Wahrer Bärenklau

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Dezember 2016
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Er hatte in der Antike große Bedeutung und soll sogar in der Bibel als Mittel zur Wundheilung erwähnt sein. Bei uns ist der Wahre Bärenklau heute als Heilpflanze fast in Vergessenheit geraten und wird höchstens noch als Zierpflanze kultiviert. Nur die Homöopathie kennt und schätzt seine Heilkräfte auch weiterhin.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Wahren Bärenklaus

Anders als sein deutscher Name vermuten lässt, hat der Wahre Bärenklau (lat. Acanthus mollis) nichts zu tun mit der Gattung Heracleum, die hierzulande ebenfalls als Bärenklau bekannt ist. Er gehört zur Familie der Akanthusgewächse und stammt aus dem westlichen bis zentralen Mittelmeerraum. Verbreitet ist er heute von Portugal über das nordwestliche Afrika bis nach Kroatien, Griechenland und Rumänien. Optisch ähnelt er eher dem Fingerhut als seinen deutschen Namensvettern, ist jedoch auch mit diesem nicht verwandt.

Die bis zu einem Meter hoch wachsende, krautige Pflanze trägt an einer aufrechten Sprossachse bis zu 60 cm lange, gefiederte Blätter. In der Zeit von Mai bis August fallen ihre langen Blütenstängel mit den weißen bis rot-violetten, helmartigen Blüten auf, aus denen sich eiförmige Samenkapseln entwickeln. Die Wurzel des ausdauernden, mehrjährigen Gewächses ist innen weiß, außen jedoch fast schwarz.

Im Volksmund ist Acanthus mollis auch als Weicher Bärenklau, Weiche Bärentatze oder Bärentapen bekannt. Er liebt mildes Klima und braucht wasserdurchlässige, lockere und möglichst humose Erde. Meist findet er sich auf sonnigen Grasflächen zwischen Sträuchern oder in Felsritzen. „Acanthus“ bedeutet im griechischen Ursprungs-Wort so viel wie „Stachel“, denn die meisten Pflanzen dieser Gattung haben stachelige Blätter. Das Beiwort „mollis“, zu Deutsch „weich“, beschreibt das Fehlen dieser Stacheln beim Wahren Bärenklau.

Wirkung & Anwendung

In früheren Zeiten gehörte Acanthus mollis auch bei uns zu den offizinellen (also amtlich anerkannten und zugelassenen) Heilpflanzen und musste somit in jeder Apotheke erhältlich sein. Er wurde geführt unter den lateinischen Bezeichnungen „Radix et Herba Acanthi“ oder „Brancae ursinae verae“. Schon in Kräuterbüchern aus dem 16. Jahrhundert ist seine wohltuende Wirkung bei Brandwunden und Verrenkungen beschrieben. Aus der zerstoßenen oder zerkochten Wurzel der Pflanze bereitete man zu diesem Zweck ein sogenanntes Kataplasma, also einen Breiumschlag, der äußerlich auf Haut und Gelenke aufgelegt wurde und sogar Geschwülste erweichen sollte.

Man konnte aber auch einfach mit dem Schleim aus der frischen Pflanze die betroffenen Hautstellen mehrmals täglich bestreichen. Für die innerliche Behandlung kamen Kraut und Wurzeln gleichermaßen zum Einsatz. Getrunken - hauptsächlich als Tee, vielleicht aber auch als Elixier oder Kräuterwein -, halfen sie bei Durchfällen, Bluthusten, Atemwegserkrankungen und vielem anderem mehr. Die umfangreiche Liste der traditionellen Anwendungsbereiche legt nahe, dass der Wahre Bärenklau über lange Zeit als Universalheilmittel galt.

Im Volksmund ist Acanthus mollis auch als Weicher Bärenklau, Weiche Bärentatze oder Bärentapen bekannt.

Abführende, adstringierende, entzündungshemmende, galle- und harntreibende Wirkung wurde ihm ebenso zugeschrieben wie ein schleimlösender, schmerzstillender und wundheilender Effekt. Die Anwendungsgebiete waren entsprechend breit gefächert - sie reichten von blauen Flecken, Quetschungen, Ekzemen und Neurodermitis über Erkältung, Bronchitis und Grippe bis hin zu Unterleibsentzündungen und Verdauungsbeschwerden jeglicher Art.

Verantwortlich für die große Heilwirkung der Pflanze ist vor allem ihr hoher Anteil an Gerb- und Schleimstoffen. Die Schleimstoffe sind es auch, die dem Wahren Bärenklau seine erweichende Wirkung verleihen. Alte medizinisch-alchemistische Nachschlagewerke zählen ihn neben Pappeln, Eibischwurz, Violenkraut und Mangold zu den fünf erweichenden Kräutern (Species emollientes).

Schleimstoffe wirken einhüllend und reizmildernd auf die Schleimhäute. Sie regulieren den Stuhlgang, saugen Giftstoffe auf und hemmen Entzündungen. Die vorhandenen Gerbstoffe wirken vor allem adstringierend und somit auch blutstillend. Sie dichten Zellmembranen ab und sorgen so ebenfalls für eine reizmildernde, entzündungshemmende Schutzschicht. Als weitere wichtige Inhaltsstoffe der Pflanze sind Enzyme, Harze und verschiedene Mineralsalze zu nennen.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Der Wahre Bärenklau hat - trotz seiner hervorragenden Eigenschaften - heute bei uns als Heilpflanze praktisch keine Bedeutung mehr. Wenn überhaupt, so wird er gelegentlich noch in der Homöopathie eingesetzt. Neben den typischen Indikationen Diarrhoe (Durchfall) und Hämoptoe (Bluthusten) behandelt sie auch Probleme der Kopfhaut mit Acanthus mollis, insbesondere im Falle einer Überfunktion der Talgdrüsen.

Homöopathische Präparate stehen in Form von Tropfen oder Tinktur, Globuli und Tabletten zur Verfügung. Im Gegensatz zur traditionellen Volksmedizin, die auch die Wurzel der Pflanze verwendet, lässt das Homöopathische Arzneibuch die Bärenklau-Essenz nur aus der frischen, blühenden Pflanze herstellen. Die Erntezeit hierfür liegt zwischen Anfang Mai und Ende Juli. Aus demselben Ausgangsmaterial wird auch das sogenannte „Teep“ zubereitet, eine Frischpflanzenverreibung, die ebenfalls in Form von Tabletten erhältlich ist.

Die Homöopathie nutzt Acanthus mollis meist in den Potenzen D 2 bis D 4, wobei die Dosierung individuell vom Behandler festzulegen ist. Die übliche Dosierung für Bärenklau-Teeps beträgt dreimal täglich eine Tablette. Neben seiner Bedeutung als universelles Heilkraut spielte der Wahre Bärenklau in der Antike noch eine ganz andere Rolle: Das Acanthus-Blatt diente als Vorlage in der Ornamentik.

Seit Mitte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts bereicherte dieses Motiv in stilisierter Form Ranken- und Palmetten-Verzierungen in der Architektur sowie Kunstwerke und Gewänder. Zuerst vom berühmten griechischen Bildhauer Kallimachos verwendet, findet es sich an korinthischen Säulen, danach auch an römischen. Als Zierpflanze im Garten kommt Acanthus mollis eher in milden Klima-Regionen in Frage, da sie unseren Wintern nur bedingt standhalten kann.

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