Wehensturm

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
Startseite » Krankheiten » Wehensturm

Beim Wehensturm stellt sich eine hyperaktive Wehentätigkeit ein, die zu starken oder zu kurz aufeinander folgenden Wehen entspricht. Diese Erscheinung kann eine Uterusruptur verursachen und den Fetus in Gefahr bringen. Falls keine Schnittgeburt eingeleitet wird, ist die Gabe von Notfallmedikamenten erforderlich, um die Kontraktionen zu reduzieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Wehensturm?

Der Wehensturm ist eine hyperaktive Wehentätigkeit. Dabei treten die Wehen entweder mit einer Amplitude von mehr als 50 mmHg oder bei normaler Amplitude in nur geringen Abständen auf. Das meint in diesem Fall mehr als 5 Wehen in einem Zeitraum von zehn Minuten. Der Basaltonus liegt bei beiden Erscheinungen im normalen Bereich. Der Wehensturm ist eine Komplikation, die mit Risiken verbunden ist.

So kann es im Rahmen der Erscheinung zum Beispiel zu einer Ruptur des Uterus kommen. Auch eine Unterversorgung des ungeborenen Kindes mit Sauerstoff kann vorkommen. Daher muss die Geburtshilfe auf einen Wehensturm mit hoher Reaktionsschnelligkeit reagieren. Als Ursache der Erscheinung kommen unter anderem Fehldosierungen bestimmter Medikamente in Frage. Auch eine falsche Lage oder die Form des Embryos sind als Ursachen eines Wehensturms in Betracht zu ziehen.

Ursachen

Wenn ein Missverhältnis zwischen dem ungeborenen Kind und dem Becken der Mutter vorliegt, dann kann das einen Wehensturm verursachen. Diese Aussage trifft vor allem auf einen makrosomen Fetus zu, der relativ hohes Geburtsgewicht aufweist. Auch ein Fetus mit normalem Gewicht und durchschnittlicher Größe kann bei einer enorm zierlichen Frau mit einem engen Becken aber den Wehensturm verursachen.

Ebenso oft ist eine anomale Haltung oder Lage des ungeborenen Kindes die Ursache eines Wehensturms. Auch Zervixdystokien kommen zuweilen als Ursachen in Frage. Manchmal wird der Wehensturm durch zu hoch dosiertes Oxytozin verursacht. Diese Substanz wird auch im Organismus produziert. Wenn also der endogene Oxytozin-Gehalt zu hoch ist, kann das ebenso einen Wehensturm zur Folge haben. Der endogene Oxytozin-Spiegel steigt vor allem bei Mehrlingsschwangerschaften an, da der Uterus stark gedehnt wird. Genauso haben auch Amniotomien manchmal einen abnormal hohen Oxztozin-Spiegel zur Folge.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die werdende Mutter erlebt die Wehen beim Wehensturm entweder zu schnell aufeinander folgend oder abnormal stark. In der Regel beklagt sie zudem starke Schmerzen. Wenn die Bandl-Furche im Uterus im Rahmen des Wehensturms ansteigt und den Nabel erreicht, besteht normalerweise vor allem Druckschmerzhaftigkeit im unteren Segment des Uterin. Falls diese Erscheinung eintritt, kann eine Uterusruptur drohen. Anhaltende Schmerzen während der Wehenpause verweisen ebenso auf einen Uterusdurchbruch.

Die Ruptur des Uterus ist aber nicht die einzige Gefahr. Auch das ungeborene Kind kann bei einem Wehensturm in Gefahr geraten. Im Rahmen dieser Erscheinung steigt der intrauterine Druck an. Damit kann die Sauerstoffversorgung des Fetus bedroht werden. Die fetale Herzfrequenz muss von der Geburtshilfe durch Kardiotokographie daher permanent kontrolliert werden. Falls die Herzfrequenz pathologische Werte zeigt, wird in der Regel eine Mikroblutuntersuchung eingeleitet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Normalerweise reicht ein Abtasten des Uterus aus, um den ersten Verdacht auf einen Wehensturm zu hegen. Der Uterus der Schwangeren ist abnormal hart und unbeweglich. Das Tokogramm sichert die Diagnose, indem es zu häufige oder zu starke Kontraktionen zeigt. Zuweilen ist auch eine Dauerkontraktion aus dem Tokogramm ersichtlich. Durch ein Abtasten des Muttermunds lassen sich Lageanomalien als Ursache des Wehensturms ausschließen.

