Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Die Spondylolisthesis ist eine Wirbelsäulenerkrankung, bei welcher sich ein oder mehrere Wirbelkörper gegeneinander verschieben (Wirbelgleiten) und so zu einem Stabilitätsverlust der Wirbelsäule führen. Eine Spondylolisthesis ist in Abhängigkeit von Ausmaß und Progredienz der Erkrankung (Beteiligung der Nerven, Spinalkanalstenose) in aller Regel im Rahmen konservativer Maßnahmen gut therapierbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wirbelgleiten?

Als Wirbelgleiten bzw. Spondylolisthesis wird das Gleiten eines Corpus vertebrae (Wirbelkörper) über dem darunter befindlichen Wirbelkörper bezeichnet, das nach erworbenen (Verschleiß, Traumata, Überlastung) und genetisch bedingten Formen (Spondylolyse) differenziert werden kann.

Die Verschiebung der Wirbel kann hierbei entweder nach vorne (Ventrolisthesis bzw. Anterolisthesis) oder nach hinten (Retrolisthesis) erfolgen. In den meisten Fällen sind die Lendenwirbel, insbesondere der 5. Lendenwirbel, von einer Spondylolisthesis betroffen, die oftmals asymptomatisch verläuft und keine Beschwerden verursacht.

Eine Spondylolisthesis kann sich anhand belastungsabhängiger Rücken- und Kreuzschmerzen sowie einem Instabilitätsgefühl im betroffenen Bereich manifestieren. In seltenen Fällen kann infolge einer Verengung des Wirbelkanals ein Wurzelkompressionssyndrom (Reizung der Wurzel eines Spinalnervs im betroffenen Wirbelsäulenbereich) vorliegen, das zu neurologischen Symptomen führt.

Ursachen

Eine Spondylolisthesis kann entweder genetisch bedingt oder erworben sein. Altersbedingte Veränderungen der Wirbelsäule, insbesondere der Bandscheiben, die mit zunehmendem Alter an Höhe verlieren, verursachen einen Spannkraftverlust der die Wirbelsäule stabilisierenden Bänder.

In der Folge verlieren die Wirbelkörper an Stabilität, so dass sie sich gegeneinander verschieben können (degeneratives Wirbelgleiten). Begünstigt wird dieser Verschleißprozess durch unzureichende Bewegung und eine schwach ausgeprägte Rumpfmuskulatur. Zudem können Ermüdungsläsionen oder -frakturen im Pars interarticularis des Wirbelbogens infolge einer zu starken Beanspruchung der Wirbelsäule (i.d.R. bei Leistungssportarten wie Speerwerfen, Stabhochsprung, Gewichtheben) zu einem Wirbelgleiten führen (isthmische Spondylolisthesis).

Daneben kann ein schweres Trauma mit Verletzungen der Wirbelsäule oder ein operativer Eingriff an der Wirbelsäule ein Wirbelgleiten bedingen (posttraumatische Spondylolisthesis). Ist das Wirbelsäulengefüge infolge einer angeborenen Defektbildung der Wirbelbögen (Spondylolyse) gestört, wird von einem angeborenen bzw. dysplastischen Wirbelgleiten gesprochen. In seltenen Fällen kann das Wirbelgleiten auf einen Tumor oder eine Entzündung zurückgeführt werden (pathologische Spondylolisthesis).

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Frau leidet an Rückenschmerzen
Bei einer Spondylolisthesis kommt es nicht selten zu starken Rückenschmerzen.

Eine Spondylolisthesis wird in aller Regel anhand einer Röntgenaufnahme diagnostiziert. Hierbei ist ein Wirbelgleiten in der Seitenaufnahme in Form einer bewegungsunabhängig fixierten Verschiebung des betroffenen Wirbelkörpers zu erkennen.

Gleichzeitig sind Aussagen zur Ausprägung der Spondylolisthesis (Gradeinteilung nach Meyerding) sowie zu Veränderungen der Wirbelsäule (Verkrümmungen, Gelenkarthrosen, Bandscheibenveränderungen, Osteoporose) möglich. Um eine Beteiligung von Weichteilen oder Nerven festzustellen, kommen darüber hinaus Computer- und Magnetresonanztomographien zum Einsatz.

In einigen Fällen kann ein angeborenes Wirbelgleiten im fortgeschrittenen Stadium anhand des Gangbildes (Seiltänzergang) diagnostiziert werden. Eine Spondylolisthesis weist in Abhängigkeit vom Vorliegen weiterer Beeinträchtigungen (Beteiligung der Nerven, Spinalkanalstenose) eine gute Prognose auf und kann bei geringgradigen Beschwerden im Rahmen konservativer Maßnahmen gut therapiert werden.

