Vulvakarzinom (Vulvakrebs)

Letzte Aktualisierung am 29. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Ein Vulvakarzinom, auch als Vulvakrebs bekannt, ist eine verhältnismäßig seltene, aber ernstzunehmende Krebserkrankung im weiblichen Genitalbereich. Wie bei allen Formen von Krebserkrankungen, ist auch für das Vulvakarzinom eine frühzeitige Entdeckung entscheidend für den Therapieerfolg.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Vulvakarzinom?

Bei einem Vulvakarzinom handelt es sich um einen bösartigen, also malignen Tumor im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Dieser Bereich besteht aus äußeren und inneren Schamlippen sowie Klitoris und Scheidenvorhof.

In etwa 90 Prozent aller Fälle entwickelt sich ein solches Vulvakarzinom aus den obersten Schichten der Schleimhaut heraus und wird dann als Plattenepithelkarzinom bezeichnet. Aber auch alle anderen Arten von Tumoren, etwa der so genannte schwarze Hautkrebs, werden unter dem Begriff Vulvakarzinom zusammengefasst, sofern sie im Bereich der Vulva auftreten.

Vulvakarzinome kommen eher selten vor; jährlich erkranken in Deutschland etwa 3.400 bis 4.000 Frauen. Das Risiko, ein Vulvakarzinom zu entwickeln, steigt mit dem Alter deutlich an; die Betroffenen sind meist älter als 60 Jahre.

Ursachen

Die Ursachen eines Vulvakarzinoms konnten noch nicht endgültig geklärt werden, häufig geht die Erkrankung jedoch mit bestimmten Risikofaktoren einher. Der bedeutendste davon ist die Infektion mit den so genannten humanen Papillom-Viren, kurz HPV.

Diese Viren werden durch den Geschlechtsverkehr übertragen und stehen im Zusammenhang mit zahlreichen weiteren Erkrankungen im Genitalbereich, etwa auch dem Gebärmutterhalskrebs. Die Viren können im Bereich der Vulva zu Hautveränderungen führen, aus denen sich dann wiederum das Vulvakarzinom entwickeln kann.

Der Entstehung eines Vulvakarzinoms kann auch eine Infektion mit Herpesviren, Chlamydien oder dem Syphilis-Erreger Treponema pallidum sowie die so genannte Weißschwielenkrankheit (Leukoplakie) vorausgehen. Auch eine Schwächung der Immunabwehr, etwa durch eine AIDS-Erkrankung, kann die Entstehung eines Vulvakarzinoms begünstigen. Beobachtet wurde im Zusammenhang mit Vulvakarzinomen außerdem ein verstärkter Nikotinkonsum durch Rauchen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Vulvakrebs trifft statistisch gesehen nur die wenigsten Frauen. Die Erkrankung wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Das liegt daran, dass erst dann Schmerzen auftreten. Manchmal gelingt einem Gynäkologen im Rahmen einer Routineuntersuchung eine Feststellung in der Frühphase. Eine nachhaltige beschwerdefreie Entfernung des Tumors ist im Anfangsstadium meist problemlos möglich. Zu unterscheiden sind beginnende und fortgeschrittene Anzeichen einer Erkrankung.

Anfänglich klagen betroffene Frauen über einen ungewöhnlichen Juckreiz. Dieser tritt an den äußeren Schamlippen oder zwischen der Klitoris und der Harnröhrenöffnung auf. Auch haben sich dort manchmal rötliche Flecken oder Narben gebildet. Regelmäßig entstehen Verhärtungen, die an Warzen erinnern. Aber auch ein erhöhter Scheidenausfluss weist auf ein Vulvakarzinom hin.

Während oder nach dem Geschlechtsakt kann es zu ungewöhnlichen Blutungen kommen. Nachdem der Tumor eine gewisse Größe erreicht hat, verspüren Frauen oft Schmerzen, wenn sie ihre Blase entleeren. Der Genitalbereich fühlt sich tagsüber und nachts wund an. Geschwüre haben sich gebildet.

Auch Knoten lassen sich ertasten. Vulvakrebs kann im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden in anderen Körperregionen auslösen. Schmerzen am Rücken sind genauso anzutreffen wie an den Beinen. Dafür sind die Nerven im Rückenmark verantwortlich.

Diagnose & Verlauf

Insbesondere im Frühstadium macht sich ein Vulvakarzinom kaum durch spezifische Symptome bemerkbar, etwa ein Fünftel aller betroffenen Frauen spürt keinerlei Beschwerden. Relativ häufig tritt jedoch ein hartnäckiger Juckreiz auf.