Die Kardiotokographie des ungeborenen Kindes und die Mikroblutuntersuchung sind wichtige Zusatzuntersuchungen, um die Unversehrtheit des Fetus sicherzustellen. Der Verlauf eines Wehensturms ist in der heutigen Zeit in aller Regel günstig und wird mitunter von der Reaktionsschnelligkeit und Erfahrung der Hebammen und des behandelnden Arztes bestimmt.

Komplikationen

Ein Wehensturm hat im Normalfall keine größeren Komplikationen zur Folge. Es kann allerdings zu Schmerzen und anderen Begleiterscheinungen kommen. Die werdende Mutter verspürt meist ein starkes Unwohlsein, verbunden mit Schweißausbrüchen und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Die typischen Druckschmerzen können dazu führen, dass die Patientin verkrampft und die Wehentätigkeit nicht mehr adäquat unterstützen kann.

Des Weiteren besteht die Gefahr, dass die Bandl-Furche im Uterus ansteigt. Geschieht dies, kann eine Uterusruptur auftreten, die mit lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden ist. Auch ein kompletter Uterusdurchbruch ist denkbar. Das Kind ist bei einem Wehensturm ebenfalls gefährdet. Steigt der intrauterine Druck zu stark an, kann dies die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinflussen.

Eine mangelnde Luftzufuhr kann zu körperlichen und geistigen Folgeschäden führen. Im schwersten Fall verstirbt das Kind an den Folgen eines Wehensturms. Bei der Behandlung eines Wehensturms gehen die Risiken von den verordneten Medikamenten aus. Meist wird Partusisten verabreicht, welches zu Kreislaufbeschwerden führen kann.

Muss eine Schnittgeburt erfolgen, ist dies stets mit Risiken verbunden. So kann es im Rahmen des Kaiserschnitts zu Verletzungen der Gefäße und Muskeln oder des Kindes kommen. Nach einem Eingriff bleiben oftmals Narben zurück, die gelegentlich mit Wundheilungsstörungen und Narbenschmerzen einhergehen.

Behandlung & Therapie

Die werdende Mutter wird beim Wehensturm vor allem zu ruhiger Atmung angeleitet, damit sich die Sauerstoffversorgung des Fetus nicht weiter verschlechtert. Entspannungstechniken werden angewandt. Auch ein warmes Bad kann eine Entspannung initiieren. Im Notfall werden zudem krampflösenden Medikamenten gegeben. Die werdende Mutter begibt sich in Knie-Ellenbogen-Lage, um den Druck auf den Muttermund zu reduzieren.

Durch die so reduzierte Stimulation des Muttermunds wird ein Rückgang der Wehen herbeigeführt. Wenn eine abnormale Haltung des Fetus den Wehensturm verursacht, ist eine vaginale Geburt nicht realisierbar. Die Geburtshilfe leitet in diesem Fall eine Schnittgeburt ein. Falls der Wehensturm eine andere Ursache hat und eine vaginale Geburt realisierbar ist, gibt die Gynäkologin der werdenden Mutter im Zweifelsfall eine rückenmarksnahe Betäubung. Diese Periduralanästhesie reduziert den Wehenschmerz.

Als Notfallmedikament wird in der Regel Partusisten verabreicht, das die Gebärmutter von heftigen Kontraktion abhält. So ist die Sauerstoffversorgung des Fetus wider gesichert. Die Herzfrequenz der Mutter steigt als eine Nebenwirkung des Medikaments deutlich an, normalisiert sich in aller Regel aber nach dem Abbau des Medikaments. Die Gabe des Medikaments ist zwingend erforderlich, um das ungeborene Kind nicht weiter in Gefahr zu bringen und die Geburt voranzutreiben.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Dem Wehensturm ist nur bis zu einem gewissen Grad vorzubeugen, indem zum Beispiel bei einem Missverhältnis zwischen dem ungeborenen Kind und dem Becken der Mutter von vornherein eine Schnittgeburt bevorzugt wird.

Bücher über Geburtsvorbereitung

Quellen

  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: