Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii tritt hauptsächlich in Nord- und Südamerika auf, dort allerdings in allen Ländern des Doppelkontinents. Deshalb finden sich auch die Bezeichnungen amerikanisches Zeckenbissfieber, Rocky-Mountain-Fleckfieber, kolumbianisches Tobiafieber, Sao-Paulo-Fieber oder Neue-Welt-Fieber.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii?

Zecken sind eine Milbenart, die als blutsaugende Parasiten gefährliche Krankheitskeime auf alle Wirbeltiere übertragen können. Bei Rickettsien handelt es sich um von Zecken übertragene Bakterien, die nach dem US-amerikanischen Pathologen Howard Taylor Ricketts benannt wurden, der die Bakterienart im Jahr 1907 identifizierte.

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii gehört zur Gruppe der Rickettsiosen, die alle Krankheiten umfasst, die durch Rickettsia-Bakterien ausgelöst werden. Rickettsien werden nicht nur durch Zecken, sondern auch durch andere Milbenarten sowie durch Läuse und Flöhe übertragen. Zu den Rickettsiosen zählen neben dem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii auch Fleckfieber-Erkrankungen.

Zumeist treten die Erkrankungen in den Frühjahrs- und Sommermonaten auf. Unter je einer Million Einwohnern werden in den USA jährlich etwa 2 Menschen infiziert. Die meisten Erkrankten wohnen in ländlichen Gebieten. Vom Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii werden überdurchschnittlich oft Männer ab dem 40. Lebensjahr sowie Kinder im Alter bis zu 10 Jahren betroffen.

Ursachen

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii entsteht durch eine Infektion mit einer speziellen Art der Rickettsien-Bakterien. Die Bakterien können nur innerhalb einer Wirtszelle überleben. Hauptsächlich befinden sie sich in den Darmzellen z. B. von Zecken.

Bei Trockenheit oder bei Einsatz von Desinfektionsmitteln gehen die Bakterien schnell zugrunde. Auch in künstlich hergestellten Nährlösungen überleben Rickettsien nicht. Allerdings können Rickettsien in Ausscheidungen z. B. von Läusen eine längere Zeit überdauern und daher noch nach Monaten infektiös wirken.

Sobald die Bakterien durch einen Zeckenstich in den menschlichen Körper übertragen wurden, erfolgt ihre Vermehrung in den Wirtszellen durch fortlaufende Querteilung. Anschließend verbreiten sie sich über Lymphgefäße und Blutbahnen innerhalb des Körpers.

Die Beschwerden bei Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii werden durch die von den Bakterien verursachte Zerstörung von Körperzellen ausgelöst.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Zeckenbiss oder Zeckenstich kann verschiedene Krankheiten in den Wirtsorganismus übertragen. Am bekanntesten ist hierbei die Borreliose. In anderen Ländern sind jedoch auch andere Erkankungen durch Zecken möglich.

Zwar lässt sich eine Infektion mit dem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii in der Frühphase der Erkrankung kaum diagnostizieren, da für diesen Anfangszeitraum geeignete Testverfahren nicht zur Verfügung stehen.

Gleichwohl muss die Erkrankung möglichst frühzeitig therapiert werden. Erste Indizien auf einen möglichen Zeckenbiss lassen sich mittels Befragung des Erkrankten zu seinem Wohnumfeld, seinen Reisegewohnheiten und dem jahreszeitlichen Beginn seiner Beschwerden entnehmen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt lässt sich durch Untersuchungen des Hautgewebes oder durch Blutuntersuchung sowie durch gezielte Vermehrung von Rickettsien in Blutkulturen eine sichere Diagnose über das Vorliegen eines Zeckenbissfiebers durch Rickettsia rickettsii stellen.

Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist eine ernst zu nehmende, wenngleich heilbare Krankheit. Ohne Behandlung verläuft die Erkrankung in etwa 30 % der Fälle tödlich. Überlebt der Betroffene jedoch die ersten Krankheitstage, so erfolgt gewöhnlich eine vollständige Heilung.

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii nimmt bei Kindern im Alter von bis zu 3 Jahren sowie generell bei Männern einen schwereren Verlauf. In diesen Fällen können Komplikationen wie z. B. erhebliche Störungen des Kreislaufs oder Nierenversagen schnell den Tod herbeiführen.

Mögliche Spätfolgen des Zeckenbissfiebers durch Rickettsia rickettsii sind Lähmungserscheinungen oder ein Verlust des Hörvermögens.

Komplikationen

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist eine oft sehr schwer verlaufende Erkrankung, die jedoch bei rechtzeitiger Behandlung gute Heilungschancen besitzt. In der Regel heilt die Infektion dann vollständig aus. Der Verlauf der Infektion und mögliche Komplikationen sind jedoch vom Zeitpunkt des Beginns der Behandlung und von der Konstitution der betroffenen Menschen abhängig.

So erleiden besonders Kinder unter zehn Jahren und immungeschwächte Personen häufig schwere Komplikationen, die tödlich verlaufen oder zu chronischen Langzeitschäden führen können. Auch der Behandlungsbeginn ist entscheidend für die Heilungschancen. Bei zu spät einsetzender Therapie, etwa fünf Tage nach Infektionsbeginn, können auch bei vorher gesunden Menschen tödliche Komplikationen auftreten.

Wenn die Behandlung allerdings sofort beginnt, überleben fast alle Betroffenen. So sind in der akuten Phase ohne rechtzeitige Therapie das Auftreten eines Kreislaufschocks, Herzrasen und Nierenversagen möglich. Dann tritt häufig innerhalb kürzester Zeit der Tod ein. In einigen wenigen Fällen kann es zu Langzeitfolgen wie Lähmungen, Taubheit, Erblindung oder Gewebenekrosen an Fingern und Zehen kommen.

Davon sind aber meist nur Personen mit einem geschwächten Immunsystem, Kinder unter zehn Jahren, Alkoholabhängige oder Menschen mit einem Mangel am Enzym Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase betroffen. Patienten, welche die schweren Komplikationen in der akuten Phase der Infektion überleben, können aber auch noch chronische Herz- oder Nierenerkrankungen als Langzeitfolgen davontragen.

Behandlung & Therapie

Von besonderer Bedeutung ist die möglichst frühzeitige Behandlung des Zeckenbissfiebers durch Rickettsia rickettsii. Beginnt die Therapie nicht bis zum fünften Tag nach Ausbruch der Erkrankung, wird ein ungünstiger Krankheitsverlauf prognostiziert.

Bei Verdacht auf Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii sollte die Behandlung möglichst in einem Krankenhaus durchgeführt werden. Durch die Gabe von Antibiotika kann die Krankheit in den meisten Fällen geheilt werden. Zur Therapie des Zeckenbissfiebers durch Rickettsia rickettsii geeignete Antibiotika sind die sog. Tetracycline, die zu einer Hemmung der Proteinherstellung und des Wachstums der Rickettsien führen. Tetracycline sollten aber nicht Schwangeren und Kindern verabreicht werden, da sich der Wirkstoff in Knochen und Zähnen ablagert und zu verstärkter Anfälligkeit für Karies sowie zu einer erhöhten Häufigkeit von Knochenbrüchen führen kann.

Ein anderes sehr wirksames Antibiotikum ist Chloramphenicol. Dabei handelt es sich um ein Breitbandantibiotikum, das wegen möglicher Nebenwirkungen jedoch nur dann eingesetzt werden sollte, wenn das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii nicht anders beherrschbar ist. Beide Präparate werden dem Körper intravenös zugeführt.

Neben der reinen Antibiotikabehandlung, die sich unmittelbar gegen die Rickettsia-Bakterien richtet, sind möglicherweise begleitende Therapien erforderlich, um eine Linderung der Krankheitssymptome bei Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii zu erreichen. Eventuell ist die Verabreichung von Schmerzmitteln sinnvoll. Bei einigen Patienten muss eine Infusion vorgenommen werden, um dem an Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii Erkrankten Flüssigkeit zuzuführen.

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Vorbeugung

Gegen das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii gibt es keine allgemein verfügbaren Impfstoffe. Die einzig mögliche Vorbeugung besteht in der Vermeidung von Zeckenbissen.

Wer sich in den nord- und südamerikanischen Risikogebieten aufhält, sollte seinen Körper regelmäßig auf Zecken absuchen. Im Freien sollte der Körper durch die Kleidung weitgehend bedeckt werden. Dazu gehört das Tragen langer Hosen, langärmeliger Oberkörperbekleidung sowie eine Kopfbedeckung. Damit wird die Einnistung von Zecken und die Infektion mit Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii zumindest erschwert.

Bücher über Zeckenbisse & Zeckenstiche

Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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