Wirbelbruch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Unter einem Wirbelbruch wird die Fraktur eines Wirbels verstanden. Davon betroffen sind der Wirbelkörper, der Wirbelbogen oder der Dornfortsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wirbelbruch?

Bei einer Wirbelfraktur kommt es zum Bruch eines Wirbelteils. Dazu zählen der Wirbelbogen, der Wirbelkörper oder der Dornfortsatz. Meist sind Wirbelbrüche die Folge eines Bagatellunfalls. Sie können aber auch spontan infolge einer Erkrankung auftreten. Dazu gehören in erster Linie ausgeprägter Knochenschwund (Osteoporose) oder Tumormetastasen im Wirbelsäulenbereich.

Am häufigsten zeigen sich Wirbelbrüche an der Lendenwirbelsäule (LWS) und der Brustwirbelsäule (BWS). Allein in Deutschland kommt es jedes Jahr zu circa 6000 Wirbelbrüchen. Im Falle von schweren Wirbelsäulenverletzungen drohen schlimmstenfalls sogar dauerhafte Lähmungen.

Ursachen

Die Ursachen für Wirbelbrüche sind unterschiedlich. Bei jungen Menschen treten sie häufig infolge von Verkehrsunfällen, Arbeitsunfällen, Unfällen im Haushalt, Stürzen, Sportverletzungen wie beim Skifahren beziehungsweise Reiten oder nach körperlicher Gewalteinwirkung auf. Bei Senioren sind aber auch Wirbelfrakturen ohne eine konkrete äußerliche Einwirkung möglich, weil ihre Knochenstruktur bereits unter Vorschädigungen leidet.

Als häufigster Grund für einen krankheitsbedingten Wirbelbruch gilt die Osteoporose. Aber auch andere pathologische Ursachen wie eine Osteitis (Knochenentzündung), eine Knochenerweichung (Osteomalazie), Rheuma, Knochenkrebs oder Metastasen am Skelett kommen als Auslöser infrage. Die Wirbelfraktur setzt dabei ohne eine erkennbare Ursache wie einen Unfall ein. So führen bereits alltägliche Belastungen zu einem Bruch des Wirbels, denn der Knochen lässt sich aufgrund der Krankheit deutlich weniger belasten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als typisches Symptom eines Wirbelbruchs gelten Rückenschmerzen, die abrupt einsetzen. Selbst im Ruhezustand treten die Schmerzen mehr oder weniger stark ausgeprägt auf. Bei Bewegungen verstärken sich die Beschwerden in der Regel noch. Kommt es zu einer Fraktur im Halswirbelbereich, ist der Patient nicht mehr imstande, seinen Kopf richtig zu bewegen. Aus diesem Grund hält er ihn in einer Zwangshaltung.

Weitere mögliche Hinweise auf eine Wirbelfraktur sind Abschürfungen, ein Hämatom (Bluterguss) sowie Fehlstellungen. Mitunter stehen die Dornfortsätze an der Bruchstelle in einem größeren Abstand zueinander als sonst üblich. Werden auch die Nerven oder das Rückenmark durch den Wirbelbruch in Mitleidenschaft gezogen, treten weitere Symptome auf. Dabei kann es sich um Muskelschwäche, Muskellähmungen, Taubheitsgefühle oder Inkontinenz handeln. Auch eine Querschnittslähmung ist denkbar.

Als Hinweis auf einen Wirbelbruch, der durch Osteoporose verursacht wurde, gilt ein schnell einsetzender Verlust der Körpergröße des Betroffenen. So büßt der Patient mehrere Zentimeter an Größe ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf eine Wirbelfraktur, befasst sich der Arzt zunächst mit der Krankengeschichte des Patienten und lässt sich den auslösenden Unfall genau schildern. Auch die Symptome und die Art der Verletzungen können wichtige Aufschlüsse über den Zustand des Betroffenen liefern. Ein mögliches Indiz für einen Wirbelbruch sind Druck- oder Klopfschmerzen an einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt.

Nach einer körperlichen Untersuchung werden die Nervenfunktionen begutachtet. Außerdem erfolgt eine Röntgenuntersuchung zur Absicherung der Diagnose. Um einen Wirbelbruch festzustellen, können Röntgenaufnahmen von mehreren Wirbelsäulenstellen gemacht werden. Mit diesem Verfahren lassen sich Instabilitäten erkennen. Leidet der Patient unter Bewusstlosigkeit, muss die gesamte Wirbelsäule einer Röntgenaufnahme unterzogen werden.

Ergibt die Röntgenuntersuchung tatsächlich einen Wirbelbruch, findet danach eine Computertomographie (CT) statt, um die Schädigung von weiteren Körperstrukturen wie dem Rückenmarkskanal zu ermitteln. Der Verlauf eines Wirbelbruchs hängt von dessen Ausmaß ab. So lassen sich bestimmte Fehlstellungen nicht immer unterbinden. Ebenso sind Überlastungserscheinungen möglich, die jedoch nicht in jedem Fall Schmerzen zur Folge haben. Liegt eine Osteoporose vor, besteht das Risiko von weiteren Wirbelfrakturen.

Komplikationen

In der Regel bestehen bei einem Wirbelbruch gute Heilungschancen. Allerdings kann es in einigen Fällen auch zu Komplikationen kommen, die zuweilen ernsthafte Konsequenzen haben können. Das ist besonders dann der Fall, wenn Nervengewebe verletzt wird. Manchmal kommt es auch zur Einengung des Wirbelsäulenkanals.

Auch Nachbarsegmente können degeneriert sein. Ob es zu Komplikationen kommt, ist auch von der Art des Wirbelbruchs abhängig. So gibt es stabile und instabile Wirbelbrüche. Ein stabiler Wirbelbruch ist durch unbeschädigte Weichteile und Bänder in der Umgebung der Fraktur gekennzeichnet. Hier treten keine neurologischen Störungen auf. Bei instabilen Wirbelbrüchen sind ganze Wirbelabschnitte deformiert.

Hier besteht das große Risiko, dass verschobene Knochenbruchstücke das Rückenmark verletzen. Im Extremfall kann der instabile Wirbelbruch deshalb sogar eine Querschnittslähmung hervorrufen. Neben der Rückenmarksverletzung können als Spätfolgen eines Wirbelbruchs auch Gleichgewichtsstörungen sowie posttraumatische Kyphosen oder posttraumatische Skoliosen auftreten.

Wenn die Wirbel nach vorn einbrechen, kommt es unter anderem zu einem sogenannten Witwenbuckel, der auch als Kyphose bezeichnet wird. Eine Skoliose (seitliche Verbiegung der Wirbelsäule) entsteht durch Erniedrigung der Seitenkanten. Das führt zu einer Mehrbelastung der in diesem Bereich vorhandenen Bandscheiben. Die Wirbelsäulenverformungen können auch mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen verbunden sein.

Therapie & Behandlung

Ein Wirbelkörperbruch lässt sich sowohl auf konservative als auch auf operative Weise behandeln. Wurde der Bruch durch einen Unfall hervorgerufen, erfolgt zunächst die Stabilisierung der Fraktur, um weiteren Schäden am Wirbel oder am Rückenmark entgegenzuwirken.

Besteht nicht die Gefahr einer Instabilität, findet eine konservative Therapie statt. Dabei muss der Patient einige Tage lang Bettruhe einhalten. Die Behandlung der Schmerzen erfolgt mit Analgetika wie nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Kalzitonin. Unterstützt durch die Anlage eines Brustkorsetts und mithilfe eines Krankengymnasten kann der Patient in der Regel schon nach kurzer Zeit wieder aufstehen. Dabei werden auch spezielle Übungen durchgeführt, um die Rückenmuskeln zu trainieren.

Außerdem erlernen die Patienten Verhaltensweisen, die sich positiv auf den Rücken auswirken und Ähnlichkeit mit einer Rückenschule haben. Während der erste Abschnitt der Behandlung im Krankenhaus stattfindet, erfolgt der restliche Teil nach zwei bis vier Wochen auf ambulante Weise. Bei einem Halswirbelbruch muss der Patient ungefähr 6 bis 12 Wochen eine sogenannte Halskrause (Zervikalstütze) tragen. Ist eine Grunderkrankung wie Osteoporose für die Wirbelfraktur verantwortlich, erfolgt auch deren Behandlung.

Handelt es sich um einen stabilen Bruch, wird eine Operation nur im Falle von starken Schmerzen durchgeführt. Anders sieht es aus, wenn ein instabiler Bruch vorliegt. In solchen Fällen ist ein sofortiger operativer Eingriff notwendig. Dabei werden die instabilen Knochensegmente vom Arzt mit Metallschrauben oder Stangen überbrückt. Außerdem erfolgt eine Korrektur von Einengungen des Wirbelkanals. Eine zusätzliche Korsetttherapie ist zumeist nicht erforderlich. Nach etwa 6 bis 9 Monaten sind die versteiften Segmente verheilt.

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Vorbeugung

Einem Wirbelbruch lässt sich in vielen Fällen vorbeugen. Wichtig ist dabei das Vermeiden von Unfällen. Zu diesem Zweck können verkehrstechnische Sicherheitsmaßnahmen wie Rückenprotektoren oder Anschnallgurte zur Anwendung kommen. Im Falle einer Osteoporose wird eine frühzeitige Therapie empfohlen.

Bücher über Halswirbelsäulenbruch

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

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