Komplikationen

Wer Gleitwirbel hat, kennt diese auch unter Bezeichnungen wie Wirbelgleiten oder Spondylolisthese. Die erworbene Erkrankung der Wirbelsäule betrifft meistens den vierten oder fünften Lendenwirbel. Da man das Wirbelgleiten in vier Schweregrade unterteilt - von Meyerding I bis IV - sind bei höheren Schweregraden Komplikationen nicht selten.

Eine der häufigsten Komplikationen des Wirbelgleitens sind starke Kreuzschmerzen, die jeder physiotherapeutischen Behandlung trotzen. Im Falle solcher Komplikationen sind operative Eingriffe eine Lösung. Bei einer hochgradigen Spondylolisthesis beziehungsweise einer Spondyloptose mit mehr als sechsmonatigen Schmerzzuständen muss gegebenenfalls operiert werden.

Infrage kommt eine operative Versteifung der Gleitwirbel. Die Direktverschraubung der Spondylolyse im Wirbelbogen kann bereits bei schwer betroffenen Kindern vorgenommen werden. Als Folge dieser Operation können Narbenbildungen und Nervenverletzungen auftreten. Oftmals kommt es durch neuerliche Belastung der versteiften Wirbelgelenke zu Schraubenbrüchen. Diese erfordern eine weitere Operation.

Die erworbene Instabilität der Wirbelsäule kann Nerven im Spinalkanal einklemmen. Außerdem können umliegende Nerven überdehnt werden. Es kann zu Nervenschäden oder Funktionsausfällen im Bereich der umliegenden Nerven kommen. Infolge des Drucks auf Nervenstränge sind Lähmungen möglich. Diese können die Beine, aber auch Blase und sonstige Verdauungsorgane betreffen. Durch die gleitenden Wirbel kommt es außerdem zu einer immer stärker werdenden Abnutzung der betroffenen Bandscheiben und Wirbelgelenke.

Behandlung & Therapie

Eine Spondylolisthesis wird in den meisten Fällen zunächst konservativ therapiert. Dabei zielt eine konservative Therapie auf eine Reduzierung der vorliegenden Schmerzen durch schmerzmindernde Medikamente sowie eine Stärkung der Rumpfmuskulatur durch physiotherapeutische, physikalische und krankengymnastische Maßnahmen.

Zur Entlastung und Stabilisierung der Wirbelsäule wird hierzu im Rahmen einer Physiotherapie die Rumpf- und Bauchmuskulatur individuell abgestimmt trainiert. Für die regelmäßige Bewegung, die einen Grundbaustein der Therapie darstellt, werden darüber hinaus rückenschonende Sportarten wie Radfahren, Rückenschwimmen, Nordic Walking empfohlen. In einigen Fällen kommt zusätzlich ein Korsett (Lindemann-Mieder) zur Stabilisierung der Wirbelsäule und sofortigen Schmerzreduzierung zum Einsatz, wobei dieses lediglich kurzfristig getragen werden sollte, um eine Schwächung der Rumpfmuskulatur zu vermeiden.

Physikalische Maßnahmen wie Massagen unterstützen zusätzlich die Schmerzreduzierung, während eine Rückenschulung zu einem wirbelsäulen- und bandscheibenfreundlichen Gang und Alltagsverhalten beitragen kann. Ist trotz konservativer Therapie nach 6 Monaten keine Verbesserung der Symptome feststellbar oder liegt eine Beteiligung der Nerven bzw. eine Spinalkanalstenose vor, kann ein operativer Eingriff angezeigt sein.

So kann der Wirbelkanal bei einer Spinalkanalstenose im Rahmen einer Laminektomie oder chirurgischen Dekompression geweitet und die instabilen Wirbelkörper versteift (Spondylodese) werden. Bei Jugendlichen mit einem ausgeprägten angeborenen Wirbelgleiten wird im Vorfeld der Spondylodese der betroffene Wirbel in seine ursprüngliche Lage zurückgebracht (Reposition).

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Vorbeugung

Einer Spondylolisthesis kann lediglich eingeschränkt vorgebeugt werden. Allerdings tragen eine gestärkte und trainierte Rumpfmuskulatur, ein durch ein wirbelsäulen- und bandscheibenschonendes Alltagsverhalten sowie regelmäßige Bewegung zur Minimierung des Risikos für Wirbelgleiten bei und verlangsamen ein Fortschreiten der Spondylolisthesis.

Bücher über Rückenschmerzen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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