Wuchereria bancrofti

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 31. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheitserreger Wuchereria bancrofti

Wuchereria bancrofti ist die Bezeichnung für eine Fadenwurmart. Dabei handelt es sich um einen Parasiten, der die Lymphgefäße des Menschen befällt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wuchereria bancrofti?

Wuchereria bancrofti wird ein Parasit genannt, der zu den Fadenwürmern (Nematoden) gehört. Ebenso wie andere Fadenwurmarten, beispielsweise Brugia timori und Brugia malayi, ist er in der Lage, das menschliche Lymphsystem zu besiedeln und gesundheitliche Schäden zu verursachen. So leiden rund um den Erdball schätzungsweise 80 bis 120 Millionen Menschen unter der lymphatischen Filariose. Diese Erkrankung wird in neun von zehn Fällen von Wuchereria bancrofti verursacht.

Die Benennung Wuchereria bancrofti geht auf den deutsch-brasilianischen Mediziner Otto Wucherer (1820-1873) zurück, der den Fadenwurm im Jahr 1856 im Harn eines Patienten feststellte. Dabei ermittelte er, dass der Parasit für den Ausbruch der lymphatischen Filariose verantwortlich war. Als weiterer Entdecker gilt der britisch-australische Parasitologe John Bancroft (1836-1884), der ebenfalls als Namensgeber diente.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Zu den Verbreitungsgebieten des Wuchereria bancrofti gehören in erster Linie China, Mittel- und Südamerika, die Karibik, Afrika sowie die Pazifikregion. Dort sind die Fadenwürmer in tropischen Gefilden zu finden. In Deutschland kommt es nur sehr selten zu einem Befall mit den Filarien, die in der Regel in den beschriebenen Risikogebieten übertragen werden.

Männliche Exemplare des Wuchereria bancrofti erreichen eine Größe zwischen 2,4 und 4 Zentimetern. Die Weibchen bringen es sogar auf eine Größe von 5 bis 10 Zentimetern. Sie weisen allerdings lediglich eine Dicke von 0,3 Millimetern auf. Die Mikrofilarien (Larven) sind mit einem kernlosen Schwanzende ausgestattet. Ihre maximale Größe liegt zwischen 250 bis 300 Mikrometern. Die Parasiten werden in der Regel maximal acht Jahre alt. Die Präpatenzzeit, also der Zeitraum zwischen Infektion und Nachweis der Vermehrungsprodukte der Parasiten, liegt bei ca. neun Monaten.

Als Zwischenwirt dienen dem Wuchereria bancrofti Stechmücken. Dazu zählen besonders die Mückenarten Anopheles, Aedes und Culex. Durch die Mücken kommt es beim Stechvorgang zur Übertragung der Parasiten auf den Menschen. Außerhalb von Mücken und Menschen ist das Überleben des Fadenwurms nicht möglich. Erfolgt bei einem bereits infizierten Menschen ein Mückenstich, werden von der Mücke durch Saugen winzig kleine Larven aufgenommen, die sich im menschlichen Blut befinden. Beim folgenden Stechvorgang gehen die Parasiten dann auf einen anderen Menschen über, wo sie in die Lymphknoten und Lymphgefäße vordringen. Dort verbleiben sie etwa neun Monate lang und entwickeln sich zu ausgewachsenen Filarien.

Insgesamt ist im Lymphsystem ein Überleben der Würmer von mehreren Jahren möglich. In diesem Zeitraum werden von ihren Weibchen unzählige neue Mikrofilarien produziert. Besonders in den Nachtstunden findet der Übertritt ins periphere Blut statt. In diesem Bereich können sie erneut eine Mücke infizieren. Dabei sind die Mikrofilarien imstande, sich den Stechgewohnheiten der Insekten anzupassen, die den Menschen bevorzugt in der Nacht heimsuchen.




Krankheiten & Beschwerden

Wuchereria bancrofti zählt zu den gesundheitsschädlichen Parasiten und kann mehr oder weniger schwere Erkrankungen verursachen. Zu den milden Krankheitsformen gehören die Lymphadenitis (krankhafte Schwellung der Lymphknoten) sowie die Lymphangitis (Lymphbahnentzündung). In schweren Fällen droht eine lymphatische Filariose.

Die meisten Erkrankten leben in Indien und Afrika und stellen ein Drittel aller Patienten dar. Die weiteren Krankheitsfälle sind im Süden von Asien, in pazifischen Ländern und Südamerika zu verzeichnen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft 1,1 Milliarden Menschen als gefährdet für einen Befall mit Wuchereria bancrofti ein.

Die ersten Beschwerden durch die Fadenwürmer zeigen sich einige Wochen oder auch erst mehrere Monate nach der Infektion mit den Parasiten. Während der akuten Phase leiden die betroffenen Personen unter Schüttelfrost, Fieber und geschwollenen Lymphknoten. Nicht selten kommt es zum Anschwellen von Füßen oder Beinen. Dabei sind sowohl einseitige als auch beidseitige Beschwerden im Bereich des Möglichen. Nach wenigen Tagen bessern sich die Symptome wieder und die Haut beginnt zu schuppen. Bei einigen Patienten zeigen sich die Schwellungen mehrmals.

Nicht immer geht die lymphatische Filariose mit Fieber einher. Kommt es jedoch zu Fieber, gilt dies als Reaktion des Organismus auf abgestorbene Fadenwürmer innerhalb der Lymphknoten oder Lymphbahnen. Beim männlichen Geschlecht kann es an den Geschlechtsteilen zur Ansammlung von Flüssigkeit kommen.

Halten sich die Fadenwürmer längere Zeit im Körper des Menschen auf, droht eine chronische lymphatische Filariose, in deren Verlauf oftmals Lymphödeme entstehen. Bei einem solchen Lymphstau sprechen Mediziner von einer Elephantiasis (Elefanten-Syndrom), die in erster Linie den Leistenbereich, die Füße und die Beine befällt. Seltener betroffen sind dagegen Brust, Arme und Genitalien. Einige Patienten leiden zudem unter Rheumabeschwerden wie einer Myositis (Muskelentzündung) oder Arthritis. Als weiteres Merkmal gilt eine milchig-trübe Färbung des Urins.

Bei einigen Menschen ruft ein Befall mit Wuchereria bancrofti allerdings auch gar keine Beschwerden hervor.

Ein Nachweis von Wuchereria bancrofti im menschlichen Körper ist durch einen Blutausstrich möglich. In manchen Fällen wird das Blut zu diesem Zweck in der Nacht entnommen, da sich die Parasiten in diesem Zeitraum in Körperregionen befinden, die von Mücken befallen werden.

Zur Bekämpfung von Wuchereria bancrofti kommen Anthelminthika wie Ivermectin zur Anwendung. Durch dieses Mittel lassen sich die Mikrofilarien abtöten. Als weitere Medikamente können Albendazol oder Diethylcarbamazin (DEC) verabreicht werden. Auf diese Weise wird die positive Wirkung der Behandlung gesteigert.

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