Wunddrainage

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Wunddrainagen finden ihren Einsatz meist in der postoperativen Wundversorgung. Auch als zusätzliche Hilfe bei der Pflege chronischer Wunden sind sie hilfreich. Eine Wunddrainage lässt Blut und Wundsekret abfließen und zieht die Wundränder zusammen. So kann der Heilungsprozess wesentlich unterstützt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Wunddrainage?

Der Begriff Drainage kommt vom englischen to drain, was direkt übersetz "ableiten" bedeutet und indirekt mit "trockenlegen" umschrieben werden kann. Bei der Wundversorgung und beim Wundheilungsprozess erklärt sich damit die Wirkungsweise dieser Behandlungsart fast schon von selbst. Per se bedeutet dies: Für den Organismus Abträgliches wird abgeleitet, damit dem Heilungsprozess Zuträgliches zur Wirkung kommen kann. Infektionen und Hämatombildungen werden vermieden, die Wundheilung kann überwacht und Komplikationen ausgeschlossen werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Es gibt mehrere Arten von Wunddrainagen, sie unterscheiden sich im Wesentlichen darin, ob es sich um aktive oder passive Drainagen handelt. Ihr Einsatz ist abhängig von der Art der Wunde und vom Ziel des eigentlichen Wundmanagements. Gerade bei der postoperativen Wundversorgung oder Organdrainagen wie der Thoraxdrainage, kommt meist ein Schlauchsystem zum Einsatz, diese bestehen aus hygienischem Kunststoff.

Bei der postoperativen Versorgung ist der Verbleib des Drain in der Wunde nur kurzfristig und wird zeitnah wieder entfernt. Soll eine chronische Wunden behandelt werden, wird oft mit Adhäsionsdrainagen gearbeitet. Hier sei zum Beispiel das Druckgeschwür (Dekubitus) genannt, ein Problem gerade in der Altenpflege oder bei bettlägrigen Patienten. Erklärtes Ziel hierbei ist es, dem Heilungsverlauf genügend Zeit zur Schließung vom Zentrum der Wunde nach außen hin zu geben. Dies ist nur möglich, wenn Sekretbildung und damit Keimherde vermieden werden. Diese Art der Drainage muss unter Beachtung absoluter hygienischer Standards regelmäßig gewechselt werden und bedürfen meist eines längeren Einsatzes.

Eine Wunddrainage lässt Blut und Wundsekret abfließen und zieht die Wundränder zusammen. So kann der Heilungsprozess wesentlich unterstützt werden.

Kommt ein Drainageschlauch zu Einsatz, wird das eine Ende eines sogenannten Drain (Schlauch, Röhrchen) direkt in die Wunde eingelegt, um einen konstanten Kontakt mit der Sekretbildung zu garantieren. Das anderen Ende wird einige Zentimeter von der Wunde entfernt aus der Wundnaht heraus abgeleitet, was während des Setzens der Naht zeitgleich durchgeführt wird. Diese Art der Wundversorgung ist verbunden mit einem am Körper fixierten Beutel oder einem vom Körper entfernten, festen Behältnis. Eine weitere Möglichkeit ist das Anbringen eines Gewebes, wie zum Beispiel eine Tamponage aus Gaze. Diese Methode folgt jedoch einem anderen Prinzip. Erklärtes Ziel ist bei allen Arten der Wunddrainage, das Wundsekret oder Blut effizient von der Wunde abzuleiten. Nur so können Kontaminationen mit Keimen und in der Folge gefährliche Wundinfektionen vermieden werden.

Beim Wundmanagement kommen also unterschiedliche Methoden der Wunddrainage zum Einsatz. Sie basieren jeweils auf verschiedenen physikalischen Wirkungsweisen. So kann zum Beispiel mittels Schwerkraft das Wundsekret, welches sich am tiefsten Punkt der Wunde sammelt, in ein entsprechend noch tiefer angebrachtes Behältnis geleitet werden. Diese Art kommt meist bei großen Wunden mit entsprechend großer Naht zum Einsatz. Eine weitere Möglichkeit der Ableitung findet sich in der Adhäsionskraft (Anziehungskraft); hier wird die Körperflüssigkeit von Gaze oder anderen Stoffen an- und aufgesogen und kann danach mit der Drainage entfernt werden. Inzwischen kommen bei dieser Art der Drainage entsprechend ausgelegte Schaumstoffe zum Einsatz. Sie bestehen meist aus Polyurethan.

Dieses Gewebe entspricht dem heutigen Hygiene-Standard weitaus mehr, da der Nährboden für schädliche Keime weniger gegeben ist. Eine weitere physikalische Kraft wird bei der Saugdrainage genutzt. Dabei handelt es sich um eine geschlossene Drainage. Hier wird der Drainageschlauch mit einem Beutel oder Auffanggefäß verbunden, welches unter Unterdruck steht. Es wird ein konstanter Sog erzeugt; so können Blut und Wundsekret abgesaugt werden. Ein kontinuierlich extern erzeugter Unterdruck wird hier meist gegenüber sogenannten Vakuumflaschen bevorzugt; denn je nach Füllgrad der Behältnisse kann hier der Sog an Intensität verlieren.

Wird er hingegen durch manuell oder elektrisch betriebene Pumpen erzeugt, zum Beispiel durch einen Faltenbalg, ist ein konstanter Sog gewährleistet. Es wird zwischen kontrollierten und unkontrollierten Saugleistungen unterschieden. Bei einigen Wunden, speziell solche, welche schon von Infektionen befallen sind, wird ein erweitertes Schlauchsystem verwendet. Dabei wird durch den ersten Drain eine Spülflüssigkeit in die Wunde eingebracht und durch den anderen Schlauch wieder ausgleitet. An den Schläuchen befinden sich Perforationen, bei der Spülflüssigkeit handelt es sich meist um sogenannte Ringerlösung.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Wunddrainagen und deren Einsatz können jedoch auch Risiken bergen. Die Meinungen über das Für- und Wider ihres Einsatzes gehen inzwischen auseinander. Wurde früher bei fast jeder Operation das Legen einer Drainage propagiert, werden heute inzwischen die Risiken gegenüber den Vorteilen diskutiert. Einige Studien sollen inzwischen belegen, dass eine Förderung der Wundheilung nicht direkt bewiesen werden kann. Auch als Verursacher von unerwünschten Komplikationen können Drainagen verantwortlich sein.

Wunddrainagen sind zwar Pforten zur Ableitung krankhafter Körperflüssigkeiten, können jedoch auf gleichem Wege Zugang von infektiösen Keimen hin zur Wunde fördern. Dies wiederum führt im schlimmsten Falle zu gefährlichen Wundinfektionen. Auch kann der Körper auf das Drainagesystem mit Abwehr reagieren, da es als Fremdkörper erkannt wird. Verbleiben Drainagen über einen längeren Zeitraum im Körper kann es zudem zu Verwachsungen kommen. Blutungen können entstehen, Druckprobleme durch die Lage des Schlauches oder Komplikationen durch ein Abknicken durch den Patienten selbst können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

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Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Köhnlein, E., Weller, S.: Erste Hilfe. Thieme, Stuttgart 2004
  • Largiadèer, F., et al.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012

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