Zeitgefühl

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Das Zeitgefühl bezeichnet die stimmige Abschätzung von Zeiträumen in Minuten und Stunden. Weiter gedacht kann die Zeitwahrnehmung auch auf ein Gespür für den Wochentag, den Tageszeitpunkt oder die Dauer einer Aufgabe zutreffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Zeitgefühl?

Ein erwachsener Mensch ist dazu in der Lage, wenige Minuten von mehreren dem Gefühl nach zu unterscheiden. Er kann einschätzen, wie viel Zeit er für eine Aufgabe brauchen wird oder wie viel Zeit er in sie investiert hat. Zudem kann er in etwa einschätzen, wie spät es aktuell sein dürfte, an welchem Wochentag er sich befindet und wie lange er heute noch arbeiten muss, ohne dafür zwingend auf die Uhr oder den Kalender schauen zu müssen. Diese Einschätzungsfähigkeit wird als Zeitwahrnehmung oder Zeitgefühl bezeichnet.

Babys und Kleinkinder haben noch überhaupt kein Zeitgefühl, ältere Kinder sind dagegen schon in der Lage, Uhren und Kalender zu verstehen. Ab dem Grundschulalter etwa entwickelt sich das Zeitgefühl, wobei es immer noch starke Abweichungen zwischen der Einschätzung des Kindes und der Realität geben kann. Teenager dagegen haben schon ein sehr gutes Zeitgefühl, ähnlich dem des erwachsenen Menschen.

Bei vielen Säugetieren kommt eine Zeitwahrnehmung ebenfalls vor: Herdentiere etwa stehen zur Fütterungszeit häufig an der Futterstelle, sei es auch nur, weil ein Leittier weiß, dass es bald Futter geben wird.

Funktion & Aufgabe

Das Zeitgefühl beim Menschen entsteht durch verschiedene Einflüsse. Die Methoden des Erlernens unterscheiden sich voneinander. Zunächst kann der Mensch anhand des einfallenden Lichts und des Stands der Sonne in etwa bestimmen, ob es sich um Vor- oder Nachmittag, Mittag, Abend oder Nacht handelt. Es wird vermutet, dass auch andere Säugetiere sich an diesen Merkmalen orientieren.

Im Gegensatz dazu hat der Mensch aber auch die Uhr zur Hilfe und nutzt einen Kalender, wodurch ein erlerntes Zeitgefühl eintritt. Bis er lernt, Minuten und Stunden abzuschätzen und ein Gefühl für den Wochentag zu entwickeln, kann es zwar einige Zeit dauern, doch da diese Kenntnisse bereits im Grundschulalter erlernt werden, beherrscht sie bereits jeder Teenager sicher.

Das Zeitgefühl hilft dem Menschen dabei, seinen Tag zu planen und abzuschätzen, wie lange geplante Aktivitäten brauchen werden. Hierbei helfen ihm natürlich auch seine eigenen Erfahrungswerte. Natürlich müssen die meisten Menschen nach wie vor auf die Uhr schauen, wenn es um minutengenaue Planung geht, doch es fällt einem Erwachsenen beispielsweise nicht schwer, die Dauer des Arbeitswegs abzuschätzen und damit richtig zu liegen.

Das Zeitgefühl bezeichnet die stimmige Abschätzung von Zeiträumen in Minuten und Stunden.

Das Zeitgefühl hilft dem Menschen jedoch auch dabei, wichtige Aspekte des Alltags wie beispielsweise die Nahrungsaufnahme zu steuern. Je nach Gewohnheit wird das Zeitgefühl dem Menschen irgendwann melden, dass es an der Zeit für eine nächste Mahlzeit wäre. Auf diese Weise kann der Mensch dank seiner Zeitwahrnehmung seinen Alltag bewältigen und realistisch planen, was er innerhalb gewisser Zeitfenster schaffen kann und was er delegieren muss.

Dabei hilft das Zeitgefühl natürlich auch beim Gefühl der Langeweile. Diese kann die Zeitwahrnehmung zwar etwas verzerren und eine langweilige Phase noch länger erscheinen lassen, als sie in Wahrheit ist, doch das Zeitgefühl hilft auch dabei, realistisch einzuschätzen, wie lange es noch dauern wird, bis man sich wieder anderen Dingen zuwenden kann.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Zeitwahrnehmung an sich ist angeboren. Im Laufe der kindlichen Entwicklung stellt sich früher oder später ein Tag-Nacht-Rhythmus ein. Bereits Kinder können unterscheiden, ob es Morgen oder Abend ist. Das Zeitgefühl, basierend auf einer Uhr oder einem Kalender, ist dagegen erlernt und setzt voraus, dass der Mensch geistig dazu in der Lage ist, derartige Inhalte zu erlernen und zu begreifen. Menschen mit Lernschwäche oder geistigen Behinderungen sind deswegen möglicherweise nicht in der Lage, das gleiche Zeitgefühl wie ein Mensch mit normalem Lernvermögen zu erlangen.

Genauso kann es bei degenerativen Erkrankungen passieren, dass die Zeitwahrnehmung des Menschen sich mit diesen verändert. Charakteristisch ist das für Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz, wobei sich das Zeitgefühl mit dem Schweregrad und dem Fortschritt der Erkrankung verschlechtert. Auch verwässert es sich nicht bei jedem Patienten in gleichem Maße. Manche sind immer noch dazu in der Lage, die Uhrzeit relativ genau zu schätzen, die Zeitwahrnehmung bleibt intakt. Andere dagegen sind so stark von ihrer Erkrankung betroffen, dass davon auszugehen ist, dass sie gar kein Zeitgefühl mehr haben und eine Minute ihnen wie mehrere Stunden vorkommen kann.

Eine ähnliche, aber glücklicherweise nur vorübergehende Verzerrung des Zeitgefühls kann auch durch Einnahme von Medikamenten oder Drogenmissbrauch entstehen. Wenn sich diese Substanzen auf das Bewusstsein des Menschen auswirken, ist es häufig zu beobachten, dass die Zeitwahrnehmung verfälscht ist. Wer bereits eine Vollnarkose bekommen hat, kennt diesen Effekt möglicherweise - im Aufwachraum kann meist gar nicht abgeschätzt werden, wie spät es ist und wie lange der Eingriff und die Zeit bis zum Aufwachen gedauert haben, bis auf eine Uhr gesehen wird. Lässt die Wirkung solcher Substanzen aber nach, kehrt auch das Zeitgefühl wieder.

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