Wald-Geißbart

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Dezember 2016
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Der Wald-Geißbart, Aruncus dioicus, ist in ganz Europa zu finden, vor allem in unbesiedelten Bergwäldern. Die Pflanze ist selten geworden und wird wegen ihres Aussehens häufig mit dem Mädesüß verwechselt. Ehemals gern genutzte Heilpflanze wird die Pflanze heute fast ausschließlich zu Zierzwecken verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Wald-Geißbarts

Der Wald-Geißbart gehört botanisch zu den sogenannten Rosengewächsen und ist auch unter den englischen Namen Buck's beard oder Goat's beard bekannt. Die beste Sammelzeit für die Wurzeln des Geißbarts ist von September bis März, für das Kraut in der Blütezeit von April bis Juli. Außer in Europa kommt die Zier- und Heilpflanze auch in Asien vor, ist aber auch auf diesem Kontinent selten anzutreffen. Wald-Geißbart wächst bevorzugt in halbschattigen Hochstaudenfluren und Bergwäldern, also fernab von menschlicher Zivilisation, was das Sammeln von Pflanzenteilen zusätzlich zum seltenen Vorkommen erschwert.

Es handelt sich um eine mehrjährige Pflanze, welche eine Höhe von bis zu zwei Metern erreichen kann. Die durchschnittlichen Triebe wachsen etwa 80 Zentimeter bis einem Meter hoch. Die gefiederten, eiförmigen Blätter sind doppelt gezähnt, was der Pflanze ihr typisches Erscheinungsbild verleiht. Die weißen Blüten erscheinen in den Monaten Mai und Juni und weisen einen Durchmesser von zwei bis maximal vier Millimeter auf. Der rispige Blütenstand des Wald-Geißbarts kann bis zu 50 Zentimeter lang werden. Im Herbst entwickeln sich aus den Blüten die sehr kleinen Samen, welche sich bereits durch kleinste Luftbewegungen verbreiten.

Wirkung & Anwendung

Wer von den Heilwirkungen des Wald-Geißbarts profitieren möchte, kann die Pflanze im eigenen Garten kultivieren. Die Selbstvermehrung funktioniert problemlos bei passender Standortwahl. Zur Kultivierung können die sehr kleinen Samenkörner zunächst mit feinem Sand vermischt und in kleine Töpfe ausgesät werden. Nachdem die Setzlinge eine Größe von mindestens zehn Zentimetern erreicht haben, kann die Umsetzung ins Freiland erfolgen. In der vollen Sonne gelingt die Anzucht nicht, die besten Zuchtergebnisse werden im Halb- oder Wanderschatten erzielt.

Der humusreiche, lockere und feuchte Boden darf auf keinen Fall Staunässe aufweisen, da dies zum Absterben der Pflanze führt. Ältere Pflanzen sollten stets zu Beginn des Frühlings zurückgeschnitten werden. Das Sammeln des Wald-Geißbarts in der Natur ist zwar nicht verboten, denn die Pflanze steht nicht unter Naturschutz. Dennoch sollte das Sammeln in freier Natur wegen des seltenen Vorkommens unterbleiben. Nach der Ernte des oberirdischen Krautes wird dieses gebündelt und an einem schattigen, luftigen Ort möglichst rasch getrocknet.

Im Herbst entwickeln sich aus den Blüten die sehr kleinen Samen, welche sich bereits durch kleinste Luftbewegungen verbreiten.

Die getrockneten Blüten und wenig Blätter können in Papiertüten zur späteren Teezubereitung aufbewahrt werden. Auch aus dem Wurzelwerk der Pflanze kann ein Teesud hergestellt werden. Dazu müssen die Wurzeln direkt nach der Ernte gereinigt, zerkleinert und an einem warmen Ort getrocknet werden. Das Kraut und die Stängel eignen sich wegen des geringen Blausäuregehaltes nicht zum Dauergebrauch, aus dem gleichen Grund sollte auch jegliche Anwendung durch Schwangere oder Stillende unterbleiben.

Für die Teezubereitung aus dem Kraut eignet sich ein Heißwasseraufguss mit einer kurzen Ziehzeit von fünf Minuten. Der Tee wirkt fiebersenkend und magenberuhigend. Wird der Tee aus der Wurzel zubereitet, dann erfolgt der Ansatz mit kaltem Wasser. Nach dem Aufkochen ist eine Ziehzeit von 30 Minuten einzuhalten, bevor abgeseiht wird. Der Wurzelsud kann auch für Umschläge bei schmerzendem Gelenkrheuma oder für Fußbäder gegen müde, geschwollene Füße eingesetzt werden. Aus der frischen, zerstampften Wurzel lässt sich auch ein Brei herstellen, der sehr gut gegen Insektenbisse und Insektenstiche hilft.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

In der traditionellen Volksheilkunde hatte der Wald-Geißbart einst eine große Bedeutung. Heute, in der modernen Phytotherapie, spielt die Pflanze dagegen keine Rolle mehr. Vielmehr ist der Wald-Geißbart als dankbarer Vasenschmuck oder als Beet- und Solitärpflanze in Ziergärten beliebt. Früher wurden die Blätter, obwohl wegen des Blausäuregehaltes leicht giftig, als Gemüse verzehrt. Aus diesem Grund wird heute von einer Verwendung als Blattgemüse dringend abgeraten. Um Vergiftungssymptome hervorzurufen, müssten jedoch erhebliche Mengen der Blätter verzehrt werden.

Einige historische Anwendungen des Wald-Geißbarts gehen auch auf seine Verwechslung mit dem Mädesüß zurück. Die heilkundliche Bedeutung des Wald-Geißbarts liegt in den beiden Hauptindikationen der Fiebersenkung und der Beruhigung der Magenschleimhaut bei Gastritis oder Ulzera. Die Inhaltsstoffe, besonders in den Wurzelanteilen der Pflanze, wirken adstringierend, beruhigend, fiebersenkend, magenschonend und tonisierend.

Die sich daraus ergebenden Anwendungsgebiete sind Fieber, Gelenkbeschwerden, Insektenbisse, Insektenstiche, Magenbeschwerden, Schwellungen und als Tonikum oder bei Venenkrankheiten. Die Anwendung als Tee oder äußerlich als Pflanzenbrei ist gut verträglich. Aufgrund des geringen Blausäuregehaltes sollte der Tee aber nicht über einen längeren Zeitraum verwendet werden. Getrocknete Wurzel, Kraut und Samen des Wald-Geißbarts können auch über Apotheken bezogen werden.

Bei der Bestellung in Apotheken muss ebenfalls auf die Verwechslungsmöglichkeit mit dem Mädesüß geachtet werden, denn auch Mädesüß ist unter dem Namen Geißbart bekannt. Zur Vorbeugung und Behandlung können täglich bis zu drei Tassen des Wald-Geißbart Tees getrunken werden. Dies kann auch über den Tag verteilt schluckweise geschehen, denn die Wirkstoffe sind auch in dem abgekühlten Tee unverändert stabil enthalten. Der Teesud aus der Wurzel weist im Vergleich zum Tee aus Blüten und Blättern die höhere Wirkstoffdichte auf.

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