Wernicke-Aphasie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
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Bei der Wernicke-Aphasie handelt es sich um eine schwerwiegende Sprach- und Wortfindungsstörung. Erkrankte Menschen leiden unter extremen Sprachstörungen und sind nur mit größter Mühe in der Lage einfachste Wörter zu verstehen oder wiederzugeben. Wernicke-Aphasikern ist es nur mit intensivem Training und Therapie möglich überhaupt Sprachinhalte zu verstehen, indem sich auf Mimik und Sprachunterschiede konzentriert wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wernicke-Aphasie?

Die Wernicke-Aphasie gehört zu den tiefgreifendsten Sprachstörungen, an denen Menschen erkranken können. Ironischerweise tritt eine Aphasie erst nach vollendeter Sprachentwicklung auf. Betroffene Personen können durchaus über einen gewissen Wortschatz verfügen, sind jedoch nicht im Stande sich konkret und fokussiert auszudrücken.

Daher ist es möglich, dass eine Wernicke-Aphasie die Sprachbildung ganz oder nur teilweise stört. Aphasiker sind trotzallem in der Lage Mimik zu erkennen sowie Lautstärke und Intention des Tonfalls zu deuten, wenn eine wütende Person zum Beispiel schreit oder jemand weint. Strikt abgegrenzt werden muss die Erkrankung von einer psychisch oder geistigen Behinderung.

Ursachen

Die Ursache für diese Form der Aphasie ist meistens eine nachhaltige Schädigung des Wernicke-Sprachzentrums, einer Hirnregion im oberen Schläfenlappen des Betroffenen. Dies wird in den meisten Fällen durch einen Schlaganfall oder seltener durch einen Unfall verursacht. Das Sprachzentrum wird unter diesen Umständen entweder direkt geschädigt oder nicht ausreichend mit Blut versorgt und erleidet nachhaltige Schäden infolge des akuten Sauerstoffmangels.

Bei Unfällen wird durch ein Schädel-Hirn-Trauma, das bei Unfällen im Sport oder Straßenverkehr hervorkommen kann, nicht selten direkt das betroffene Hirnareal verletzt und erleidet dadurch bleibende Schäden. Die selteneren Ursachen für eine Wernicke-Aphase können unter anderem ein lokaler Hirntumor, Mangelversorgung des Gehirns oder altersbedingte Demenzerkrankungen sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Aphasien können sich auf alle Bereiche menschlicher Kommunikation auswirken. Das schließt Sprachinterpretation, Sprache sowie Lesen und Schreiben ein. Wurde die Aphasie in Folge einer direkten Schädigung des Hirnareals verursacht tritt die betreffende Störung direkt und nahezu unverzögert auf. Aphasien, die ihren Ursprung in Demenzerkrankungen haben, treten schleichend in Schüben auf und progressieren im Verlauf sich degenerierender Hirnsubstanz fortwährend.

Demenzbedingter Abbau von Hirnsubstanz, der mit Aphasie einhergeht, wird häufig durch Nebensymptome wie Veränderungen der Persönlichkeit und personenbezogenen Gewohnheiten, aber auch durch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen begleitet. Die Wernicke-Aphasie mündet in zwei grundlegende Symptome.

Wernicke-Aphasiker leiden auf der einen Seite unter Wortfindungsstörungen, bei denen die Wörter in ihrer Struktur und damit Bedeutung stark abgewandelt werden. So werden Silben und Buchstaben je nach Person ausgelassen oder hinzugefügt. Ein einfaches Wort wie Ball wird zum Beispiel zu All. In Folge dieser als Paraphasie genannten Symptomatik kann es auch dazu kommen, dass der Aphasiker Wortbedeutungen vollkommen verwechseln.

