Wirbelkanal

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Mai 2017
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Als Wirbelkanal wird der Rückenmarkskanal bezeichnet. Durch ihn verlaufen das Rückenmark sowie die Cauda equina.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wirbelkanal?

Beim Wirbelkanal (Canalis vertebralis) handelt es sich um einen Kanal, der von übereinanderliegenden Wirbellöchern in der Wirbelsäule gebildet wird. Sein Verlauf reicht vom ersten Halswirbel über die Halswirbelsäule (HWS), die Brustwirbelsäule (BWS) sowie die Lendenwirbelsäule (LWS) bis hin zum Kreuzbein.

Durch den Wirbelkanal ziehen das Rückenmark und die Cauda equina. Der Wirbelkanal trägt auch die Bezeichnungen Rückenmarkskanal oder Spinalkanal. Verletzungen des Wirbelkanals können gravierende Folgen haben. So droht im schlimmsten Fall eine Querschnittlähmung.

Anatomie & Aufbau

Seinen Anfang nimmt der Wirbelkanal am Foramen occipitale magnum (großes Loch). Von dort aus verläuft er über Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule in Richtung Kreuzbein (Os sacrum).

Auf der Bauchseite begrenzen die Wirbelkörper (Corpora vertebrae) sowie die Bandscheiben den Spinalkanal. Auf der Seite und dem Rückenbereich ist dies durch die Wirbelbögen (Arcus vertebrae) der Fall. Im Zwischenraum von zwei Nachbarwirbeln befindet sich auf beiden Seiten ein Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale), das als Öffnung für die paarigen Spiralnerven dient.

Der Wirbelkanal ist mit zwei robusten langgestreckten Bändern ausgestattet. Sie tragen die Bezeichnungen Ligamentum flavum und Ligamentum longitudinale posterius (hinteres Längsband). Während sich das Ligamentun longitudinale posterius auf der Vorderseite des Spinalkanals befindet, ist das Ligamentum flavum an seiner Rückseite angesiedelt.

Das Rückenmark, das sich innerhalb des Wirbelkanals befindet, wird von den Rückenmarkshäuten (Meningen) umgeben, bei denen es sich um spezielle Gewebeschichten handelt. Die äußerste Schicht stellt das Periost dar, das mit den Wirbeln verwachsen ist. Es trägt auch die Bezeichnung Stratum periostale oder äußeres Blatt. Unter dem äußeren Blatt liegt das Stratum meningeale (äußere Rückenmarkshaut der Dura mater spinalis). Zu ihr gehört die sogenannte Spinnenwebenhaut (Arachnoidea spinalis). An diese schließt sich die Pia mater spinalis (weiche Rückenmarkshaut) an.

Im Wirbelkanal kommen zudem mehrere Spalträume zwischen den Rückenmarkshäuten vor. Dazu gehört u. a. der Epiduralraum (Spatium epidurale), der sich zwischen dem Periost und dem Stratum meningeale befindet. Dort sind der epidurale Venenplexus und Fettgewebe angesiedelt. Einen weiteren Spaltraum bildet der Subduralraum (Spatium subdurale), der zwischen Arachnoidea spinalis und Dura mater spinalis ansässig ist. Letzter Spaltraum ist der Subarachnoidalraum (Spatium subarachnoidale) zwischen Pia mater spinalis und Arachnoidea spinalis. In diesem Raum befindet sich Hirnwasser (Liquor).

Im Bereich des Wirbelkanals sind außerdem die Blutgefäße anzutreffen, die zur Versorgung des Rückenmarks dienen. Daran Anteil haben die Rückenmarksäste (Rami spinales) der Arteriae lumbales, der Arteria vertrebralis und der Arteriae intercostales posteriores. Von den Venen wird epidural ein dichtes Gefäßnetzwerk gebildet. Dazu zählt der Plexus vertrebralis internus ventralis, der sich auf der Vorderseite befindet. Dieser Bereich des Wirbelkanals gilt als besonders verletzungsgefährdet, wenn eine Operation in seiner Nähe vorgenommen wird.

Funktion & Aufgaben

Der Wirbelkanal beherbergt das Rückenmark, das gemeinsam mit dem Gehirn das zentrale Nervensystem bildet. Das Rückenmark ist wichtig für die Kommunikation zwischen dem Gehirn sowie den inneren Organen, Haut und Muskeln. An seiner umfangreichsten Stelle erreicht das Rückenmark etwa die Breite eines Fingers. Bei erwachsenen Menschen findet das Rückenmark sein Ende am ersten Lendenwirbel.

Vor der Geburt erstreckt es sich jedoch in Richtung Kreuzbein. Beim Baby reicht es bis zu den unteren Lendenwirbeln, da das Wachstum der Wirbelsäule rascher voranschreitet als die Entwicklung des Rückenmarks. Durch dieses Phänomen können die Spiralnerven, die aus dem Spinalkanal austreten, im unteren Abschnitt eine längere Passage im Wirbelkanal zurücklegen, ehe sie ihn verlassen. Ab dem Rückenmarksende am 1. Lendenwirbel befinden sich dann nur noch die Spiralnerven im Wirbelkanal, von denen der sogenannte Pferdeschweif (Cauda equina) gebildet wird.

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Krankheiten

Der Wirbelkanal kann durch Verletzungen oder Erkrankungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Zu den häufigsten Beeinträchtigungen zählt die Spinalkanalstenose, bei der es zu einer Verengung des Wirbelkanals kommt. Besonders betroffen davon sind ältere Menschen. Während Lenden- und Halswirbelsäule am häufigsten unter einer spinalen Stenose leiden, wird die Brustwirbelsäule nur selten beeinträchtigt.

Ursachen für eine Verengung des Wirbelkanals sind natürliche Alterungsprozesse, mangelnde Bewegung, Knochenschwund (Osteoporose) oder Veranlagung. Mitunter treffen auch mehrere Faktoren gleichzeitig zu. In den meisten Fällen ist der Verschleiß der Wirbelsäule für die Spinalkanalstenose verantwortlich. So büßen die Bandscheiben, die sich zwischen den Wirbelkörpern befinden, im Laufe der Jahre zunehmend an Flüssigkeit und Höhe ein. Zwischen den Wirbelkörpern verkleinert sich der Raum und die fehlende Dämpfung hat deren stärkere Belastung zur Folge. Durch den Höhenverlust verlieren die Bänder Dehnbarkeit. In einigen Fällen ist die Verengung bereits angeboren.

Nicht immer kommt es durch eine Wirbelkanalstenose zu Beschwerden. Normalerweise entwickeln sich die Symptome erst im Laufe der Zeit. Dabei leiden die Betroffenen zumeist unter Muskelverspannungen im unteren Rücken, Rückenschmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen sowie Bewegungseinschränkungen an der Lendenwirbelsäule. Schreitet die Spinalkanalstenose weiter voran, drohen Missempfindungen wie Kältegefühle, Kribbeln, Brennen und Gefühlsstörungen in den Beinen, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Inkontinenz sowie Störungen der sexuellen Funktionen.

Zu den schwersten Verletzungen des Wirbelkanals gehören Bandscheibenvorfälle und Wirbelbrüche. Wird das Rückenmark dabei verletzt, besteht die Gefahr einer Querschnittlähmung. Reißen die Blutgefäße ein, ist eine Einblutung zwischen den Hirnhäuten möglich, was Druck auf das Rückenmark auslöst.

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