Wachkoma (apallisches Syndrom)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Wenn der Großteil oder die Gesamtheit der Großhirnfunktionen ausfallen, aber die Funktionen von Hirnstamm, Zwischenhirn und Rückenmark bestehen bleiben, wird von einem Wachkoma bzw. apallischen Syndrom (engl. Persistent Vegetative State, PVS) gesprochen. Der Patient wirkt wach, obwohl er vermutlich kein Bewusstsein hat. Ein Wachkoma ist zu unterscheiden vom Minimaler Bewusstseinszustand (MCS) und Locked-In-Syndrom, auch wenn die Übergänge hierbei fließend sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Wachkoma?

Ein Wachkoma bzw. appalisches Syndrom definiert sich durch einen ganzheitlichen Verlust des Bewusstseins sowie die Fähigkeit zu kommunizieren.

Ferner kommt es zu einer Darm- und Harnblaseninkontinenz. Schlaf- und Wachrhythmus sind gestört, doch die basalen Lebensfunktionen wie Kreislauf, Atmung und Verdauung funktionieren noch. Die Patienten können auch schlafen und reagieren vereinzelt auf Reize. Für Außenstehende wirken die Betroffenen wach, doch dieser Eindruck täuscht weitgehend.

Die Leitungsbahnen zwischen dem Großhirn und dem Hirnstamm sind stark zerstört. Während das Stammhirn noch funktioniert, weist die Großhirnfunktion eine ausgeprägte Störung auf. Einige Patienten wachen irgendwann wieder auf, während andere nie wieder einen normalen Bewusstseinszustand erreichen.

Das Wachkoma bzw. das appalische Syndrom ist daher ein komplexes und sehr schweres Krankheitsbild, welches in der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt wird.

Ursachen

Das Wachkoma ist stets eine Folge von einer sehr schweren Schädigung des Gehirns. Ausgelöst wird die Schädigung häufig durch ein Schädel-Hirn-Trauma oder einen Sauerstoffmangel, der durch einen Kreislaufstillstand hervorgerufen worden ist.

Weitere Ursachen dieser neurologischen Erkrankungen sind ein Schlaganfall, Meningitis und Hirntumore. Auch neurodegenerative Krankheiten, zu denen beispielsweise das Parkinson-Syndrom gehört, können das apallische Syndrom auslösen. Außerdem gibt es Fälle, in denen eine extreme andauernde Unterzuckerung zu dem Zustand Wachkoma führen kann.

Was auch immer der Auslöser ist, es kommt zu einer starken Schädigung des Großhirns. Häufig werden auch andere wichtigen Hirnregionen nachhaltig beschädigt, sodass ein Wachkoma bzw. das apallische Syndrom verursacht wird.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Augen sind meist geöffnet
  • Patient kann nicht allein essen und trinken
  • Patient kann nicht mit der Außenwelt kommunizieren
  • Bewusstsein scheint sich in einer Art Schlaf oder Dämmerzustand zu befinden
  • Inkontinenz (Harninkontinenz)
  • Stuhlinkontinenz
  • Patient bedarf kompletter Fürsorge

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose eines Wachkomas erfolgt klinisch und dauert meist mehrere Wochen oder Monate. Schwere neurologische Defektsyndrome müssen aufgedeckt werden. Dafür kommt die apparative Diagnostik zum Einsatz, zu denen die Kernspintomografie, das Elektroenzephalogramm sowie evozierte Potenziale gehören.

Sie werden im Verbund eingesetzt, da keine dieser Untersuchungsmethoden allein für eine Diagnose geeignet ist. Es muss eine Abgrenzung von anderen Krankheitsbildern wie Locked-In-Syndrom und Koma erfolgen. Ist ein Wachkoma festgestellt worden, müssen sich die Angehörigen auf einen Behandlungserfolg einstellen, welcher unter 50 % liegt. Eine bessere Prognose ist gegeben, wenn das Wachkoma erst am Anfang ist, der Patient jung ist und eine traumatische Hirnschädigung vorliegt.