Dies kann selbst bei Wörtern passieren, die keinen ähnlichen Laut aufweisen. Auf der anderen Seite sind aber nicht nur einzelne Wortbildung betroffen, sondern die gesamte grammatische Kompetenz. Von Wernicke-Aphasikern gebildete Sätze erscheinen oft lang und kryptisch, Nebensätze werden falsch miteinander verbunden oder es treten Dopplungen auf, wodurch die komplette Satzbildung unverständlich wird.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da Sprache in unserem Leben eine zentrale Rolle spielt, ist das Feststellen und die Diagnose von Aphasien relativ unkompliziert. Treten erste Symptome wie die bereits genannte auf, wird der Betroffene von einem Neurologen auf Basis entsprechender Tests auf Wernicke-Aphasie geprüft. Als besonders effektiv haben sich sogenannte Tokentests erwiesen.

Der Neurologe bittet den Patienten mehrere Kärtchen verschiedener Farbe und Größe in Paaren zueinander passend anzuordnen. Dieser erste Test stellt in den meisten Fällen fest, ob eine aphasische Sprachstörung vorliegt. Noch genauer lässt sich eine Spracherkrankung nur noch mit dem AAT-Test (Aachener Aphasie-Test) bestimmen.

Dieser vermag zusätzlich noch den Grad der Erkrankung feststellen und dient darüber hinaus langfristig als Instrument in der Therapie, um zu erkennen, ob therapeutische Gegenmaßnahmen Wirkung zeigen. Werden diese Tests in Folge einer direkten Schädigung des Gehirns veranlasst, sollten auch neurologische Tests durchgeführt werden, die sich mit der Intelligenz und Persönlichkeit des Patienten befassen.

Behandlung & Therapie

Nach entsprechender Diagnose und Feststellung des Schweregrades der Aphasie kann eine durch Neurologen und Sprachtherapeuten gestützte linguistische Therapie erfolgen. Je früher die Wernicke-Aphasie entdeckt wird, desto größere Chancen hat der Patient seine Kommunikation wieder zu verbessern. Oberstes Ziel der Therapie ist die Sprachfähigkeit zu erneuern.

Der Therapeut muss darüber hinaus das Gefühl vermitteln können, dass der Patient nicht allein mit seiner einschneidenden Erkrankung ist, sondern durchaus positive Heilungschancen in Aussicht hat. Um grundlegende Sprachkompetenzen zurückzuerlangen, wird der Therapeut auf bekannte, einfache Wortreihen zurückgreifen. Das Aufsagen der Monate, Lieblingsgegenstände, Wochentage oder Familiennamen sind dabei nur ein erster Schritt und zeigen schnell Erfolg, was den Patienten zusätzlich motivieren soll.

Da die Wernicke-Aphasie häufig die Bildung von Sätzen beeinflusst, übt der Therapeut an einfachsten Sätzen die korrekte Grammatik und sinnvolle Aufstellung der Wörter. Gegen Ende der Therapie wird mit dem Aphasiker schließlich geübt die wiedergewonnenen Sprachkompetenzen auf die Alltagskommunikation anzuwenden. Dieser Abschnitt wird meistens in kontrollierter Umgebung einer Gruppentherapie mit anderen Aphasikern durchgeführt und nimmt dem Patienten die Angst vor Fremden in einer unbekannten Situation sprechen zu müssen.

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Vorbeugung

Eine Wernicke-Aphasie komplett vorzubeugen, ist schlicht unmöglich. Abgesehen von Unfällen, die auf höhere Gewalt zurückzuführen sind, ist es jedoch möglich Risikofaktoren wie Schlaganfälle oder Sklerosen vorzubeugen. Gesunde, ausgewogene Ernährung, sportlich und geistig aktiv bleiben, bedeuten eine enorme Risikominderung. Achten Sie auf zentrale Ernährungswerte wie Blutzuckerwerte, Ihren Cholesterinspiegel, Blutfettwerte und Ihren Blutdruck. Vermeiden Sie regelmäßiges Rauchen und arbeiten Sie an möglichem Übergewicht.

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