Was tun, wenn ein Zahnersatz nötig wird

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Selbst die fleißigsten Putzer und Zahnseide-Benutzer sind nicht zwingend davor gefeit, dass sie eines Tages Zahnersatz benötigen. Gründe gibt es viele und auch ebenso viele Optionen, sowohl örtlicher wie finanzieller Natur. All das soll im folgenden Ratgeber seinen Niederschlag finden.

Warum Zahnersatz?

Das Problem am Zahnersatz für unser Gesundheitssystem ist die Häufigkeit dieser Diagnose gepaart mit den fast immer hohen Kosten der Behandlung.

Jahrzehntelange Auftritte von Zahnmedizinern in Grundschulklassen, Werbung, Produktentwicklung und Vorsorgetermine haben eines bewirkt: Deutschlands Bedarf an Zahnersatz aus "Altersgründen" wird immer geringer.

Wie die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie beweist, benötigt heute nur jeder achte jüngere Senior (zwischen 65 und 74) bzw. 12,4% eine Vollprothese.

Zum Vergleich: 1997 war es mit 24,8% noch jeder vierte Angehörige dieser Gruppe. Das ist schon für sich eine sehr respektable Zahl, die allerdings noch imposanter wird, wenn man bedenkt, dass es heute auch mehr Senioren in diesem Alterssegment gibt als damals.

Allerdings: Auch der pfleglichste Umgang mit dem eigenen Gebiss schützt leider nicht davor, trotzdem Zähne zu verlieren. Zwar sind Karies und Parodontitis nach wie vor die bedeutsamsten Zahn-Zerstörer, doch es gibt eben auch Gründe, die nichts mit mangelnder Hygiene zu tun haben:

Sie alle können dazu führen, dass einer oder sogar alle Zähne ersetzt werden müssen. Und dann ist guter Rat oft buchstäblich teuer.

Die Rolle der Versicherungen

Oft werden teure Vollkeramik- oder Kompositkronen verwendet, die sich jedoch durch einen besonderen Kunststoff gut mit dem Zahn verkleben lassen.

Das Problem an der Sache ist, dass sowohl der Zahnerhalt wie der Zahnersatz für das, was sie "erbringen" eine vergleichsweise teure Angelegenheit sind. Natürlich ist beispielsweise ein fehlender Eckzahn nicht sonderlich schön und schränkt einen auch in der Lebensqualität ein. Jedoch, und das ist das Entscheidende, es ist keine wirklich lebensbeeinträchtigende Krankheit und auch keine, die bei Nichtbehandlung so lange schlimmer wird, bis Lebensgefahr besteht.

Zudem sind die Zähne, auch nach den heute reduzierten Zahlen, eine der größten Volkskrankheiten Deutschlands, vornehmlich zwar durch Karies, aber eben eine Krankheit, die unterschiedslos in sämtlichen Schichten und Altersklassen grassiert. Und die Behandlung ist wie erwähnt teuer. Nicht nur, dass Ersatz generell angefertigt werden muss. Er muss auch auf den, bei praktisch jedem Mensch unterschiedlichen Kiefer, angepasst und dort in aufwendigster Weise fixiert werden. Ein unglaublicher Aufwand vergleichbar mit einer ausgewachsenen OP im Bauchbereich.

Große Häufigkeit, hohe Preise, eine schlechte Kombination – die bereits 2005 die Kassen so überforderte, dass sie ein Festzuschuss-System implizierten. Seitdem hat jeder Zahnbefund dort einen eigenen Code und eine einen festen Wert, der bezuschusst (lies: von der Kasse bezahlt) wird. Den Rest müssen die Betroffenen selbst erbringen – derzeit sind es satte 50 Prozent.

Und das Problem daran ist, dass die gezahlten Leistungen immer nur eine Regelversorgung sind. Eine „gut genug“-Lösung aber keine, die die betroffenen Zähne „wie neu“ wiederherstellt. Wer etwa eine Brücke benötigt, bekommt diese nach dem Regelsatz unverblendet als loses Implantat eingesetzt – im Klartext also Stahl oder Titan, per Haftcreme oder Metallbügel zu fixieren und auf Kosten der Kasse nur im sichtbaren Frontbereich mit einer der Zahnfarbe entsprechenden keramischen Blende versehen. Wer da nicht beim Gähnen zeigen möchte, dass seine Backenzähne bereits Ersatz sind oder riskieren will, dass seine Schneidezahnbrücke durch allzu heftiges Lachen herausfällt, der muss tief in die Tasche greifen.

Da nützt es auch nichts, dass durch das regelmäßige Führen eines Vorsorgeheftes die Eigenleistung weiter gedrückt werden kann – denn selbst mit zehnjähriger "Guter Führung" und halbjährlichen Kontrollen bleiben immer noch zwischen 35 und 40 Prozent der Kosten am Patienten hängen.

Alternativen

Zahn-Zusatzversicherungen sind ein vergleichsweise günstiges Langzeit-Mittel. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass professionelle Reinigungen ebenfalls übernommen werden.

Angesichts dieser Tatsachen haben sich seit der Einführung dieses Systems in 2005 eine Reihe von möglichen Hilfestellungen etabliert. Dies vor allem unter der Bedingung, dass Zahnersatz wegen der erwähnten Komplexität der Eingriffe und Prothesen schnell in die tausende oder gar zehntausende gehen kann.

Härtefallregelung: Selbst Menschen, die zur Mittelschicht gehören, fallen heute im Alter oft in ein finanzielles Loch, weil das derzeitige Rentenniveau nach Abzug aller Kosten gerade mal 44,7 Prozent des letzten Lohns beträgt. Hier greift die Härtefallregelung der Kassen ein: Wer monatliche Bruttoeinnahmen von unter 1190 Euro (zusammenlebende Ehepaare 1636,25 Euro) zur Verfügung hat, muss für Zahnersatz keinen Eigenanteil zahlen. Erweitert wird diese Gruppe durch Sozialhilfe-, Hartz-IV-, und Grundsicherungsempfänger. Doch selbst wer die Einkommensgrenze nur gering überschreitet, hat gute Chancen, zumindest einen Zuschuss seiner Kasse zu der normalerweisen 50-Prozent-Versorgung zu bekommen.

Kredite: Selbst der Fifty-Fifty-Anteil der Regelversorgung und erst recht aufwendigere Behandlungsmethoden können auch einen Haushalt, der nicht zu den Geringst-Verdienern gehört, in eine finanzielle Zwickmühle bringen, welche es erfordert, zusätzliche Mittel zu bekommen, um so die Behandlungskosten tragen zu können. Eine praktikable Option ist es dabei, auf Institute zu setzen, die keine Schufa-Abfrage durchführen – denn schon eine Anfrage kann die eigene Note negativ beeinflussen, erst recht ein genommener Kredit.

Zusatzversicherung: Praktisch alles lässt sich versichern, so auch die Eigenleistung beim Ersatz der Zähne. Zusatzversicherungen gibt es derzeit buchstäblich wie Sand am Meer, oft zu geringen monatlichen Kosten im Bereich von zehn Euro. Doch wo sich so viele tummeln, ist eine sorgsame Auswahl vonnöten. Denn gerade die sehr günstigen Angebote übernehmen nur Behandlungen – und generell nicht in den ersten Monaten nach Vertragsabschluss sowie auch nur dann, wenn sie vor Behandlungsbeginn benachrichtigt werden. Zudem sollte dringend darauf geachtet werden, dass in der Versicherung andere Leistungen wie Zahnreinigungen inkludiert sind – denn Vorbeugen ist immer besser als Behandlung.

Auslandsbehandlung: Die letzte Option besteht darin, die Tatsache zu nutzen, dass Zahnbehandlungen – bei ansonsten gleicher Qualität – im Ausland oft erheblich günstiger sind als hierzulande. Just diesen Markt haben in jüngster Zeit Zahnkliniken in Polen und Ungarn für sich entdeckt. Der Vorteil: Die Bezahlung erfolgt ganz genauso, als würde man zu einem deutschen Zahnarzt gehen. Der ausländische Arzt erstellt einen Heilungsplan, der von der Kasse abgesegnet werden muss und legt dann los. Auch die Versicherer mögen diese Option, denn sie senkt eben nicht nur die Realkosten des Eigenanteils, sondern auch deren Kosten.

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