Voriconazol

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016Geprüfte Qualität
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Voriconazol ist ein Wirkstoff, den MedizinerInnen zur Behandlung von Pilzinfektionen einsetzen können. Er gehört damit zur Gruppe der Antimykotika. Die Wirkung des Arzneimittels beruht auf einer Substanz, die die Zellwand des Pilzes beschädigt. Mögliche Anwendungsgebiete sind zum Beispiel Infektionen mit Aspergillus, Fusarium, Scedosporium und Candida, wobei ÄrztInnen die zahlreichen potenziellen Wechselwirkungen berücksichtigen müssen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Voriconazol?

Bei Voriconazol handelt es sich um einen pharmazeutischen Wirkstoff mit der Summenformel C16H14F3N5O. Das Arzneimittel gehört zur Gruppe der Antimykotika, da es zur Behandlung von Pilzinfektionen zum Einsatz kommen kann, die von den Erregern Aspergillus, Fusarium, Scedosporiu oder Candida ausgehen. Die Anwendung des Wirkstoffs ist neben der allgemeinen Indikation auch von individuellen Faktoren abhängig.

Patienten können Voriconazol, je nach verschriebenem Präparat, entweder als Infusion oder oral (in der Regel als Filmtabletten) einnehmen. Lösungen in Flüssigkeit, zum Beispiel für Infusionen und Suspensionen, müssen in der Regel zunächst aus einem weißen Pulver angerührt werden. In dieser Form lässt sich Voriconazol unter anderem besser lagern. Im Handel ist es zum Beispiel unter dem Namen Vfend® sowie als entsprechende Generika erhältlich.

Pharmakologische Wirkung

Voriconazol wirkt gegen schwere Pilzinfektionen, indem es den Pilz im Aufbau seiner Zellwände hemmt. Die Zellen eines Pilzes besitzen, wie pflanzliche Zellen, sowohl eine Zellwand als auch eine Zellmembran. Die Zellwand verleiht ihnen unter anderem Stabilität und hat eine schützende Funktion inne. Im Gegensatz zu Pflanzen und Pilzen verfügen Menschen nicht über Zellwände um ihre Zellen, sondern lediglich über eine Membran.

Um den Pilz daran zu hindern, seine Zellwände aufzubauen, greift Voriconazol in den Stoffwechsel des Krankheitserregers ein und stört das Enzym Lanosterol-14α-Demethylase. Dieses Enzym existiert auch in anderen Lebewesen als Pilzen und ist an der Synthese verschiedener biologischer Moleküle beteiligt. Dazu gehören bestimmte Lipide, Vitamine und Steroide; eines dieser Steroide, das bestimmte Pilze benötigen, ist Ergosterol. Lanosterol-14α-Demethylase spielt eine wichtige Rolle bei der Umwandlung des Ausgangsstoffs Ianosterol in Ergosterol, das unter anderem die Härte der Membran bestimmt und dadurch den Zellwandbau beeinflusst.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Voriconazol ist ein Wirkstoff, den MedizinerInnen zur Behandlung von Pilzinfektionen einsetzen können. Mögliche Anwendungsgebiete sind zum Beispiel Infektionen mit Aspergillus.

ÄrztInnen verschreiben Voriconazol vor allem bei schweren Pilzinfektionen, zum Beispiel wenn Organsysteme gefährdet sind oder Behandlungsversuche mit anderen Medikamenten nicht erfolgreich verliefen. Zu den Indikationen gehören schwere Infektionen mit Aspergillus, Candida, Fusarium und Scedosporium.

Die Sporen des Aspergillus befinden sich in großer Anzahl in der Luft; ein gesunder Mensch atmet sie in der Regel ein und aus, ohne dass sie im Körper zu einer Infektionen führen. Vor allem Medikamente, die das Immunsystem hemmen (Immunsupressiva) können jedoch zur Folge haben, dass an sich relativ ungefährliche Sporen, wie die des Aspergillus, zu schweren Infektionen führen.

In vielen Fällen befällt eine der vielen Unterarten des Pilzes als erstes die Lunge, setzt sich im Gewebe fest und bildet einen Gießkannen-ähnlichen Hals aus, dem der Pilz auch den Namen „Gießkannenschimmel“ verdankt. Aspergillus fumigatus tritt besonders häufig als Verursacher einer solchen Aspergillose auf. Im schlimmsten Fall kann die Pilzinfektion zur Zerstörung des Gewebes und zur Ausbreitung des Pilzes im ganzen Organismus führen. Eine möglichst effektive Behandlung ist deshalb essentiell. Die Aspergillose kann sich auch auf das zentrale Nervensystem auswirken, was vor der Zulassung von Voriconazol ein großes Problem darstellte – denn nicht jedes Medikament kann Gehirn und Rückenmark erreichen und dadurch gegen die Aspergillus-Ausbreitung vorgehen. Voriconazol bildete deshalb für in der Aspergillose-Behandlung des zentralen Nervensystems einen bedeutenden Meilenstein.

Ein anderes Anwendungsbeispiel für Voriconazol sind hartnäckige Candida-Infektionen (Soor), deren Behandlung mit anderen Wirkstoffen nicht erfolgreich verlief. Auch Candida stellt im Normalfall keine wesentliche Bedrohung für den menschlichen Organismus dar und lebt im bzw. am menschlichen Körper in einem ausbalancierten Gleichgewicht mit anderen Mikroorganismen. Störungen in diesem Gleichgewicht können eine Ausbreitung von Candida zur Folge haben: es kommt zur opportunistischen Infektion, die oft mehrere Körperpartien gleichzeitig betrifft.

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Risiken & Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Voriconazol sind Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und Durchfall sowie Fieber, Hautausschlag und periphere Ödeme. Bei peripheren Ödemen handelt es sich um Wassereinlagerungen, zum Beispiel in den Beinen, die sich in einer Schwellung des betroffenen Gewebes bemerkbar machen.

Auch neurologische und psychiatrische Symptome können sich infolge der Medikation manifestieren; zu ihnen gehören Kopfschmerzen, Sehstörungen, Benommenheit und Schläfrigkeit, aber auch psychotische Symptome wie Halluzinationen, Verwirrtheit, Angstzustände und Depression.

In manchen Fällen erweist sich Voriconazol als toxisch für die Leber des Patienten – die Medizin spricht in diesem Zusammenhang deshalb auch von Hepatotoxizität. Eine weitere mögliche Nebenwirkung kann sich im Elektrokardiogramm (EKG) zeigen, wenn sich das QT-Intervall verlängert, das die Depolarisation und Repolarisation der Herzkammern kennzeichnet und zwischen zwei charakteristischen Abschnitten der EKG-Wellen liegt: zwischen dem QRS-Komplex und der T-Welle.

Darüber hinaus kann Voriconazol zu Wechselwirkungen mit zahlreichen anderen Medikamenten führen, darunter Antikoagulanzien, Astemizol, Barbiturate, Benzodiazepine, Calciumantagonisten, Carbamazepin, Ciclosporin, Cisaprid, Präparaten mit Johanniskraut, Phenytoin, Rifabutin, Rifampicin, Sirolimus, Tacrolimus und Terfenadin.

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