Wetter und Klima im Urlaub und Ferien
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin)Viele Reisende und Urlauber sind der Meinung, sie könnten überall hinfahren, um möglichst viel Urlaub zu haben oder berichten zu können. Das ist leider nicht immer der Fall, wie die ärztliche Erfahrung lehrt. Wegen der Wichtigkeit des Umstandes, dass ärztlicher Rat erfahrungsgemäß nur selten eingeholt wird, sei es uns vergönnt, darüber nähere Ausführungen zu machen.
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Welche Ferien und Urlaubsorte eignen sich?
Klima und Wetter im Gebirge
Das Reizklima der höheren Lagen in den Gebirgen ist im allgemeinen für Menschen über 70 Jahre wegen der mangelnden Kräftereserven und der verringerten Anpassungsfähigkeit der Organe weniger geeignet, aber auch Herzkranke, Asthmatiker und Gehbehinderte sollten das Bergsteigen Leistungsfähigeren überlassen. Der häufige Temperaturwechsel, die abendliche und nächtliche Abkühlung, das Auftreten von Wetterfronten (Föhn) und plötzliche Wolkenbrüche und Gewitter können nach Durchnässungen zu Verschlimmerungen bei Emphysemkranken oder bei Herzkranzdurchblutungsstörungen zu Herzinfarkten führen.
Im Juni konnte man z.B. in den Alpen einen Schneefall erleben, der das Skifahren erlaubte. In den Hochgebirgen aber auch Mittelgebirgen beträgt die Tagestemperatur im auf ca. 800 Meter im Schnitt +15 Grad, abends +5 - +10 und auf den Bergen nicht selten um 1 Grad Celsius. Kommt es gar zur trockenen Luftveränderungen sind diese Urlaubsgebiete für Asthmakranke und Bronchialkranke ungeeignet.
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Herzkranke, die auch an Asthma leiden, oftmals nicht in solche Kurorte überwiesen werden, weil das Klima für Asthmatiker ungeeignet ist. Das gleiche gilt für alle Moor- und Schwefelbäder, und Kneippkurorte. Asthmakranke werden deshalb zweckmäßig eher an die Ostsee oder Nordsee fahren. Allerdings sollten sie auch dort kalte Speisen und Getränke sowie das Rauchen vermeiden.
Klima und Wetter an der Ostsee und Nordsee
Allerdings kann es im Reizklima am Meer zu Rückfällen von Geschwulstkrankheiten kommen, die sogar 7 Jahre nach der Operation beobachtet worden sind. Auch in Solbädern sind neben dem Aufflackern übersehener Zahnherde diese Erscheinungen festgestellt worden. Kropfkranken kann ebenfalls nicht ein Ostseeurlaub oder Nordseeurlaub empfohlen werden, weil unter dem Einfluss des Jodgehalts der Seeluft und des Jodreichtums der gegessenen Meeresfrüchte sich eine Basedowsche Glotzaugenkrankheit entwickeln kann.
Dagegen ist gerade der Jodgehalt für Arterienverkalkung segensreich und ersetzt bei Arteriosklerosekranken eine medizinische Kur. Wegen der an dem Meer möglichen plötzlichen Abkühlung ist der Aufenthalt Gallenkranker dort nicht anzuraten. Dass chronisch Mittelohrkranke mit Trommelfellverlust nicht in bewegter See schwimmen sollen, dürfte allgemein bekannt sein. Eingefettete Wattestöpsel im Gehörgang verbürgen bei starken Wellen oder Tauchen nicht die nötige Sicherheit.
Wer an chronischen Ekzemen, Schuppenflechte oder allergischen Hautkrankheiten leidet, sollte alljährlich seinen Urlaub an der Nord- oder Ostsee verbringen, denn nur regelmäßige Wiederholung kann Heilung und Besserung bringen, zumal eine alljährliche Kur seitens der Krankenkassen bei der weiten Verbreitung dieser Erkrankung nicht möglich ist. Für Blutarme ist der Aufenthalt am Meer besonders erfolgreich.Wandern in den Bergen
Bei Herzbeklemmungen ist Bewegung wertvoll, die durch Wandern in der freien Natur in bergiger Gegend zu einer Besserung der Blutversorgung durch Gefäßneubildung und Entlastung der verstopften Herzkranzgefäße führt. Die Übungsstrecken sind von 2 bis auf 20 km täglich zu steigern. Auch chronische Gelenkerkrankungen werden durch eine Klimakur im Mittelgebirge gebessert, weil eine bessere Durchblutung der Gelenke erzielt wird. Die neugewonnenen Leistungsfähigkeit bringt dann auch Selbstvertrauen und Lebensqualität zurück.
Das Mittelgebirgsklima, wie im Harz, im Fichtelgebirge, im Erzgebirge und im Bayrischen Wald beginnt etwa in 400 m Höhe, doch ist zu beachten, dass bereits in 700 bis 800 m Höhe charakteristische Züge des Hochgebirgsklimas zu finden sind, die sich durch stärkere Luftverdünnung, erhebliche Temperaturschwankungen, gleichmäßig über das ganze Jahr verteilte Sonnen- und (Ultraviolett-) Ozonstrahlung und Ozonwerte auszeichnen. Das starke Reizklima wird daher auch von Menschen mit Schilddrüsenschwellungen oft nicht gut vertragen.
Ein wichtiger Faktor für die Erholung ist aber die Ruhe im Urlaubsort bzw. Luftkurort. Damit ist es besonders in den überfüllten Strandorten und Seebädern schlecht bestellt. Wer nervös, erschöpft ist und völlige Entspannung sucht, tut gut daran, ins Mittelgebirge zu reisen, wo er in der Stille der unberührten Natur, herausgelöst aus der alltäglichen Umgebung, neue Kräfte schöpfen kann. Wir möchten diese Betrachtung nicht abschließen ohne den Ratschlag an alle Urlauber, die schöne Ferien in Ruhe zu genießen, denn der Lärm und die Hektik im Job und Alltag kommen ohnehin schneller wieder zurück als dem einen oder anderen lieb ist.
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