Wochenbettdepression (postnatale Depression)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Nichtbetroffene mögen zuerst stutzen - postnatale Depression oder Wochenbettdepression, eine Depression bei jungen Müttern? Gibt es so etwas überhaupt und hat die Mutter sich denn nicht auf ihr Kind gefreut? Aber ganz so einfach verhält es sich nicht.

Inhaltsverzeichnis

Definition Wochenbettdepression

Eine Wochenbettdepression (im Fachjargon: postnatale Depression) betrifft schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Mütter. Weitaus mehr Frauen, rund 70 Prozent, leiden an einer leichteren Form. Diese Form heißt umgangssprachlich "Babyblues" und besitzt keinen Krankheitswert.

Die richtige Wochenbettdepression äußert sich dagegen in Energiemangel, Schuldgefühlen, Reizbarkeit, dem Gefühl von Hoffnungslosigkeit sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Die sexuelle Lust ist eingeschränkt. Zwangsgedanken treten bei der Hälfte aller Betroffenen auf.

Auch Tötungsgedanken können bei einer Wochenbettdepression eine Rolle spielen. Dennoch töten nur 1 bis 2 von 100.000 an Wochenbettdepression erkrankte Mütter tatsächlich ihr eigenes Kind. Die Wochenbettdepression kann innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Geburt auftreten.

Ursachen

Es gibt einige Faktoren, die die Entstehung einer Wochenbettdepression begünstigen können. Dazu gehören in erster Linie belastende Lebensumstände, wie eine schlechte Partnerschaft, finanzielle Sorgen oder traumatische Erlebnisse. Auch psychische Erkrankungen, die bereits vor der Geburt vorhanden waren, können die Entwicklung einer Wochenbettdepression begünstigen.

Ein großer Risikofaktor ist auch die soziale Isolation. Berufstätige Frauen, die plötzlich mit dem Neugeborenen zu Hause bleiben müssen, geraten leichter in eine Wochenbettdepression. Perfektionismus, Versagensängste und ein falsche Mutterbild ("die stets glückliche Mutter") stehen ebenfalls im Verdacht, eine Wochenbettdepression auszulösen.

Da auch Schilddrüsenerkrankungen ursächlich sein können, sollten Frauen nach der Geburt ihre Schilddrüse untersuchen lassen. Hormonschwankungen nach der Geburt begünstigen eine Wochenbettdepression.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bei einer Wochenbettdepression stellt ein Arzt die richtige Diagnose. Erster Ansprechpartner beim Verdacht auf eine Wochenbettdepression sollte der Frauenarzt sein. Er bespricht die Vorgehensweise und überweist unter Umständen die Patientin zu einem Psychologen oder in eine Ambulanz.

Es existiert ein spezialisierter Fragebogen, um die Diagnose abzusichern. Steht die Diagnose Wochenbettdepression fest, hängt der weitere Verlauf von der richtigen Therapie ab. Eine Wochenbettdepression kann einige Monate andauern. Dies führt bei den Müttern zu einem hoffnungslosen Gefühl. Es geschieht auch, dass eine Wochenbettdepression nicht diagnostiziert wird. Je später eine Wochenbettdepression behandelt wird, umso schlechter ist der Verlauf. Im schlimmsten Fall entstehen Tötungsgedanken. Weiterhin kann die an Wochenbettdepression erkrankte Frau eine gestörte Beziehung zum Kind aufbauen.

Komplikationen

Wird eine depressive Erkrankung der Mutter im Wochenbett nicht frühzeitig erkannt, hat dies fatale Auswirkungen auf die Beziehung zum Neugeborenen, oder auch zum Vater des Kindes. Auch wenn die Vorfreude groß war, kann es nun sein, dass die Mutter ihr Kind ablehnt und daher ungenügend versorgt. Das Neugeborene wird zum Beispiel nicht mehr gestillt und verliert an Gewicht.

Auch profitiert es nicht von den Abwehrstoffen, welche in der Muttermilch enthalten sind und vor jeglichen Umwelteinflüssen schützen. Bei der Mutter kommt es zuweilen zu einem schmerzhaften Milchstau, welcher die Stimmung weiter negativ beeinflusst. Auch die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind ist gestört und führt häufig dazu, dass dem Baby auch bei starkem Schreien keine Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Es entwickelt dadurch Ängste, welche sich tief verwurzeln und auf das Beziehungsverhalten im Erwachsenenalter auswirken. Wird die Depression nicht rechtzeitig behandelt, kann es zum Einsatz von Gewalt kommen, zum Beispiel wenn die Mutter aus Verzweiflung das Neugeborene schüttelt oder zu fest anfässt. Neben der Mutter-Kind-Beziehung wirkt sich eine Wochenbettdepression auch auf die Beziehung zum Kindsvater aus. Wird die erkrankte Mutter beispielsweise stationär behandelt, so bedeutet dies entweder, dass ihm der Kontakt zu Frau und Kind entzogen oder ihm aber die Verantwortung vollkommen übergeben wird.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten einer Wochenbettdepression sind sehr gut. In aller Regel heilt sie problemlos wieder aus. Doch Selbsthilfe reicht in den meisten Fällen nicht aus. Dauern die Symptome länger als zwei Wochen an, muss sich die Mutter Hilfe suchen. Besitzt die Wochenbettdepression einen schweren Grad, muss die professionelle Hilfe unverzüglich erfolgen. Manchmal ist auch ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer speziellen Klinik vonnöten, um die Mutter wieder zu stabilisieren. In manche Kliniken darf das Baby mitgenommen werden, um die Beziehung nicht zu stören.

Als Behandlungsmethoden kommen je nach Schweregrad und Ursache mehrere Methoden zum Einsatz: Psychotherapie, Hormontherapie, systemische Familientherapie oder Musiktherapie. Unterstützend werden in vielen Fällen Psychopharmaka gegeben. Naturheilkundliche Verfahren können ebenfalls eine Wochenbettdepression lindern. Hier ist besonders Akupunktur zu nennen.

Rezeptfreie Medikamente sind mit Vorsicht zu genießen. Sie können in die Muttermilch übergehen und dem Kind schaden. Bei leichteren Formen ist es möglich, dass bereits ein Geprächskreis mit anderen Betroffenen eine Wochenbettdepression lindern kann.

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Vorbeugung

Damit es nicht zu einer Wochenbettdepression kommt, kann die Mutter bereits vor der Geburt einige Vorkehrungen treffen. Sie kann für ein soziales Netz sorgen und für Hilfe nach der Geburt. So sollte der Partner Urlaub nehmen, um die erste Zeit mit dem Baby gemeinsam zu beginnen. Falls Geschwisterkinder im Haus sind, sollte sich die Mutter auch hier Unterstützung holen. So kann die Oma oder eine Freundin mit dem größeren Kind spielen, während die Mutter das Baby stillt. Es geht also um Entlastung, damit es nicht zu dem Gefühl kommt: Ich schaffe das alles nicht!

Bücher über Wochenbettdepression

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012

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