WHIM-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten WHIM-Syndrom

Das WHIM-Syndrom steht für Warzen–Hypogammaglobulinämie–Immundefizienz–Myelokathexis–Syndrom und stellt eine vererbbare und sehr seltene Immunschwächekrankheit dar. Die Erkrankung basiert auf dem sogenannten Zytokinrezeptordefekt, der das Immunsystem betrifft. Das WHIM-Syndrom wird autosomal dominant oder rezessiv vererbt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das WHIM-Syndrom?

Das Hauptmerkmal des WHIM-Syndroms ist eine Immunschwäche, welche von wiederkehrenden bakteriellen und viralen Infektionen gekennzeichnet ist. Betroffen sind immer die Atemwege. Hier treten im Verlauf der Erkrankung Nasennebenhöhlenentzündungen, Lungen- und Mandelentzündungen auf.

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es zu schweren Folgeerscheinungen kommen. Die Betroffenen leiden außerdem häufig an Infektionen mit humanen Papillomaviren. Diese verursachen eine Warzenbildung, meist an den Händen und Füßen. Weiterhin weisen die Patienten mit Whim-Syndrom ein hohes Risiko auf, viral bedingte Tumore zu entwickeln wie beispielsweise das Zervixkarzinom.

Im Blutserum zeigen sich häufig niedrige IgG-Konzentrationen, was als Hypogammaglobulinämie bezeichnet wird. In der Histologie weist das Knochenmark der Betroffenen des WHIM-Syndroms übermäßig viele T-Vorläuferzellen auf. Im Gegensatz dazu stellt sich häufig eine sogenannte Neutropenie dar, die auf eine fehlerhafte Freisetzung und dem Zurückhalten der neutrophilen Granulozyten des Knochenmarks zurückzuführen ist. Dies wird als Myelokathexis bezeichnet.

Ursachen

Die Ursachen für das WHIM-Syndrom liegen in einem Gendefekt. Es handelt sich um ein sogenanntes Antikörpermangelsyndrom, das sporadisch oder auch familiär gehäuft auftreten kann. Letzteres ist jedoch eher der Fall. und tritt bei etwa der Hälfte der Betroffenen auf. Fast immer zeigt sich ein autosomal dominant oder rezessiv vererbtes Muster in den Erbanlagen.

In den meisten Fällen wird die Erkrankung von einer Generation auf die nächste übertragen, wobei die Verteilung auf die Geschlechter meist ausgeglichen ist. Daher wird auch von einem autosomal dominanten Erbgang gesprochen. Verschiedene Studien bei Zwillingen haben gezeigt, dass Geschwister ebenso konkordant wie diskordant für das Auftreten des WHIM-Syndroms sind.

Eine mögliche Ursache für das WHIM-Syndrom stellen nach heutigem Erkenntnisstand auch diverse Umwelteinflüsse oder epigenetische Faktoren dar, wenn gleichzeitig ein prädispositionierendes Gen als Auslöser des WHIM- Syndroms vorhanden ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das WHIM-Syndrom stellt eine autosomal-dominant vererbbare Erkrankung dar. Ursächlich dafür ist bei über 90 Prozent der Betroffenen eine Mutation des Gens auf dem Genlocus 2q21. Dieses ist dafür zuständig, den sogenannten Chemokinrezeptor CXCR4 zu entschlüsseln.

Die Mutation, die im intrazellulären Bereich des membranständigen Rezeptors für das Zytokin CXCL12 zu finden ist, bewirkt das Auftreten eines verkürzten Rezeptorproteins. Dieses ist nicht dazu in der Lage, sich nach der Aktivierung zu internalisieren. Auf diese Weise werden alle Mechanismen, welche die negative Selbstregulation bewirken, permanent geblockt.

Die Rezeptoren werden somit dauerhaft stimuliert. Die verminderte Expression des CXCR4 wird außerdem für die Freisetzung der T-Vorläuferzellen des Knochenmarks vorausgesetzt. Die Mutationen sowie die nicht gegebene Internalisierung des CXCR4 verbleiben oberflächlich auf den TZ-Vorläuferzellen. Daher sind sie nicht dazu in der Lage, das Knochenmark zu verlassen.

Somit sind sie ursächlich für histologische Befunde in Blut und Knochenmark der Patienten. Das WHIM-Syndrom kann allerdings auch in seltenen Fällen mit einem nicht-mutierten Chemokinrezeptor auftreten. Dem liegt meist eine Fehlfunktion der Proteine zugrunde, die eine Beteiligung an der Internalisierung des CXCR4 aufweisen.

Hier tritt ebenfalls eine gestörte Immunabwehr auf, weil der CXCR4-Rezeptor auch an anderen Migrationsprozessen beteiligt ist. Die zum Teil stark verminderte Immunabwehr der Betroffenen stellt also das Hauptmerkmal des WHIM-Syndroms dar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Wird das WHIM-Syndrom nachgewiesen, sollte unbedingt eine exakte Anamnese der Medikamente erfolgen, um eine Medikamenten-induzierte Erkrankung auszuschließen. Diese kann beispielsweise nach der Gabe von Antibiotika auftreten. Ist das WHIM-Syndrom isoliert, ohne dass es zu einer klinisch nachweisbaren Symptomatik kommt, sollten regelmäßige Kontrollen des Blutbildes einschließlich eines Differentialblutbildes sowie klinische Untersuchungen vorgenommen werden.

In einigen Fällen konnte auch eine spontane Remission der Erkrankung beobachtet werden, die nach etwa fünf bis sechs Wochen auftrat. Meist verläuft das WHIM-Syndrom jedoch chronisch. Dank der modernen Genforschung ist es mittlerweile möglich, die meisten Erbkrankheiten bereits vor ihrem Ausbruch festzustellen. Da die Erbinformationen bei jedem Menschen jedoch sehr verschieden sind, sind die Genanalysen immer noch sehr ungenau.

Behandlung & Therapie

Die gängige Therapie der vom WHIM-Syndrom betroffenen Patienten besteht in dem Bestreben, die Anfälligkeit für Infekte zu senken, da diese das Hauptproblem der Erkrankung darstellt. Um das Immunsystem der Betroffenen zu unterstützen, wird häufig auf Substitutionen mit Immunglobulinen zurückgegriffen.

Weiterhin ist es notwendig, das Freisetzen der neutrophilen Granulozyten des Knochenmarks zu normalisieren. Damit dies erreicht werden kann, wird meist das GM-CSF oder G-CSF verwendet. Die Anwendung der sogenannten CXCR4-Antagonisten, zu denen auch Plerixafor zählt, wird bereits in mehrfachen klinischen Studien analysiert. Allerdings gehört sie noch nicht zur Standardtherapie des WHIM-Syndroms. Zur Behandlung der Erkrankung ist eine lebenslange Medikation angezeigt, da der Gendefekt nicht geheilt werden kann.




Vorbeugung

Da es sich bei dem sogenannten WHIM-Syndrom um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt, kann sie nicht geheilt werden. Aus diesem Grund ist auch eine Vorbeugung nicht möglich. Es handelt sich um eine autosomal dominant vererbbare Krankheit. Genmutationen sowie fehlende Internalisierung des CXCR4 verbleiben auf den Oberflächen der TZ-Vorläuferzellen. Daher können diese nicht aus dem Knochenmark austreten und stellen die Ursache für histologische Blut- und Knochenmarksbefunde dar. Dem WHIM-Syndrom läßt sich somit nicht vorbeugen.

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