Vorzeitiger Samenerguss

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Juli 2017
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Bei einem vorzeitigen Samenerguss bzw. Ejaculatio praecox handelt es sich um eine häufig vorkommende Ejakulationsstörung bei Männern. Aus medizinischer Sicht handelt es sich dabei nicht um eine schmerzhafte Krankheit, dennoch kann die Störung das Sexualleben des Betroffenen und seiner Partnerin stark beeinträchtigen. Das Phänomen ist stark verbreitet und der Leidensdruck der Betroffenen zum Teil erheblich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?

Für einen vorzeitigen Samenerguss gibt es keine einheitliche Definition. Wenn ein Mann den Zeitpunkt des Samenergusses nicht kontrollieren kann und der Orgasmus früher als gewünscht ausgelöst wird, wird dies ganz allgemein als vorzeitiger Samenerguss bezeichnet.

Dabei kommt es bereits entweder kurz vor oder kurz nach dem Eindringen in die Scheide zur Ejakulation (Samenerguss). In manchen Definitionen spielt auch die Fähigkeit, die Frau sexuell zu befriedigen eine Rolle. Hierbei wird von einem vorzeitigen Samenerguss gesprochen, wenn der Mann nicht in der Lage ist, seinen Samenerguss so zu kontrollieren, dass beide Partner beim Geschlechtsverkehr befriedigt werden.

Bei dem Phänomen wird zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Störung unterschieden. Die angeborene Form kann körperliche Ursachen haben, die erworbene Form ist oftmals auf psychische Ursachen zurückzuführen. Ein vorzeitiger Samenerguss stellt immer eine große psychische Belastung dar.

Ursachen

Für einen vorzeitigen Samenerguss kann es verschiedene Ursachen geben. Diese sind jedoch noch nicht endgültig geklärt. So sind die Wissenschaftler noch in der Diskussion, ob eventuell neben psychischen und körperlichen Ursachen auch neurophysiologische Gründe für einen vorzeitigen Samenerguss verantwortlich sein können.

Bei den psychischen Ursachen können die unterschiedlichsten Auslöser vorliegen. So können frühkindliche sexuelle Störungen, sexuelles Leistungsdenken, eine eingeschränkte Sexualerziehung oder auch Versagensängste zu einem vorzeitigen Samenerguss führen. Bei den körperlichen Erkrankungen sind häufig Harnwegsinfekte oder auch Diabetes mellitus für das Phänomen verantwortlich. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann zu einem vorzeitigen Samenerguss führen.

Die Ejakulation wird von verschiedenen Botenstoffen im Gehirn beeinflusst. Unter anderem ist auch der Botenstoff Serotonin daran beteiligt. Durch einen erhöhten Serotonin-Spiegel im Gehirn kann sich die Zeitspanne bis zur Ejakulation verlängern. Der vorzeitige Samenerguss kann als ein angeborenes oder erworbenes Phänomen auftreten.

Bei der angeborenen Form sind meist körperliche Erkrankungen ursächlich dafür verantwortlich. Die erworbene Form lässt sich in der Regel auf psychische Ursachen zurückführen. Eine vorzeitige Ejakulation kann unter Umständen eine lebenslange Beschwerde sein. Jedoch kann ein vorzeitiger Samenerguss auch nur für eine vorübergehende Zeit auftreten.

Diagnose & Verlauf

Nur wenige, von einem vorzeitigen Samenerguss betroffene Männer, begeben sich in ärztliche Behandlung. Um eine Diagnose zu stellen, sind in erster Linie die Befragung und das Gespräch mit dem Betroffenen wichtig. Über genaue Fragen zu den Beschwerden, aber auch zu sexuellen Erfahrungen und Entwicklung, sowie zu eventuell vorhandenen Ängsten, kann der Arzt zu einer Diagnose gelangen.

Vermutet er unter Umständen auch körperliche Ursachen können entsprechende weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Der Arzt wird besonders die Krankengeschichte berücksichtigen. Diese gibt dem Mediziner wichtige Informationen über das Sexuallleben des Patietenten und kann so einen wichtigen Beitrag zur weiteren Behandlung liefern.

Behandlung & Therapie

Ein vorzeitiger Samenerguss kann mit Hilfe medikamentöser, psychotherapeutischer oder physischer Maßnahmen behandelt werden. Entscheidend für die Wahl der Behandlungsmethode sind immer die auslösenden Ursachen. Bei den psychotherapeutischen Methoden werden verschiedene Therapien angewandt. So können zum Beispiel Sexualtherapie, Paartherapie, Verhaltenstherapie oder Familientherapie eingesetzt werden.

Mit Hilfe einer entsprechenden Psychotherapie können Ängste abgebaut werden. Aber auch Denk- und Verhaltensweisen können verändert werden, sowie ein vorhandener Leistungsdruck angebaut werden. Eine Behandlung mit Medikamente wird meist eingesetzt, wenn eine psychotherapeutische Therapie keinen Erfolg bringen konnte. Häufig werden dann sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt, welche den Orgasmus-Reflex verzögern können. Auch werden Cremes und Gels genutzt, die die Empfindsamkeit des Penis vermindern.

Durch die medikamentösen Methoden können zwar die Symptome behoben werden, die Ursachen bleiben jedoch bestehen. Darüber hinaus wurden spezielle Methoden entwickelt, die den betroffenen Männern helfen können, das Problem zu bewältigen. Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte Stopp-Start-Methode, bei der die Betroffenen lernen, ihre Erregung zu kontrollieren und so einen vorzeitigen Samenerguss zu verhindern. Eine Fortführung dieser Methode stellt die Squeeze-Methode, bei der durch Druck auf den Penis der Ejakulationsreflex unterbrochen wird.

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Vorbeugung

Da es sich bei einem vorzeitigen Samenerguss um eine Orgasmusstörung handelt, gibt es keine direkten Vorbeugemaßnahmen gegen das Auftreten des Symptoms. Durch verschiedene Therapien oder Methoden ist es für die Betroffenen jedoch möglich, die eigene Erregbarkeit besser wahrzunehmen und so einem vorzeitigen Samenerguss vorbeugen können. Darüber hinaus ist es wichtig, einem sexuellen Leistungsdruck entgegenzuwirken, da dies ein auslösender Faktor für einen vorzeitigen Samenerguss sein kann.

Bücher über vorzeitgen Samenerguss

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004

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