Weitere Hinweise können Hautveränderungen in Form von rötlichen Flecken oder warzenähnlichen Erhebungen liefern, ebenso Ausfluss, der unter Umständen auch blutig sein kann. Im fortgeschrittenen Stadium entstehen Geschwüre oder Knoten, deren Oberflächenstruktur der eines Blumenkohls vergleichbar ist.

Zu den ersten Untersuchungen beim Arzt gehören eine Tastuntersuchung und eine Kolposkopie. Mit dem Kolposkop wird die Schleimhaut der Vulva mehrfach vergrößert dargestellt und kann so besser auf Auffälligkeiten hin betrachtet werden. Eine endgültige Diagnose des Vulvakarzinoms erfolgt über die Biopsie, also die Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe.

Eine möglichst frühzeitige Diagnose ist vorteilhaft, weil Vulvakarzinome bereits in frühen Stadien Metastasen in den benachbarten Lymphknoten bilden können.

Komplikationen

Wird der Vulvakrebs rechtzeitig entdeckt, sind meist keine Komplikationen zu erwarten. Beginnt die Therapie aber erst in einem fortgeschrittenem Stadium, steigt das Risiko, dass der Tumor zu streuen beginnt. In diesen Fällen bilden sich Metastasen, die oftmals zuerst das Lymphsystem, insbesondere die Lymphknoten der Leistengegend, befallen.

Im nächsten Schritt bilden sich dann Karzinome im kleinen Becken. Sofern der Patient auf die Therapieversuche nicht anspricht, können im weiteren Verlauf auch andere innere Organe, insbesondere die Leber- oder die Nieren betroffen werden. Dies kann zu weiteren schweren, eventuell lebensgefährlichen, Komplikationen wie einem Multiorganversagen führen.

Komplikationen können darüber hinaus auch aus der Therapie selbst resultieren. Beim Vulvakrebs wird der Tumor in der Regel operativ entfernt. Wie bei jeder Operation kann es hier zu schweren Blutungen und zu einer Infektion der Operationswunde und infolge zu einer Sepsis kommen. Des weiteren wird der Tumor oftmals, insbesondere, wenn er bereits sehr groß ist, vor der Operation einer Strahlentherapie unterzogen, um ihn schrumpfen zu lassen.

Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie sind für die meisten Patienten deutlich weniger belastend, als die einer Chemotherapie, dennoch können sich Begleiterscheinungen einstellen, die die Lebensqualität massiv einschränken. So kann es bei empfindlichen Personen und bei Patienten, deren Allgemeinzustand bereits stark geschwächt ist, zu Schäden an der Schleimhaut von Mund und Rachen sowie an der Blase und den Geschlechtsorganen kommen. Auch schwere Magen-Darmstörungen werden gelegentlich beobachtet.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Vulvakarzinoms erfolgt in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle durch eine Vulvektomie, das bedeutet, das Vulvakarzinom wird im Rahmen einer Operation entfernt. Wie umfassend diese Operation ausfällt, hängt vom Fortschritt der Krankheit ab. Ihr Ziel ist es, das Vulvakarzinom vollständig zu entfernen, also mit allen eventuell vorhandenen Metastasen. Deshalb umfasst die Operation manchmal auch benachbarte Lymphknoten, Gebärmutter, Harnblase oder Darm.

Je nach Lage und Größe des Vulvakarzinoms kann es sinnvoll sein, den Tumor vor seiner operativen Entfernung zu bestrahlen, um ihn auf diesem Weg zu verkleinern. Eine Bestrahlung nach erfolgter Operation dient dem Zweck, das Risiko für ein erneutes Auftreten des Vulvakarzinoms zu senken. Zur Behandlung von Metastasen kann eine Chemotherapie notwendig werden.

Je nach Ausmaß der Vulvektomie können ihr weitere Eingriffe zur Wiederherstellung und zum Funktionserhalt der Geschlechtsorgane folgen. Nach der Operation ist in den ersten beiden Jahren alle drei Monate, in den darauffolgenden drei Jahren alle sechs Monate eine Nachsorgeuntersuchung notwendig.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen Vulvakarzinome ist nur eingeschränkt möglich. Mit der Impfung junger Frauen gegen humane Papillom-Viren, wie sie zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge empfohlen wird, lässt sich jedoch ein wesentlicher Risikofaktor auch für Vulvakarzinome ausschalten. Entscheidend für eine möglichst frühzeitige Entdeckung ist auch die regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen.

Bücher über Vulvakarzinom

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Plötz, G., Ring, J., Hein, R.: Häufige Hauttumoren in der Praxis. Springer, Berlin 2012

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