Warthin-Tumor

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
Startseite » Krankheiten » Warthin-Tumor

Der Warthin-Tumor ist ein gutartiger Tumor der Speicheldrüse. Von der Neoplasie sind vor allem Männer im höheren Lebensalter betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Warthin-Tumor

Erstmalig wurde der Warthin-Tumor bereits im Jahr 1895 vom deutschen Chirurgen Otto Hildebrand erwähnt. Damals trug der Tumor noch den Namen Adenolymphom. 1910 wurde der Tumor von Heinrich Albrecht und Leopold Arzt genauer beschrieben und dann 1929 von Warthin als papilläres Cystadenoma lymphomatosum bekannt gemacht.

Der Warthin-Tumor wird auch als Adenolymphom oder Cystadenolymphoma papilliferum bezeichnet. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 62 Jahren. Der Tumor findet sich bevorzugt bei Männern zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr. Eine Manifestation im Kindesalter ist zwar durchaus möglich, der Tumor entwickelt sich aber äußerst selten vor dem 40. Lebensjahr.

Zwar sind immer mehr Männer von dem Tumor betroffen, die Erkrankungsquote hat sich aber in den letzten Jahren verschoben. Waren in den 1950er Jahren noch zehnmal mehr Männer als Frauen betroffen, erkranken heute aufgrund geänderter Lebensgewohnheiten immer mehr Frauen. Es wird erwartet, dass in Zukunft ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bei der Krankheitshäufigkeit erreicht wird.

Ursachen

Die Ursache der Tumorentstehung ist bisher unbekannt. Zwar wird die Erkrankung in der Regel den echten Neoplasien zugeordnet, es könnte sich bei den Tumoren aber auch um erworbene multizystische reaktive Erkrankungen handeln. So zeigte sich, dass die Tumore polyklonalen Ursprungs sind. Andere Studien zeigten jedoch, dass bei einem Teil der Warthin-Tumore Fusionsgene zwischen dem Chromosom 11 und dem Chromosom 19 zu finden sind.

Genau dieselben Veränderungen wurden auch bei dem sogenannten mukoepidermoiden Karzinom, einer bösartigen Neoplasie, gefunden. Forscher vermuten, dass der Tumor aus heterotropen Speicheldrüsengängen in Lymphknoten ausgeht. Heterotropes Gewebe befindet sich außerhalb seiner eigentlichen anatomischen Lokalisation. Für diese Theorie spricht die Tatsache, dass die Warthin-Tumore häufig am unteren Pol der Ohrspeicheldrüse lokalisiert sind.

Hier finden sich auch die meisten Lymphknoten. Wieder andere Hypothesen sehen den Tumor als eine adenomatöse Vermehrung von Gewebe. Diese Proliferation soll eine lymphozytäre Infiltration bedingen. Ein bedeutender Risikofaktor sei das Rauchen. Rauchen erhöht die Erkrankungshäufigkeit vermutlich um das acht- bis zehnfache. Das Risiko steigt umso mehr an, je länger die betroffene Person raucht. Die Intensität des Tabakkonsums scheint hingegen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Studien zeigen, dass mehr als 90 Prozent der Patienten mit einem Warthin-Tumor Raucher sind. Zudem ist das Risiko eines beidseitig auftretenden Tumors bei Rauchern erhöht. Vermutlich wird die mitochondriale DNS durch das Rauchen geschädigt. So zeigen die Zellen des Warthin-Tumors in der histologischen Untersuchung häufig eine fehlende mitochondriale DNS und pathologisch veränderte Mitochondrien.

Auch nach Kontakt mit ionisierender Strahlung wurde eine erhöhte Krankheitshäufigkeit beobachtet. Beispielsweise traten die Warthin-Tumore bei Überlebenden von Atombombenexplosionen gehäuft auf. In der Diskussion steht auch die Beteiligung von Viren an der Entstehung der Tumore. So findet sich in den Zellen des Tumors häufig das Humane Herpes Virus Typ 8. Zudem tritt der Tumor bei HIV-infizierten Patienten häufiger auf. Auch verschiedene [[Autoimmunerkrankung]en scheinen mit den Ohrspeicheldrüsentumoren assoziiert zu sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Charakteristisches Symptom des Warthin-Tumors ist eine schmerzlose Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüse. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist der Tumor in der Regel zwischen zwei und vier Zentimetern groß. In Extremfällen kann er aber auch zwölf oder dreizehn Zentimeter groß sein.