Eine Besserung des Wachkomas bzw. des apallischen Syndroms ist unwahrscheinlich, wenn zum Beispiel die Hirnstammreflexe mehr als 24 Stunden fehlen, seit drei Tagen keine Pupillenreaktion mehr gezeigt wird oder ein massives Hirnödem im CT vorliegt.

Komplikationen

Patienten, die in ein Wachkoma fallen, leiden sowohl unter akuten Komplikationen als auch unter Spätfolgen, die sich häufig erst nach dem Erwachen bemerkbar machen. Zu den typischen Problem zählen Inkontinenz und Bettlägerigkeit, meist verbunden mit weiteren Folgen wie Entzündungen, wunden Stellen und Durchblutungsstörungen. Nach dem Erwachen leidet der Patient in der Regel an einem Delirium, welches mehrere Tage bis Wochen bestehen bleiben kann.

Bei länger andauerndem Wachkoma sind auch bleibende geistige Beschwerden möglich. Ein längeres Koma hat oft auch Auswirkungen auf die Psyche des Patienten. Es kommt dann zu depressiven Verstimmungen, Veränderungen in der Persönlichkeit oder schweren dissoziativen Störungen.

Auch Angststörungen können im Rahmen eines apallischen Syndroms auftreten. Ein bestehendes Wachkoma führt im Verlauf zu einer Abnahme der Hirnaktivität und kann infolge der Komplikationen tödlich verlaufen. Eine Besserung des Wachkomas wird mit dem Verlauf der Erkrankung immer unwahrscheinlicher.

Wird dem Patienten eine Magensonde gelegt, bestehen mögliche Risiken darin, dass Magen, Dünndarm oder Speiseröhre verletzt werden. In Einzelfällen wird die Magensonde in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelegt, wodurch es ernsten Verletzungen und Infektionen kommen kann. Die verabreichten Arzneimittel können in einigen Fällen unvorhergesehene Nebenwirkungen hervorrufen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des apallischen Syndroms orientiert sich an den Entwicklungsphasen der neurologischen Frührehabilitation. Im Zentrum der Therapie steht die Akutbehandlung. In dieser Phase wird meist ein Luftröhrenschnitt vorgenommen und eine Ernährungssonde durch die Bauchwand angelegt.

Meist wird zudem eine Urinableitung durch die Bauchwand gelegt. Dies sichert die Lebensfunktionen und erlaubt eine bestmögliche pflegerische Versorgung des Patienten. Bereits in dieser Phase sollten zudem Anwendungen von Physiotherapeuten und Logopäden durchgeführt werden. Nachdem die Akutbehandlung abgeschlossen worden ist, schließt sich die nächste Phase an. Dabei wird die Therapie durch neuropsychologische Maßnahmen und Ergotherapie erweitert.

Bei einigen Patienten kommt zudem die Musiktherapie zum Einsatz. Ziel dieser Behandlungsmethoden ist, die geistigen, motorischen und psychischen Funktionen zu verbessern. In dieser Phase, welche einen Monat bis zu einem Jahr dauern kann, entscheidet sich der weitere Verlauf des Gesundheitszustandes des Patienten. Wenn sich eine merkliche Verbesserung der psychischen und physischen Leistungen zeigt, können weitere Maßnahmen unternommen werden.

Verbleibt der Betroffene in einem bewusstlosen Zustand, wird die sogenannte „aktivierende Behandlungspflege“ eingeleitet. Stets erfolgt die Therapie eines Wachkomas bzw. eines apallischen Syndroms unter ärztlicher Leitung, da dies auch von den Versicherungen gefordert sowie nachgeprüft wird.

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Vorbeugung

Dem Wachkoma kann nicht direkt vorgebeugt werden. Jegliche starken Schädigungen am Kopf und Gehirn sollten jedoch vermieden werden, da diese Einfluss auf die Gehirnfunktionen nehmen könnten. Wenn bereits das Wachkoma bzw. das apalllische Syndrom vorliegt, kann durch gezielte Therapiemaßnahmen gelegentlich der Zustand des Betroffenen ein wenig verbessert werden.

Bücher über Wachkoma

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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