Yersinia pestis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Juni 2017
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Das Bakterium Yersinia pestis (auch Pasteurelle pestis genannt) ist der Erreger der gefährlichen Infektionskrankheit Pest. Es gibt mehrere Formen der Pest, die Beulenpest, die Lungenpest, die Pest-Sepsis, die Hautpest, die abortive Pest und die Pest-Meningitis. Außer der Hautpest sind alle sehr gefährlich und verlaufen unbehandelt oft tödlich. Auch von den behandelten Patienten sterben heute noch immer zwischen 10 bis 15 Prozent an der Krankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Yersinia pestis?

Das Pestbakterium Yersinia pestis gehört zur Familie der Enterobacteriaceae. Seinen Namen erhielt es von dem Schweizer Arzt und Forschungsreisenden Alexandre Yersin, der die Pest erforschte und den Erreger im Jahr 1894 entdeckte. Er war es auch, der als erster erkannte, dass Yersina pestis in erster Linie durch Ratten und Mäuse bzw. durch Rattenflöhe und Insekten übertragen wird.

Die Pest ist anfangs nicht leicht zu diagnostizieren. Häufig werden die ersten Symptome mit Malaria, Fleckfieber und Typhus verwechselt, bevor die Pestbeulen sichtbar werden.

Das Pestbakterium wird aus Blut, Eiter oder dem Auswurf der Erkrankten isoliert und entweder eingefärbt unter dem Mikroskop betrachtet oder in einer Kultur angezüchtet. Daneben ist auch ein Test mit speziellen Antigenen im Einsatz.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die Geschichte der Pest ist eine Schreckensgeschichte. Schon in der Antike wird von Pest-Epidemien berichtet. Die erste überlieferte Pestwelle ereignete sich im 6. Jahrhundert. Ihr Ausbruch begann vermutlich in Ägypten, breitete sich von dort über Nordafrika und den gesamten Mittelmeerraum aus und traf besonders das byzantinische Reich. Wie viele Menschen ihr zum Opfer fielen, ist nicht überliefert, aber es dürfte fast die Hälfte aller damals in der Region lebenden Menschen gewesen sein. Ganze Familienverbände wurden ausgerottet, kaum ein Mensch traute sich mehr aus dem Haus, die Felder blieben unbestellt, Hungersnöte brachen aus.

Die zweite große Pestwelle erschütterte die gleiche Region dann noch einmal im 8. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert hielt der "Schwarze Tod" dann Einzug in ganz Europa. Diesmal kam er vermutlich mit Händlern aus Asien, besonders aus China. Auch diese Pest-Epidemie dezimierte die Bevölkerung sehr stark und forderte vermutlich Millionen Todesopfer.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein und an den Rändern Europas sogar bis ins 20. Jahrhundert, trat die Pest danach immer wieder mal auf. Der letzte große Pest-Ausbruch fand zu Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts in Zentralasien statt, wo er wahrscheinlich 12 Millionen Menschen das Leben kostete.

Das Pest-Bakterium ist unter anderem deshalb so gefährlich, weil es sich auf verschiedenen Wegen übertragen lässt. Meist beginnt die Infektion damit, dass ein Rattenfloh eine mit Pest infizierte Ratte beißt und danach weitere Ratten infiziert. So beginnt ein großes Rattensterben und die Flöhe, die nun keine Wirtstiere mehr finden, gehen auch auf Mäuse, Eichhörnchen, andere Nager und deren Jäger, aber auch auf den Menschen über.

Nicht nur Rattenflöhe verbreiten die Pest, auch Menschenflöhe und viele Insekten wie Mücken, Läuse, Ameisen und Spinnen können sie übertragen. Darüber hinaus erfolgt die Ansteckung durch direkten Kontakt mit infiziertem Gewebe, mit Gegenständen oder durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch.

Die Inkubationszeit beträgt bei der Beulenpest etwa 7 Tage, bei der Lungenpest nur ein paar Stunden bis 2 Tage. Danach bricht die Krankheit mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen aus. Erst 24 Stunden später zeigen sich durch das Anschwellen der Lymphknoten die ersten mit Eiter gefüllten Beulen. Bei der Lungenpest kommt es zu schwerer Atemnot, zu Husten und schwarz-blutigem Auswurf. Bei einer Pest-Sepsis oder Pest-Meningitis sterben die Patienten häufig schon vor dem Auftreten der ersten sichtbaren Symptome.

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Krankheiten & Beschwerden

Aber auch heute noch kommt es, besonders in Asien aber auch in Afrika und Nordamerika, immer wieder zu Fällen von Pest. Zwischen 1000 und 2000 Krankheitsfälle werden laut WHO jährlich registriert und die Dunkelziffer ist hoch. Allerdings haben verbesserte hygienische Bedingungen, effektive Quarantäne-Maßnahmen und wirksame Behandlungsmethoden größere Epidemien verhindern können.

Gefährlich ist der Pest-Erreger noch immer und in den Slums und Elendsvierteln der Welt kommt es immer wieder zu Erkrankungen. Es gibt zwar mittlerweile Impfstoffe gegen die Pest, aber sie sind wegen extremer genetischer Veränderungen der Erreger vergleichsweise schlecht wirksam und haben starke Nebenwirkungen. Aus diesem Grund werden sie nur in Ausnahmefällen verwendet. Es besteht jedoch die Möglichkeit einer Chemoprophylaxe für alle Menschen, die in Pest-Gebiete reisen müssen.

Eine große Gefahr stellt der Pest-Erreger auch als mögliche biologische Waffe dar. Die WHO zählt das Bakterium yersinia pestis, genau wie die Erreger von Ebola, Milzbrand, Cholera und den Pocken zu den "dreckigen Waffen", die von Terror-Gruppen oder in Kriegen eingesetzt werden könnten.

Heute wird die Pest mit wirksamen Antibiotika behandelt. Die Mittel der ersten Wahl sind dabei Streptomycin, Tetrazykline und Chinolone. Darüber hinaus werden die schweren Krankheitssymptome gemildert und nach Möglichkeit das Fieber gesenkt. Die Patienten werden streng isoliert, um die große Ansteckungsgefahr zu minimieren. Übersteht der Patient eine Pest-Erkrankung, dann besteht eine lebenslange Immunität gegen diesen spezifischen Erreger.

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