Würgreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. März 2017
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Der Würgreflex ist ein Schutzreflex, der verhindern soll, dass Fremdkörper oder Flüssigkeiten versehentlich in die Atemwege eindringen, zu große Gegenstände oder z. B. extrem bittere Nahrung verschluckt werden. Ausgelöst wird der Reflex durch Berühren des Zungengrundes und/oder des weichen Gaumens, vor allem der Gaumenbögen. Ausgeführt wird der Würgreflex durch eine Kontraktion der Muskulatur des hinteren Rachenraumes.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Würgreflex?

Der Würg- oder Würgereflex dient dem Schutz des Atemtraktes und des Magentraktes vor versehentlichem Eindringen von Fremdkörpern. Im Falle der Luftröhre verhindert der Reflex das Eindringen eines festen Körpers. Die Speiseröhre soll das versehentliche Verschlucken eines zu großen Gegenstandes oder sehr bitterer oder verdorbener Nahrung, die auf Gift hindeuten könnte, verhindern.

Der Würgreflex wird der Kategorie der Fremdreflexe oder multisynaptischen Reflexe zugeordnet, weil der Auslöser des Reflexes nicht gleichzeitig der Effektor ist. Ausgelöst wird der Reflex durch Berührung des Zungengrundes und/oder des weichen Gaumens (Gaumensegel), nicht aber durch Berührung des Gaumenzäpfchens (Uvula). Die Ausführung hingegen bewerkstelligt die Muskulatur des hinteren Rachenraumes.

An der Ausführung und Koordinierung des Reflexes sind der Nervus vagus und der Nervus glossopharyngeus beteiligt. Der Nervus glossopharyngeus wird auch als 9. Hirnnerv bezeichnet, der neben somatosensiblen Nervenfasern hauptsächlich viszeromotorische und viszerosensible Fasern führt. Der Nervus vagus ist der 10. Hirnnerv und setzt sich ebenfalls aus gemischten somatosensiblen, viszerosensiblen und -motorischen Fasern zusammen.

Funktion & Aufgabe

Eine der primären Funktionen und Aufgaben des Würgreflexes besteht im Schutz der Luftröhre vor Fremdkörpern bzw. vor einer Obstruktion und damit vor Erstickung. Der gleichzeitige Schutz vor dem versehentlichen Verschlucken großer Gegenstände und verdorbener oder sehr bitterer Nahrung, die giftig sein könnte, gehört ebenfalls zu den primären Aufgaben des Reflexes.

Der Reflex ist normalerweise so stark, dass er auch bei Bewusstlosigkeit funktioniert und sogar als einer von mehreren Tests zur Feststellung des Gehirntods herangezogen wird.

Neben der Auslösung des Würgreflexes durch mechanisch-physikalische Berührungsreize des Gaumensegels oder Zungengrundes, kann der Reflex auch mental durch Ekelgefühle erzeugt werden. Im Gegensatz zum angeborenen „mechanischen“ Auslöser des Reflexes, wird Ekel durch Erfahrungen und Vorstellungen erworben.

Tradierte Speiseverbote oder wiederholte negative Erfahrungen mit der Aufnahme bestimmter Nahrung können eine starke Abneigung bis zur Erzeugung des Würgreflexes mit Erbrechen verursachen.

Der Würgreflex ist ein Schutzreflex, der verhindern soll, dass z.B. Fremdkörper oder Flüssigkeiten versehentlich in die Atemwege eindringen.

Falls der Anblick bestimmter Speisen ein Ekelgefühl auslöst, kann auch der Geschmackssinn den Würgreflex auslösen, wenn die „eklige‘“ Speise aus Versehen in den Mund gelangt und erst die Geschmacksknospen dies bemerken.

Auch Phobien, z. B. eine Spinnenphobie, die eigentlich durch Angst getriggert wird, kann einen Würgreflex verursachen. Im weiteren Sinn dient der Reflex daher nicht nur dem unmittelbaren Schutz vor Ersticken und dem Schutz vor einer mechanischen Gefährdung des Speiseröhren- und Magentraktes sowie dem Schutz vor einer möglichen Vergiftung, sondern auch dazu, bestimmte Speisen, die mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt sind, zu vermeiden. Damit kommt dem Würgreflex auch eine wichtige Sozialkomponente zu.

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Krankheiten & Beschwerden

Das häufigste Problem, das im Zusammenhang mit dem Würgreflex auftritt, ist eine Übersensibilisierung. Sie äußert sich bei anstehenden Untersuchungen des Mund- und Rachenraumes oder bei Zahnarztbehandlungen bei denen der Würgreflex auftritt und für beide Seiten, Patient und Arzt, unangenehm und störend ist. Die Übersensibilisierung des Reflexes kann so stark sein, dass bereits der Anblick des Instrumentes, das in die Mundhöhle eingebracht werden muss, einen Brechreiz auslösen kann.

Eine sonstige Störung des Würgreflexes kann vielfältige Ursachen haben. Es können rein anatomische Veränderungen im Rachenraum der Verursacher für eine Fehlfunktion des Reflexes sein oder neuronale Probleme, die sich auf den 9. und 10. Hirnnerv auswirken.

Neuronale Probleme können z. B. wegen eines Unfalls mit Läsion des 9. oder 10. Hirnnervs, wegen eines Schlaganfalls oder einer Nervenkrankheit auftreten.

Der Nervus glossopharyngeus, der am Zustandekommen des Würgreflexes beteiligt ist, kann einen sogenannten Glossopharyngeuskrampf auslösen. Es handelt sich dabei um eine Verkrampfung der Rachenmuskulatur, die auch für den Würgreflex zuständig ist. Ein derartiger Krampf kann durch eine Tollwut- oder Tetanusinfektion ausgelöst werden, wobei Tetanus- und Botulinumtoxine den Nerv vollständig lähmen können.

Ein dritter Ursachenkomplex für eine Störung des Würgreflexes liegt in psychischen Störungen, die zu einer Übersensibilisierung führen können. In diesem Zusammenhang steht eine klassische Konditionierung des Reflexes in einer Zahnarztpraxis, wenn bei einem Patienten z. B. durch eine etwas unsensible Handhabung eines Abdrucklöffels mit einem Zuviel an Abdruckmaterial ein starker Würgreflex ausgelöst wurde, den der Patient nicht mehr unterdrücken konnte. Bei entsprechend sensiblen Patienten kann das für eine Konditionierung, also Verstärkung des Reflexes, ausreichen.

Eine häufige passive oder aktive Auslösung des Reflexes kann zu einer Desensibilisierung bis zum völligen Erliegen führen. Ein klassisches Beispiel sind an Bulimie erkrankte Menschen, die den Würgreflex häufig nutzen, um zu erbrechen.

Eine gezielte Desensibilisierung auf psychologischer Basis unter Anleitung eines Therapeuten zur Rückführung des Würgreflexes auf ein „Normalmaß“ kann sinnvoll sein. Im Erfolgsfall wird damit vermieden, dass jede Zahnarztbehandlung oder jede Behandlung, die mit dem Mund- und Rachenraum zu tun hat, zu einem Problemfall mit der Notwendigkeit einer Beruhigung durch ein Sedativum oder gar die Notwendigkeit einer Kurznarkose wird. Auch eine gezielte Akupunkturbehandlung kann erfolgreich zur Desensibilisierung eingesetzt werden.

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