Wanderniere

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. August 2017
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Als Wanderniere (Nephroptose, Senkniere) bezeichnet man eine Absenkung der Niere, die den Harnfluss behindern und zu schmerzhaften Beschwerden führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wanderniere?

Das Krankheitsbild der Wanderniere besteht bereits seit dem 9. Jahrhundert. Seit 1885 wird der Terminus Nephroptose verwendet, der zunächst aber für unterschiedliche Krankheitsbilder gebraucht wurde. Von einer Nephroptose spricht man, wenn die Niere bei aufrechter Körperhaltung um etwa fünf Zentimeter absinkt.

Eine Wanderniere tritt meist zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr auf, wobei Frauen häufiger davon betroffen sind als Männer. Im Normalfall senken beziehungsweise heben sich die Nieren beim Ein- und Ausatmen, wobei die Beweglichkeit individuell verschieden ist. Man kann insgesamt drei Grade der Beweglichkeit unterscheiden:

  • Bei tiefem Einatmen senkt sich der untere Pol der Niere, sonst bleibt er jedoch hinter dem Rippenbogen liegen.
  • Beim Einatmen senkt sich die Niere so weit ab, dass im Rahmen einer Palpation die Hand zwischen Rippenbogen und oberen Nierenpol gelegt werden kann.
  • Die Niere bewegt sich so frei, dass sie sich auch beim Husten oder bei aufgerichtetem Oberkörper komplett vor dem Rippenbogen befindet. Sie kehrt erst bei Lageveränderung hinter den Rippenbogen zurück.

Ursachen

Eine Ursache für die Beweglichkeit der Niere ist eine unzureichende Fixierung durch Blutgefäße beziehungsweise die Fettkapsel, was häufig auf ein geschwächtes Bindegewebe zurück zu führen ist. Betroffen sind vor allem schlanke Personen, die sehr stark an Gewicht verloren haben. In den meisten Fällen tritt eine Nephroptose an der rechten Niere auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer aufrechten Körperposition bewegt sich die erkrankte Niere nach unten und kann sich bis in das Becken absenken. In vielen Fällen treten keine Beschwerden auf, jedoch kann es durch die Zugwirkung am Nierengefäßstiel, die auftritt, wenn die Niere absinkt, auch zu Schmerzen kommen. Als Leitsymptom tritt sehr häufig ein einseitiger Abdominal- beziehungsweise Flankenschmerz auf, der bei Bewegung schlimmer wird.

Legt sich der Patient hin, so verschwinden die Schmerzen meist wieder. Weitere Symptome sind eine nachlassende Urinproduktion, Erbrechen, Übelkeit sowie Herzjagen. In Folge kann auch eine Minderdurchblutung der Niere auftreten, problematisch ist es auch, wenn der Harnleiter abknickt, der die Verbindung zwischen Niere und Harnblase herstellt.

Dann tritt ein Harnstau auf und es kann zu einer schweren Schädigung der Niere kommen. Das Nierenbecken beziehungsweise das Kelchsystem können sich stark erweitern und es treten Nierensteine auf. Eine weitere Folge sind Nierenbeckenentzündungen oder Harnwegsinfektionen. Grundsätzlich werden drei Gruppen der Nephroptose unterschieden:

  • Wandernieren, die keine Beschwerden verursachen
  • Wandernieren mit unklaren Symptomen ohne funktionelle beziehungsweise anatomische Störungen
  • Wandernieren mit Beschwerden, die exakt lokalisierbar sind, und bei denen es zu eindeutigen funktionellen und anatomischen Veränderungen kommt. Hier treten oft kolikartige Schmerzen auf und die Patienten klagen über Kreuzschmerzen beim Bücken.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Nach einer Anamnese werden die Patienten zunächst körperlich untersucht. Eine Wanderniere kann vor allem durch eine spezielle Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung oder mit Hilfe eines Ultraschalls festgestellt werden. Außerdem müssen andere Erkrankungen wie Gallenwegs- sowie Magen-Darm-Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen, oder Veränderungen an der Wirbelsäule ausgeschlossen werden.

Bei Frauen sollte auch eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. Ein Isotopennephogramm kann Auskunft darüber geben, ob Abflussbehinderungen bestehen. Sinkt die Niere um zwei Wirbelkörperhöhen ab und kann ein Aufstau festgestellt werden, so wird eine Nephroptose angenommen. Auch auf den Röntgenbildern kann der Arzt eine Positionsänderung der Niere feststellen.

Im Rahmen einer Isotopenclearance, die im Liegen beziehungsweise im Sitzen durchgeführt wird, kann die Nierendurchblutung oder eine eventuelle Urinabflussbehinderung untersucht werden. Bei einem bestehenden Hypertonus kann auch eine Angiographie hilfreich sein.

Therapie & Behandlung

Liegen keine oder nur geringe Beschwerden vor, so muss eine Wanderniere nicht behandelt werden. Für leichte Schmerzen werden Medikamente verabreicht. Im Rahmen einer konservativen Therapie erfolgt darüber hinaus eine Stärkung der Bauchmuskulatur, eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist das Tragen eines Korsetts.

Wenn die Symptome durch eine konservative Therapie nicht verbessert werden können, so kann eine Operation erfolgen. Diese ist vor allem dann indiziert, wenn die Patienten unter starken Beschwerden oder Harnflussstörungen leiden. In diesem Fall wird die Niere im Rahmen einer Operation befestigt. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt, wobei der Chirurg an der Flanke zunächst einen Hautschnitt macht. Anschließend wird die bewegliche Niere durch Nähte an der Rippenunterkante oder an der Rückenmuskulatur befestigt. Für einen besseren Halt nimmt der Arzt auch Einkerbungen an der Nierenkapsel vor.

Anschließend führt man einen Drainageschlauch ein, damit Wundflüssigkeit aufgefangen werden kann. Dieser Schlauch wird nach einigen Tagen wieder entfernt. Im Normalfall kann durch die Operation ein weiteres Absinken der Niere verhindert werden und die Symptome verschwinden. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beweglichkeit weiterhin besteht oder wieder auftritt.

Nach der Operation ist eine körperliche Schonung von sechs bis zwölf Wochen erforderlich. In dieser Zeit sollte der Patient nichts Schweres heben beziehungsweise so wenig wie möglich husten, damit ein Ausreißen der Nähte verhindert werden kann.

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Vorbeugung

Um einer Nephroptose vorzubeugen, sollte auf eine gute Körperhaltung geachtet und langes Stehen an einem Ort vermieden werden. Von Vorteil ist auch ein Training der Bauchmuskeln. Auch ein großer Gewichtsverlust kann zum Entstehen einer Wanderniere betragen.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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