Nur ein Zehntel der Patienten klagt über Schmerzen. Wenn sich das Tumorgewebe entzündet, können allerdings starke Schmerzen auftreten. Auch eine Kompression des Nervus facialis geht mit Schmerzen einher. Eine Gesichtslähmung (Fazialisparese) wird hingegen nur in seltenen Fällen beobachtet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Schwellungen im Bereich der Ohrspeicheldrüsen lassen an einen Warthins-Tumor denken. Bei Verdacht werden bildgebende Verfahren zur Diagnosesicherung eingesetzt. Zur Diagnose eigenen sich Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie. Die Szintigrafie wird zur Diagnosestellung nur noch sehr selten genutzt. Eine definitive Diagnose kann in den meisten Fällen erst anhand einer präoperativen Biopsie gestellt werden.

In der histologischen Untersuchung zeigt sich ein Tumor, der durch eine dünne Bindegewebskapsel abgegrenzt ist. Der Tumor besteht aus epithelialen Bereichen und Zysten, die in lymphoides Bindegewebe eingebettet sind. Zellen und Zellkerne sind in der Regel normal ausgebildet. Mithilfe der Feinnadelbiopsie können in mehr als 95 Prozent der Erkrankungsfälle korrekte Diagnosen gestellt werden.

Spätestens mithilfe des entnommenen Tumors lässt sich die Diagnose dank histologischer Untersuchung sichern. Da der histologische Aufbau des Warthin-Tumors sehr charakteristisch ist, ist die Diagnosestellung in der Regel unproblematisch. Trotzdem muss eine differenzialdiagnostische Abgrenzung zu dem lymphoepitheliomartigen Karzinom und zum mukoepidermoiden Karzinom erfolgen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es beim Warthin-Tumor nicht zu besonderen Komplikationen und auch nicht zu einem schwerwiegenden Verlauf. Da der Tumor selbst gutartig ist, ist dabei in der Regel auch keine direkte Behandlung notwendig, falls die Erkrankung nicht zu starken Einschränkungen im Alltag des Patienten führt. Die Betroffenen leiden dabei an einer Schwellung im Bereich des Ohres.

Die Größe dieser Schwellung ist dabei sehr stark von der Ausprägung des Tumors abhängig, sodass sich diese auch negativ auf den Alltag auswirken kann. In einigen Fällen kann der Warthin-Tumor zu starken Schmerzen führen, sodass die Patienten auf eine Behandlung angewiesen sind. Sollte der Tumor den Nerv beschädigen und komprimieren, kann es zu einer Lähmung im Gesicht kommen. Wird der Nerv vollständig geschädigt, kann diese Lähmung häufig nicht mehr behoben werden.

Die Behandlung des Warthin-Tumors erfolgt mit Hilfe eines operativen Eingriffes. Dabei treten keine Komplikationen auf und der Tumor kann in der Regel vollständig entfernt werden, sodass es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Bei der frühzeitigen Diagnose und Behandlung dieses Tumors wird auch die Lebensberatung des Patienten nicht negativ beeinflusst.

Therapie & Behandlung

In der Regel wird der Warthin-Tumor chirurgisch vollständig entfernt. Die Operation findet meist in Form einer oberflächlichen Parotidektomie statt. Bei dieser wird der Außenlappen der Ohrspeicheldrüse komplett entfernt oder ausgeschält. Die Ausschälung (Enukleation) ist vorzuziehen, da die Operationszeit deutlich kürzer ist. Zudem ist die Komplikationsrate geringer und das kosmetische Ergebnis besser.

Bei Patienten mit einem hohen Narkoserisiko wird normalerweise auf eine Operation verzichtet. Der Warthin-Tumor wächst nicht aggressiv und metastasiert nicht, sodass eine Entfernung nicht zwingend nötig ist. Es sollte jedoch beachtet werden, dass bei einer Diagnosestellung, die ausschließlich auf einer Feinnadelbiopsie beruht, eine bösartige Erkrankung leicht übersehen werden kann.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Hauptrisikofaktor für den Warthin-Tumor scheint das Rauchen zu sein. Zigaretten und andere Tabakprodukte sollten zur Prävention deshalb zwingend gemieden werden.

Bücher über Schilddrüsenerkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: