellen neuronalen Zellen innerhalb des Rückenmarkhinterhorns vor.

An diesen Stellen nehmen die NCCB-Kanäle, wie sie auch genannt werden, die Regulation der Freisetzung von Botenstoffen vor, die Anteil an der Verarbeitung von Schmerzen haben. Durch das Binden der Kalziumkanäle kann Ziconotid den Einstrom von Kalzium in Richtung nozizeptive afferente Nerven bremsen. Aufgrund der Blockade der N-Typ-Calciumkanäle wird das Weiterleiten der Schmerzsignale schließlich unterbrochen. Darüber hinaus entfaltet Ziconotid eine neuroprotektive Wirkung.

Aus chemischer Sicht stellt Ziconotid das Omega-Conopeptid MVIIA dar. Dabei handelt es sich um ein kleines Eiweiß-Molekül, das sich aus 25 Aminosäuren zusammensetzt. Zur Einnahme in Tablettenform ist der Wirkstoff nicht geeignet, da es im Magen-Darm-Bereich zur Spaltung des Eiweiß-Moleküls durch die Verdauungsenzyme käme. Den Zielort im Rückenmark könnte Ziconotid daher gar nicht erreichen.

Aus diesem Grund wird der Wirkstoff dem Körper ausschließlich per Dauerinfusion in den Rückenmarkskanal zugeführt. Dabei kommt das Mittel als Acetat via mechanischer Schmerzpumpe zur Anwendung. Es ist auch eine Kombination aus Ziconotid und Relaxantien mit zentraler Wirkung, lokalen Anästhetika sowie Opioiden möglich.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Als Ziconotid wird ein Analgetikum bezeichnet. Das Mittel dient zur Behandlung von starken chronischen Schmerzen. Die Darreichung von Ziconotid erfolgt mithilfe eines intrathekalen Katheters.

Obwohl Ziconotid zu den nicht-opioiden Schmerzmitteln gehört, eignet es sich zur Therapie von ausgeprägten chronischen Schmerzen. Allerdings beschränkt sich die Darreichung auf Menschen, bei denen eine intrathekale Anästhesie erforderlich ist. Bei diesem Verfahren wird das Schmerzmittel unmittelbar in den Rückenmarkskanal, der durch mehrere Wirbel verläuft, verabreicht.

In den meisten Fällen sind Patienten von einer Ziconotid-Therapie betroffen, bei denen opioide Präparate zur Behandlung nicht ausreichen oder eine Unverträglichkeit gegen sie besteht. Im Unterschied zu anderen nicht-opioiden Schmerzmitteln eignet sich Ziconotid auch zur Therapie von schweren Schmerzen.

Die Darreichung von Ziconotid erfolgt mithilfe eines intrathekalen Katheters. Wichtig ist, das Arzneimittel bei Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad Celsius aufzubewahren, wobei es keinen Minustemperaturen ausgesetzt werden darf. Außerdem muss das Präparat vor Licht geschützt werden.

Die Dosis von Ziconotid liegt bei Behandlungsbeginn bei 2,4 µg pro Tag. Im weiteren Verlauf steigert sich die Dosierung auf das erforderliche Maß. Dabei erreicht die empfohlene maximale Menge 21,6 µg am Tag. In den meisten Fällen gilt eine Dosis von 9,6 µg als ausreichend.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die Einnahme von Ziconotid kann mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein. Besonders häufig zeigen sich Schwächegefühle, Übelkeit, Erbrechen, Gangstörungen, verschwommenes Sehen und Verwirrung. Nicht selten kommt es auch zu unerwünschten Nebeneffekten wie Appetitlosigkeit, Schlafproblemen, Stimmungsschwankungen, Nervosität, das Sehen von Doppelbildern, das Hören von Geräuschen, Angstzuständen, Denkstörungen, Verfolgungswahn, Harninkontinenz, Harnverhalt, Muskelschmerzen, Wasseransammlungen im Körpergewebe, Schmerzen in der Brust, Gefühle der Kälte, die Abnahme von Gewicht, Atembeschwerden, starkes Schwitzen, Juckreiz, niedriger Blutdruck, Mundtrockenheit, Ohrensausen, Fieber und Depressionen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen, die jedoch eher selten auftreten, sind Bewusstlosigkeit, Gehprobleme, Ausschläge auf der Haut, Schmerzen im Nacken, Rückenbeschwerden, erhöhte Körpertemperatur, Krämpfe, akutes Nierenversagen oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Sogar ein Schlaganfall sowie eine Blutvergiftung sind im Bereich des Möglichen.

Es wird vermutet, dass zwischen der Einnahme von Ziconotid und Selbstmordversuchen ein Zusammenhang besteht. Daher sollte im Vorfeld der Behandlung eine gründliche Untersuchung des Arztes erfolgen. Ebenso ist eine konsequente Überwachung durch die Angehörigen zu empfehlen.

Leidet der Patient unter einer Überempfindlichkeit gegen Ziconotid, darf der Wirkstoff nicht zur Anwendung gelangen. Auch von einer Kombination mit Chemotherapeutika ist abzusehen. Dabei handelt es sich um Krebsmittel und verschiedene Antibiotika, sofern deren Darreichung ebenfalls über den Rückenmarkskanal stattfindet.

Von einer Anwendung des Mittels in der Schwangerschaft und Stillzeit wird abgeraten. Zwar existieren keine Studien am Menschen über die Risiken in diesem Zeitraum, doch ergaben Tierversuche schädliche Wirkungen auf die Nachkommen. Ob die Anwendung von Ziconotid bei Kindern sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Arzt. Entsprechende Untersuchungen dazu gibt es bislang nicht.

Die gleichzeitige Einnahme von Ziconotid und bestimmten anderen Arzneimitteln haben mitunter schädliche Wechselwirkungen zur Folge. So können zum Beispiel Wirkstoffe wie der Blutdrucksenker Clonidin, das lokale Betäubungsmittel Bupivacain, das Narkosemittel Propofol oder das muskelentspannende Baclofen Schläfrigkeit auslösen, wenn sie zusammen mit Ziconotid verabreicht werden.

Erfolgt eine Kombination des Schmerzmittels mit Morphin, ist ebenfalls Vorsicht geboten. So zeigten sich selbst bei niedriger Dosierung von Ziconotid dabei häufig schwere Nebenwirkungen wie Gangstörungen, Verwirrtheit und Wahnvorstellungen. Darüber hinaus litten die Patienten oftmals unter Appetitstörungen und Erbrechen.

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